12.02.2018 - 20:00 Uhr
Grafenwöhr

Pfarrer Dr. André Fischer predigt in Gedichtform Pfarrer macht sich einen Reim

Sie klingt fast wie eine Büttenrede - die Faschingspredigt des evangelischen Pfarrers Dr. André Fischer. In Reimform bekommt jeder, ob Politik, Wirtschaft oder Banken, "sein Fett weg".

von Renate GradlProfil

Grafenwöhr/Pressath. Ausgangspunkt der Faschingspredigt war der Prophet Amos (Kapitel 5), der sagte: "Ich hasse und verachte eure Feste ..." - Aber eigentlich habe der Satz laut Fischer folgende Bedeutung: "Gott übt nicht Kritik grundsätzlich an unserer Musik. Doch unsre Lieder, unser Singen müssen draußen Früchte bringen. Uns für Schwache einzusetzen, dafür die Hacken abzuwetzen. Das würde unserm Gott gefallen. Die Engel würden uns beifallen. Himmlische und ird'sche Chöre, Alt, Sopran, Bass und Tenöre, sängen von Gnad und Seligpreisung, würden wir nach Gottes Weisung gleich heute und nicht erst ab morgen für Recht und Gerechtigkeit sorgen, auf Politik und Wirtschaft pfeifen, die, wenn's drauf ankommt, sehr oft kneifen."

Und weiter prangerte der Pfarrer an: "Um des Geschäfts und Geldes willen, tragen sie oft blinde Brillen, seh'n nicht, dass all ihr Lohn und Brot, nur anwächst auf der Andern Not. Die Reichen werden immer reicher, vor dem Gesetz sind manche gleicher. Dort werden Haare aufgespalten, hier wird die Hand oft aufgehalten. Es gibt viel finstere Gestalten, die in weißer Weste walten, die sehen sehr auf ihre Rechte. Sie die Herrn, der Rest sind Knechte." Auch zum Thema Hungerlohn, Kinderarbeit und Hartz IV gab es Reime: "Der schwarze Mann in Afrika schuftet für uns hier in Europa. Wir zahlen ihn mit Kleiderspenden, die bei uns im Müll sonst enden. In Boutiquen, schicken Lädchen, kaufen wir teuer, was junge Mädchen in Bangladesch und anderswo billigst nähen. Die wie im Zoo gehalten, eingesperrt, bewacht, arbeiten bis in tiefste Nacht für einen echten Hungerlohn. Für uns Mode, für sie Fron. Von Kinderarbeit nicht zu reden. O, Herr, wo sind deine Propheten? Hartz IV klingt ja ganz unverdächtig, doch macht Betroff'ne schier ohnmächtig. Ich hör, Altersarmut ist weiblich, in reichem Land schier unbeschreiblich. Bei uns ist mancher Mindestlohn auch nichts anderes als Hohn. Die Banken kriegen's noch und nöcher, ihnen stopft man Loch und Löcher."

"Deshalb gilt es darauf zu schauen, Menschen bewahren, Erd' bebauen. Das ist der Christen erste Pflicht. Mehr oder wen'ger ist es nicht. Da hilft es nicht, nur fromm zu beten. Da braucht es wirkliche Propheten, die an den richtigen Adressen den Satten spucken ins feine Essen. So wie es Amos hat getan, vor 2700 Jahr'n. Ein Amos hätt' es heut auch schwer. Es müssen viel ,Amosse' her. Trauen wir uns, wie er zu reden, dann sind auch wir Gottes Propheten. Fangen wir im Kleinen an, geh'n mit Gottvertrau'n voran. Sagen fromm, in Gottes Namen, dazu unser Ja und Amen!"

Auch die Musik war am Faschingssonntag etwas anders, als sonst. Beispielsweise war "The Entertainer" zu hören, das Walter Thurn am Klavier und Karolin Murr an der Klarinette spielten. Die Lesung und die Fürbitten sprach Judith Rau.

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