117 Länder der Erde erkundet
Weltenbummler

Das berühmte buddhistische Tigernest- Kloster hat der 58-jährige Weltenbummler auch schon gesehen. Von jeder seiner Reisen nimmt er etwas Bestimmtes mit. (Foto: exb)
Vermischtes
Grafenwöhr
16.02.2018
967
0
 
Ganz nah dran an den Tieren der Wildnis: Im Südluangwa-Nationalpark in Sambia geht das. (Foto: exb)
 
Harald Grüner hat schon viel von der Welt gesehen. Auf seinen Reisen entdeckt er immer wieder neues. Unsere Karte zeigt, welche Länder (blau) der ehemalige Grafenwöhrer schon besucht hat. (Foto: Grafik: nt/az)

58 Jahre, 117 Länder. Der Spruch „Er hat die halbe Welt gesehen“ trifft auf Harald Grüner schon gar nicht mehr zu. Der ehemalige Grafenwöhrer kann auf seiner To-Do-Liste mittlerweile hinter fast zwei Drittel aller Länder der Erde ein Häkchen setzen – an den restlichen arbeitet er noch.

Das Quiz „Stadt, Land, Fluss“ dürfte für Harald Grüner jedes Mal ein Kinderspiel sein. Er hat nicht nur alle Länder der Erde im Erdkundeunterricht auswendig gelernt, er weiß sogar zu fast jedem eine Geschichte. Denn sein Hobby ist das Reisen. Länder von A bis Z hat Grüner, der als Kind in Grafenwöhr lebte und dort noch Familie hat, schon gesehen. Die meisten erkundet er lange und intensiv, wenige kennt er nur vom Flughafen oder hat beim Sightseeing die Grenze übertreten, ohne offiziell einzureisen. Auf seinen Fernreisen erlebt er viel. Dabei ist er mehrere Male nur ganz knapp dem Sensenmann entkommen.

Es war im Dezember 2004: Harald Grüner schaut sich Thailand an und entkommt um Haaresbreite einer der größten Naturkatastrophen – dem Tsunami. Die gewaltige Welle riss damals rund 300 000 Menschen in den Tod. „Sie hat mich in Phuket um zwei Stunden verfehlt“, erinnert sich der 58-Jährige. Grüner war, kurz bevor die gewaltigen Wassermassen alles zerstörten, mit seiner Reisegruppe zum nächsten Ziel aufgebrochen. „Beim Abendessen habe ich die ersten Bilder gesehen und gemerkt: Das ist in Thailand, das ist hier“, erinnert er sich. Bilder von Menschen, die in Badehosen zum Flughafen kamen, ohne Pass, ohne Koffer, sind ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Und natürlich die schrecklichen Verwüstungen und Todesopfer. „Circa 300 000“ hat sich Grüner dazu in seiner Reise-Tabelle notiert, die er akribisch pflegt.

Auf seinen Ausflügen erlebt er aber auch viele schöne Momente. Auch das hält er in seiner Liste fest. „Man verliert schnell mal den Überblick“, gesteht er. Kein Wunder, bei den vielen Ländern. Da fällt es ihm auch nicht so leicht, sich gleich auf die Top 3 seiner besten Urlaube festzulegen. Kurz muss Grüner überlegen, dann fallen ihm Neuseeland – seine erste große Fernreise im Jahr 1997 –, die Seychellen und die Fidschi-Inseln ein. „Ich bin mehr der Sommerurlauber“, meint er. Besonders zu Weihnachten zieht es ihn deshalb in wärmere Gefilde, meistens in die Tropen.

