09.06.2017 - 17:30 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Christian Erdwich spendet Barrett Remy Knochenmark Die unbekannte Empfängerin

Seine Familie hat sich erweitert. Nein, er ist nicht Vater geworden. Christian Erdwich rettet mit einer Knockenmarkspende das Leben von Barrett Remy. Der Grafenwöhrer und die Amerikanerin sind seitdem wie Geschwister. Dabei durften sie lange nur anonym Kontakt haben.

von Renate GradlProfil

Grafenwöhr/Tirschenreuth. Christian Erdwich, den viele besser unter seinem Geburtsnamen Merkl kennen, registrierte sich 2011 als Knochenmarkspender. Ein Jahr später bekam er von der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS) eine Nachricht, dass seine Werte mit denen eines potenziellen Empfängers übereinstimmen würden. Dann die Enttäuschung: Es passte doch nicht.

Dafür kam eine andere Gelegenheit, zu helfen. Als der 16-jährigen Barrett Remy aus Louisiana beim Tanzsport plötzlich die Luft wegblieb, merkte sie, dass sie krank ist. Die niederschmetternde Diagnose: Leukämie. Das war im Mai 2013. Was folgte waren Chemo-Behandlung. Schon ein simpler Schnupfen konnte lebensgefährlich für die Jugendliche werden. Erdwich erhielt erneut von der DKMS eine Nachricht. Und diesmal klappte es. "Ich wurde damals in einer Klinik in Köln untersucht, die einem Fünf-Sterne-Hotel glich. Nach einem Körper-Check und der Frage, ob ich immer noch damit einverstanden wäre, Knochenmark aus dem Becken zu spenden, ging's los", erzählt der heute 28-jährige Polizist. Auch der Bruder von Barrett hätte spenden können, doch mit seinem "Kaffeefleck", einer Hautkrankheit, wäre er nur die Notlösung gewesen. "Es hätte zu Problemen für die heute 20-jährige Studentin führen können", erzählt der Grafenwöhrer, der seit drei Jahren in Nürnberg lebt.

Der Lebensretter und die kranke Studentin durften sich nicht gleich nach der Transplantation sehen. "Zwei Jahre lang sind die Daten geheim", erzählt Erdwich. Kontakt gab es nur über Briefe, die beide per Nicknames - "Donee" (Empfänger) und "Donor" (Spender) - an die DKMS schrieben. Auch Bilder waren nicht erlaubt. "Doch im Dezember 2015 haben wir uns das erste Mal treffen können, und zwar in Paris." Damit gingen für Barrett gleich zwei Wünsche in Erfüllung - die Stadt an der Seine zu erleben und zugleich ihrem Lebensretter von Herzen zu danken, der für sie ganz überraschend unter dem Eiffelturm stand.

Und Christian Erdwich hatte sogar noch eine zweite Überraschung: für seine Freundin Nina. Er fragte sie unter dem Eiffelturm, ob sie ihn heiraten will. Vor einer Woche gaben sie sich schließlich das Jawort - natürlich auch im Beisein der neuen Familienmitglieder aus Amerika. Geheiratet wurde in Wäldern im Steinwald und ausgiebig gefeiert anschließend im Tirschenreuther "Seenario". Barrett und ihre Eltern Michelle und Troy sind überglücklich, dass mit Christian so schnell ein geeigneter Spender gefunden wurde. Der jungen Amerikanerin geht es mittlerweile wieder gut. "I'm fine", sagt sie. Bereits für das kommende Jahr ist ein Wiedersehen geplant. Vielleicht dieses Mal für Christian und Nina Erdwich in Amerika ...

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