Familie Bienlein nimmt unbegleiteten Flüchtling auf
Haydars neues Zuhause

Haydar (links) fühlt sich bei Ulli Faust-Bienlein und Marcus Bienlein (rechts) wohl. Noraldin ist wie ein Bruder für ihn.
Vermischtes
Grafenwöhr
20.08.2017
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Schlafen auf der Straße, bei Kälte und knurrendem Magen. Das fällt Haydar Al-khazraji ein, wenn er an seine Flucht aus dem Irak zurückdenkt. Das Blatt hat sich gewendet, als er im Grafenwöhrer St.-Michaels-Werk aufgenommen wurde.

Grafenwöhr/Floß. Mittlerweile hat sich der 15-Jährige in Deutschland eingelebt, seit zwei Wochen wohnt er nun bei Familie Bienlein in Floß, wo es ihm auch gut geht. Über seine Flucht drehte der junge Mann zusammen mit anderen Flüchtlingen einen Film (wir berichteten). Das soll ihm helfen, die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten.

Der Jugendliche aus Bagdad spricht in einem verständlichen Deutsch, aber die Angst schwingt mit, wenn er an die schlimme Zeit denkt. Mit seiner Oma machte er sich nach der Entführung seines Vaters auf den Weg ins Ungewisse, zunächst in die Türkei. Als er auf dem Schlauchboot mit unzähligen Menschen war, hieß es seitens der Polizei: "Stopp, ihr müsst zurück!" Dann ging es irgendwann doch weiter über Serbien nach Deutschland beziehungsweise Bayern. In Windischeschenbach gab es Papiere und die erlösenden Worte der deutschen Polizei: "Ihr müsst keine Angst haben."

Haydar kam in Moosbach unter und blieb später als unbegleiteter Flüchtling im St.-Michaels-Werk Grafenwöhr, da seine Oma wieder zurückkehrte in den Irak, wo noch zwei kleine Brüder von Haydar leben. Er sei traurig und nervös gewesen, als er am 1. Juni 2016 in Grafenwöhr ankam. Aber dort habe er Freunde gefunden und viel geschlafen. Ein Glücksfall war für ihn auch die Mittelschule in Grafenwöhr. "Dort ist er super integriert worden", sagt Marcus Bienlein. "Jetzt wäre es gut, wenn Haydar nochmals in eine 8. Klasse gehen könnte, um einiges aufzuholen. Aber in der 9. Klasse oder in einer Berufsschule geht das nicht", ist sich Ulli Faust-Bienlein sicher.

So lange der Jugendliche keine Aufenthaltsgenehmigung hat, ist vieles, wie ein Mofa-Führerschein, unmöglich. "Es müsste keiner etwas dafür bezahlen, denn die Kosten würden wir übernehmen", beteuert Marcus Bienlein. "Die jugendlichen Flüchtlinge unter 18 Jahren dürfen auch nicht arbeiten und die freien Stellen besetzen", klagt der Pflegevater.

Die Familie hat mit ihrem anderen Pflegesohn, dem 19-jährigen Noraldin "Nour" Ismail aus Syrien, bereits Erfahrungen gesammelt. Er strebt eine Bäcker-Ausbildung an. Für Nour ist Haydar wie ein Bruder. Und zu Ulli Faust-Bienlein sagt er "Mama". Ihrem "Sohn" Haydar kann sie nicht widerstehen. "Er ist extrem hilfsbereit und hat im Irak gearbeitet." Und Haydar ist mit seiner Pflegefamilie auch glücklich.
2 Kommentare
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 21.08.2017 | 10:19  
Sonja Kaute aus Waldthurn | 21.08.2017 | 11:57  
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