23.06.2017 - 20:10 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Bernhard Müller und Wolfgang Traßl feiern Priesterjubiläum Tag der Jubiläen

Tiefe Dankbarkeit, aber auch Zukunftssorgen - die Seelsorger Bernhard Müller und Wolfgang Traßl blicken auf 40 und 50 Jahre Priestertum zurück und feiern Doppeljubiläum.

Stadtpfarrer Bernhard Müller feiert sein 40-jähriges Priesterjubiläum.
von Autor AZProfil

Zu einem Festtag der besonderen Art ist an diesem Sonntag die Pfarrgemeinde eingeladen. Stadtpfarrer Bernhard Müller und Bischöflich Geistlicher Rat Wolfgang Traßl feiern 40. und 50. Priesterjubiläum. Bernhard Müller, Jahrgang 1951, ist zwar gebürtiger Oberfranke (Kupferberg), lebte aber seit dem fünften Lebensjahr in Regensburg.

Dem Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium folgte 1971 das Priesterseminar. Am 25. Juni 1977 wurde er im Dom zu Regensburg zum Priester geweiht. Die erste Kaplanstelle war in Selb, die zweite in Neustadt an der Waldnaab. Von 1983 bis 1988 arbeitete er als Präfekt im Priesterseminar Regensburg. 17 Jahre, von 1988 bis 2005, wirkte er als Pfarrer in Kirchenlaibach, im gleichen Jahr trat er die Nachfolge von Stadtpfarrer Hans Bayer in der Pfarrei Grafenwöhr an.

In Zukunft mehr wagen

Die Ministrantenarbeit in der Regensburger Pfarrei Sankt Wolfgang sei "vorbildlich" gewesen, so dass der Wunsch gewachsen sei, in den Dienst der Kirche zu treten und hier "in der Gemeinde für die Menschen da zu sein". Nie hätte ihn eine Sonderaufgabe innerhalb der Kirche gereizt. "Ich wollte immer in der Pfarrei sein." Die gesamte Bandbreite der Seelsorge sei für ihn besonders erfüllend gewesen. Von den Taufen bis zu den Beerdigungen. "Das tägliche Bemühen, für die Belange der Pfarrei da zu sein und den Menschen zu dienen." Natürlich sei der Dienst nicht immer eitel Freude, mitunter ziemlich mühsam und belastend. Unter den vielen Verwaltungsaufgaben, so sein Bedauern, würde manchmal die Seelsorge leiden.

Er wünsche sich von der Kirche, mehr zu wagen, "was momentan unmöglich erscheint". Weil es immer weniger Priester gibt, müsse man sich über "andere Formen" Gedanken machen. Dem Diakonatsamt käme Gewicht zu, ältere verheiratete oder verwitwete Männer zum priesterlichen Dienst auszubilden, sei eine weitere Option. Generell wichtig sei ihm das Mitwirken von möglichst vielen Frauen und Männern in der Gemeinde. Müller beklagt: "Dieses starre Denken, dass Priester erst mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen können", müsste ernsthaft in Angriff genommen werden.

All das Belastende im Beruf sollte einem früher, etwa mit 67, abgenommen werden. Als Pfarrer nicht mehr "in der Voll-Verantwortung" stehend, könnte man dafür "andere seelsorgliche Aufgaben" wahrnehmen. "Leider gibt es noch keinen Vor-Ruhestand", erklärt Müller. Ruhestandspriester als Aushilfen bewertete er als "sehr wichtig". Ein weiterer Wunsch: Dass die Ökumene weiter vorankomme. Sehr zufrieden ist er mit Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat. Müller bilanziert: "Immer im Gespräch bleiben, Kontakte pflegen, verwirklichen, was irgend möglich ist. Seinen Primizspruch von 1977 hat Bernhard Müller auch zum Jubiläumsspruch erkoren: "Wir sind nicht Herren Eures Glaubens, sondern Diener eurer Freude." (2Kor 1,24)

