24.11.2017 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Ökumenischer Gottesdienst am Buß- und Bettag Wer glaubt richtig, wer falsch?

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der Reformation. Sogar der Buß- und Bettag, den die evangelischen Christen traditionell mit einer Beichte und dem Abendmahl feiern, wurde das erste Mal mit einem ökumenischen Gottesdienst begangen.

von Renate GradlProfil

Beim gemeinsamen Gottesdienst in der Mariä-Himmelfahrtskirche wurde der Buß- und Bettag bewusst als Termin ausgewählt, weil die Folgen der Reformation im Mittelpunkt standen. "Und wir wollen dabei bußfertig sein - ganz eingedenk der ersten von Martin Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg", sagte der evangelische Pfarrer Dr. André Fischer in der Predigt. Und die war etwas Besonderes: Nämlich in Form einer Dialogpredigt mit Pfarrer Bernhard Müller. "Dass es da genug zu büßen gibt auf beiden Seiten, haben wir vorhin gesehen", sagte dieser.

Vor der Predigt wurde eine ganze Mauer der Trennung aufgebaut. Schlagworte wie Hass, Hochmut, Diskriminierung und vieles mehr türmten sich aufeinander. Pfarrer Müller sprach von einer Trennung, die 450 Jahre lang das Leben der Menschen auch bei uns bestimmt hat, und die erst seit höchstens 50 Jahren allmählich überwunden wird.

Beide Pfarrer überlegten, wo die alte Trennung hergekommen sei. Es gehe letztlich um die Fragen: "Wie glaube ich richtig an Gott und wie verehre ich ihn richtig?" Dazu wurde die Bibelstelle aus dem Johannes-Evangelium (Joh 4, 19-26) verlesen, als die Samariterin zu Jesus spricht und ihn fragt: "Wer glaubt richtig, Samariter oder Juden?" Beide glauben an den gleichen Gott; aber jeder auf seine Weise, an seinem Ort. Genauso sei es 450 Jahre bei den Evangelischen und Katholiken gewesen. Auch da spielte die Frage: "Wer glaubt richtig, wer glaubt falsch" eine immense Rolle im Alltag. "Überspitzt auf unsere Vorväter hier übertragen, könnte die Bibelstelle lauten: Unsere Väter haben in Mariä-Himmelfahrt und in St. Ursula und in der Mariä-hilf-Kirche angebetet, und ihr sagt, auch in der Michaelskirche könne man anbeten", so Pfarrer Müller.

Pfarrer Fischer erinnerte sich an viele alte Erlebnisse, die er bei Besuchen gehört hatte. Das Leben wurde früher gegenseitig oft schwer gemacht. "'Luthrische' wurden wir früher abschätzig genannt, 'Papisten' war das Gegenschimpfwort." Auch die evangelische Überheblichkeit gegenüber der katholischen Frömmigkeit kam zur Sprache. Schnell seien auch Weihwasser, Rosenkranz, das Hinknien, Bekreuzigen und Marienverehrung verketzert gewesen.

"Das Heil kommt von den Juden. Wir wissen, was recht ist und ihr nicht. Das ist genau das, was jahrhundertelang unsere Konfessionen bestimmt und getrennt hat. Hier die Evangelischen und dort die Katholischen", sagte Pfarrer Müller. "Und vor allem nur nicht über die Konfessionsgrenze hinweg heiraten." Damals ging es auch um ein hochheiliges Versprechen, mit Brief und Siegel, die Kinder im rechten Glauben zu erziehen. "Doch Jesus überwindet den Gegensatz zwischen Juden und Samaritanern, zwischen richtigen und falschem Glauben. Er öffnet den Blick auf etwas Neues. Entscheidend ist die Anbetung des Vaters im Geist und in der Wahrheit. Wenn wir Gott die Ehre geben und unser Leben auf ihn bauen und vertrauen, wird Gott richtig verehrt." An dieser Stelle wurde auch die ökumenische Fürbitte zitiert.

"Die Mitte unseres Glaubens ist Christus, der Sohn Gottes. Er ist das Haupt der Kirche, egal welchen Beinamen sie trägt: Ob römisch-katholisch oder evangelisch-lutherisch", sagte Pfarrer Müller. "Wenn Christus das Haupt der Kirche ist, dann können wir als seine Glieder gar nicht anders, als zusammenarbeiten, wie beim Kleinen Dienst", entgegnete Pfarrer Fischer. Angesprochen wurden auch die vielen gemeinsamen Gottesdienste. Auf den Weg zur Versöhnung und Einheit gebe es viele Zeichen der Hoffnung. Pfarrer Fischer zitierte Kardinal Kurt Koch, Vorsitzender des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen: "Martin Luther ist für uns ein Zeuge des Glaubens."

All das sei Ermutigung, daran festzuhalten, dass uns so unendlich mehr verbinde, als uns trenne. Wir sollten uns immer wieder unterm Kreuz versammeln, dem Ort, der uns Christen verbindet und zueinander Brücken bauen. Der Gottesdienst wurde musikalisch vom Chor "New Voices" unter der Leitung von Walter Thurn umrahmt. Nach dem Gottesdienst gab es Lutherkekse für die Gläubigen. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm hatte bereits am 30. Oktober unter dem Kreuz in der Friedenskirche eine Lutherrose gesteckt.

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