Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Grafenwöhr-Gößenreuth
Jäger in Rage

Jagdpächter Heinrich Schultes (rechts) macht seinem Ärger in der Jagdversammlung ordentlich Luft. Er findet, die Feldwege in seinem Revier-Ost sind zu wenig beschildert. Dies sorgt für Diskussionsstoff. Mit im Bild: Jagdpächter Paul Haberkorn. Bild: az
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Grafenwöhr
03.04.2018
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Zunächst noch ruhig verläuft die Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Grafenwöhr-Gößenreuth. Bis ein Mitglied mit Klagen für Diskussionen sorgt.

Grafenwöhr/Gößenreuth. Die Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Grafenwöhr-Gößenreuth war anfangs noch harmonisch. Emotionen kamen erst am Ende auf: Vor allem Jagdpächter Heinrich Schultes, zuständig für den Jagdbogen-Ost, löste mit seinen Klagen hitzige Debatten aus.

Schultes kennt man eigentlich als Gemütsmenschen. Da muss schon einiges passieren, um ihn aus der Ruhe zu bringen. Doch die Umstände in seinem Revier brachten ihn auf die Palme. Beim Rehwild beklagte er 70 Prozent als Fallwild, dass heißt, es fällt dem Straßenverkehr zum Opfer. Nur fünf von zwölf genehmigten Tieren seien ihm zum Abschuss geblieben. Leer ausgegangen sei er beim Rotwild, zwei Tiere waren genehmigt. Er machte hier die einschneidende Waldrodung in Höhe des Flugplatzgeländes wie auch die Situation rund um das Gebiet des Gründerzentrums und den Einflüssen verantwortlich.

Alle unterwegs

Der Wildschweinabschuss, bedingt durch den vermehrten Maisanbau, habe als einziger zugenommen. Außerdem: Er finde es ungerecht, dass auf Monierung durch Thorsten Beierlein in dessen Revier-West die Stadt schnell reagiert und für eine entsprechende Beschilderung gesorgt habe. In seinem Revier jedoch geschehe nichts. Autos, Motocross- und Quadfahrzeuge, "überhaupt Gott und die Welt", wären hier unterwegs: Auf Feldwegen, die nicht, nicht ausreichend oder eindeutig ausgeschildert seien. "Ich zahle schließlich für die Wege." Für Schultes sei dies "Jagdruhestörung". Sein Revier-Ost leide zusätzlich unter den Gegebenheiten rund um die Gebiete Stadtpark, Felsleite und Bierlohe, wo öffentliche und jagdliche Interessen aufeinander träfen. Hinzu kämen die Einzäunungen durch die Forst- und Betriebsgemeinschaft, die seine Jagdfläche geschmälert hätten.

Schultes beteuerte mehrmals, mit niemandem streiten zu wollen, dass ihm sehr an einem harmonischen Miteinander gelegen sei. Damit dieses gewährleistet werde, sieht er die Stadt in der Pflicht. Sie müsse handeln und die Wegverhältnisse klar regeln. Bei weiterer Untätigkeit könne er sich durchaus vorstellen, das unrentable Pachtverhältnis aufzukündigen, ließ er durchblicken.

In der Versammlung verlas Schriftführer Lorenz Kraus sein Protokoll und Jagdvorsteher Reinhard Kraus blickte auf das vergangene Jahr zurück. So erinnerte er an den Besuch des Gäubodenfestes in Straubing. Auf Wunsch der Stadt seien die Genossen am Waldkinderfest beteiligt gewesen. Jagdpächter Beierlein mit Familie vertrat dabei die Genossenschaft mit einem Stand.

Viel Bürokratie

Kraus informierte über den Stand der Digitalisierung des neuen Jagdkatasters. Der zeitliche Einsatz habe sich gelohnt, da die jährlichen Kosten auf ein Minimum von 50 Euro hätten reduziert werden können. Weiter setzte er die Versammlung über das anstehende forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2018 in Kenntnis, welches die Grundlage für den Rehwildabschuss der nächsten drei Jahre bildet. Den Zustand des Maschinenparks bezeichnete Kraus als gut. Einen finanziellen Überblick verschaffte Kassenverwalter Josef Kneidl. So seien für das Revier- West 2800 Euro und für das Revier-Ost 1300 Euro an Einnahmen zu verzeichnen gewesen. Kassenprüfer Günther Demleitner lobte: "Bei so einer einwandfreien Buchführung macht die Prüfung Spaß."

Natur näher bringen

Zweite Bürgermeisterin Anita Stauber vertrat die Stadt für die im Gemeindebesitz jagdbare Fläche und war somit die "Großgrundbesitzerin" im Raum. Sie dankte Reinhard Kraus für seinen "tatkräftigen und dynamischen Einsatz" um die Genossenschaft. "Kindern die heimische Natur nahezubringen, war das Ziel des Waldkinderfestes" , meinte sie. Das Straßenbauamt "hat Wort gehalten", was die Renovierung des Bahndammes zwischen Grafenwöhr und Gößenreuth betreffe. Sie lobte auch das gute Miteinander von Jagdpächtern und Genossenschaft.

Stauber gab die Bitte des Bürgermeisters weiter, einen Teil des Jagdpachtschillings für den Wegebau im Bereich Gößenreuth bereitzustellen. 2000 Euro hielt die Versammlung daraufhin für angemessen. Außerdem solle aus dem Jagdpachtschilling auch die Anschaffung einer Wiesenwalze getätigt werden. Über das geeignete Modell entscheide der Vorstand, befand Reinhard Kraus.

Mitpächter Paul Haberkorn informierte für den erkrankten Thorsten Beierlein für den Jagdbogen-West unter anderem über den erfüllten Rot- und Rehwildabschuss. Außerdem seien 18 Füchse, 2 Marder, 3 Iltisse und 34 Wildschweine erlegt worden. "Schwarzwildjagd ist Nachtjagd", erklärte Haberkorn und bezeichnete gerade diese als "sehr zeitintensiv". Er gab eine Bitte von Thorsten Beierlein an die Landwirte weiter, rechtzeitig vor der Mahd Bescheid zu geben, damit in den Wiesen "nach den Jungtieren geschaut werden kann".
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