"Der Herr ist gütig, dankt ihm und preist seinen Namen" (aus Psalm 118) hat Wolfgang Traßl als Jubiläumsspruch gewählt. Seit September 2011 verrichtet er als Ruhestandsgeistlicher in der Pfarrei wertvolle Dienste und - auch das darf erwähnt werden - erfreut ganz nebenbei mit seiner klangvollen Stimme die Gläubigen. Geboren am 17.3. 1941 in Geiersberg am Fuße des Ochsenkopf, wurde er am 29. Juni 1967 im Dom zu Regensburg zum Priester geweiht. Es folgten Kaplanstellen in Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Von September 1975 bis September 1979 war seine erste Pfarrstelle in Krummennaab, dann folgten zehn Jahre in Poppenricht, von 1989 bis 1994 war er Pfarrer in Nabburg und von 1994 bis 2011 in Neuhaus und Wurz. Auch beim jungen Wolfgang sei der Wunsch zum Priesteramt kontinuierlich gewachsen. Eingebunden in eine Großfamilie hätten ihn das Vorbild der Mutter, "ganz besonders der Großmutter", der Ministrantendienst und sein Heimatpfarrer Andreas Simmet aus Oberwarmensteinach geprägt.

Gottvergessenheit

Gute Erinnerungen habe er an Bibelkreise und Jugendarbeit in Sulzbach-Rosenberg und Amberg. Als "wunderbare Zeit" wertet er die Arbeit in der "sehr aktiven Pfarrei Poppenricht, zu der er bis heute Kontakte pflegt. Wie bei Pfarrer Müller hätte auch bei ihm stets die Gemeinde, ihre Begleitung Priorität gehabt.

Sein Wunsch an die Diözese ist, "dass man nicht so viele Großpfarreien schafft, weil das die Seelsorge sehr erschwert". Bei der "Sakramentenverwaltung" kämen die wichtigen, individuellen Gespräche einfach zu kurz. Mit ausländischen Priestern "die Gemeinde über Wasser zu halten", könne nur Notlösung sein. Auch er schlägt vor, "andere Wege" zu gehen zur Behebung des Priestermangels, erklärt aber: "Der Zölibat ist nicht unbedingt der Grund für immer weniger Priester." Traßl fand danach klare Worte zum Ist-Zustand der Gesellschaft. Es herrsche "vermehrte Gottvergessenheit, man rechnet nicht mehr mit ihm." Besitz, Geld, Orden, Ehrungen würden an Gottes Stelle treten. "Religion ist das fünfte Rad am Wagen", über die man öffentlich kaum noch zu sprechen wage. "Gleichgültigkeit", bringt es Pfarrer Müller auf den Punkt.

Bereits nach der Erstkommunion und besonders nach der Firmung sei bei den Kindern eine deutliche Nachlässigkeit spürbar. Pfarrer Traßl ergänzt: "Der Schnee von gestern ist das Wasser von morgen - Religion ist überholt." In Grafenwöhr fühle er sich als Ruhestandspfarrer sehr wohl, sei vom Dienst her und überhaupt in der Pfarrei gut eingebunden. Er wäre aber auch im Umkreis von etwa 30 Kilometern noch tätig, wie in Tirschenreuth, Neuhaus-Wurz, Etzenricht, Kemnath, Poppenricht, Auerbach, Pressath.

Unisono gibt es noch ein dickes Lob für die "Perlen" Elisabeth Schmidt und Gertrud Brunner. Die Pfarrhausfrauen meistern ihre Aufgaben mit Bravour. Daneben seien sie auch noch unschätzbare Gesprächspartnerinnen und Stützen, etwa wenn Sorgen drücken. Pfarrhausfrau, so weiß Müller, sei ein Dienst, der in der Gemeinde eigentlich kaum geschätzt werde. Die vielfältige Arbeit würde nicht wahrgenommen. Junge Priester dagegen würden sich heute zunehmend für "Zugehfrauen" entscheiden.

Die Festpredigt bei der Eucharistiefeier um 10 Uhr in der Friedenskirche hält Dekan, Pfarrer Alfons Kaufmann aus Oberviechtach. Er ist in Grub bei Pressath geboren und kann morgen auf 30 Priesterjahre zurückblicken. Im Jugendheim schließt sich der weltliche Teil mit gemeinsamem Essen an.

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