Drei bis vier Mal im Jahr unternimmt er eine Fernreise für je zwei bis drei Wochen. Sein Chef bei Opel in Rüsselsheim, wo Grüner als Qualitätsingenieur arbeitet, sei da sehr verständnisvoll. „Man muss sauber planen. Und mein Chef hat noch nie gesagt, es geht nicht.“ Für sein Hobby gibt Grüner viel Geld aus: Fünfstellige Beträge pro Jahr, schätzt er. „Aber ich mache keine Schulden“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Die meisten der 117 Länder, zu denen Grüner auch ehemalige Länder wie die DDR und Jugoslawien zählt, hat er nur einmal besucht. „Ich habe mir gesagt, wenn ich verreise, will ich immer in ein anderes Land. Dann gucke ich, wenn ich Kataloge vor mir habe, was denn noch übrig bleibt.“ Neue Gegenden zu erkunden, reizt ihn immer besonders. Große Menschenmassen meidet er dabei am liebsten. Seine Reisen bucht er deshalb bei Anbietern, die mit kleineren Gruppen unterwegs sind. „Man kennt sich vorher nicht“, erklärt Grüner die Konstellation. Auf seinen Touren fasziniert ihn vor allem die Ruhe, die Natur. Viele traumhafte Orte sieht er so: den Kilimandscharo in Afrika beispielsweise und die Niagarafälle in Kanada, das älteste Dorf auf Zypern (Chirokitia), die Chinesische Mauer, den Titicacasee zwischen Peru und Bolivien und die Blaue Lagune bei den Fidschi-Inseln. „An die Bar setzen kann ich mich in Rüsselsheim auch“, erklärt Grüner seine Urlaube voller Action.

Wenn er schon so weit reist, will er etwas erleben und Tiere in der Wildnis sehen: Einen Glattwal konnte er in Argentinien beobachten. Auch Zebra, Elefant, Löwe, Schimpanse, Breitmaulnashorn, Koalabär, Skorpion und eine Schwarze Mamba kreuzten schon seinen Weg. „Schlangen sind sehr scheu und ergreifen die Flucht“, weiß er. Bei der drei Meter langen Schwarzen Mamba hielt Grüner aber lieber ein bisschen mehr Sicherheitsabstand. Ein Biss und nach 20 Minuten bleibt das Herz stehen. Ein Arzt wäre in Afrika so schnell nicht zur Stelle gewesen.

Auf seine Reisen bereitet sich Grüner deshalb immer gut vor. Er liest viel über das jeweilige Land, nimmt sich die Tipps der Reiseleiter zu Herzen. Mittlerweile hat er auch schon ein Standardsortiment für seine Reisen zusammen. Festes Schuhwerk, lange Shirts und Hosen gegen Insekten und die ein oder andere Tablette aus seinem Notfallset – zum Beispiel gegen Malaria. „Der beste Insektenschutz ist aber, dass man nicht gestochen wird“, scherzt Grüner. „Ich habe auch alle Pflichtimpfungen“, fügt er hinzu. Trotzdem könne es immer mal passieren, dass er im Urlaub krank wird. An das Jahr 2009 erinnert er sich noch gut: „Ich war an Heiligabend wegen Durchfalls in Indien im Krankenhaus.“ Grüner musste mehrere Kilometer fahren, um endlich Hilfe zu bekommen. Wäre er auf den Fidschi-Inseln gewesen, wäre es noch schwieriger: Selbst bei einer kaputten Brille müsse man dort erst in die Hauptstadt fliegen. Ein Grund, warum Grüner trotz der vielen schönen Orte, die er schon sehen durfte, nicht aus seinem Heimatland Deutschland auswandern will.

Kulturschocks wie diese hat er auf seinen Reisen schon mehrere erlebt: In Afrika stapeln sich die Müllberge. Eine Müllabfuhr gibt es nicht. „Die Ziegen fressen dann das Plastik und verenden.“ Im Senegal regieren Stammeshäuptlinge, „die so eine Art Bürgermeister spielen, ihre Untertanen als Leibeigene betrachten und verkaufen“, beschreibt Grüner eine ganz andere Welt. Beeindruckend fand er dort allerdings die vielen Stammessprachen. „Viele haben keine Schrift, kommunizieren mit Schnalzlauten.“ Ein interessantes Erlebnis, das Afrika für ihn so spannend macht. Erst zu Weihnachten war er wieder im Senegal unterwegs. Und seine nächsten Ziele sind auch schon geplant: An Ostern geht es nach Brasilien, Uruguay und erneut nach Argentinien. Hinter Land Nummer 118 und Nummer 119 kann er dann auch ein Häckchen setzen.

Übrig bleiben in etwa 75 Länder, die er noch nicht erkundet hat. Eine genaue Zahl lässt sich aber nicht sagen, denn diese ändert sich immer wieder. Und damit er von all seinen Reisen um die ganze Welt nichts vergisst, macht er Fotos, notiert besondere Erlebnisse in seine Tabelle und nimmt aus jedem Land ein T-Shirt mit – ein waschechter Weltenbummler eben.

Die Reisestatistik gibt es hier als Download (PDF)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.