18.04.2018 - 20:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Polizei misst am Mittwoch im Zuge des Blitzmarathons beim Grafenwöhrer ... Keine Wegelagerei, sondern sinnvoll

Auf der Lauer nach Temposündern hatte Hauptkommissar Georg Fritsch, Leiter der technischen Verkehrsinspektion Weiden, am Mittwoch an der Bushaltestelle des Geismannskellers in Grafenwöhr Position bezogen. Lange musste er nicht warten. Per Funk teilten ihm Kollegen mit, dass ein Autofahrer zwischen dem Eingang zur Lagerwache 6 und dem Ortsschild die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 überschritten hat. Immer wieder machten sich die Funkmelder an diesem Vormittag bemerkbar - Uhrzeit und Kennzeichen wurden durchgegeben, Autofahrer mit der Kelle herausgewunken. Obwohl die Blitzmarathon-Aktion der Polizei angekündigt worden war, erwischten die Beamten am Mittwochvormittag in Grafenwöhr einige Raser.

von Stefan NeidlProfil

Den Vorwurf einer Wegelagerei oder Abzocke will der Hauptkommissar nicht gelten lassen: Er wähle seine Standorte gezielt nach Gefahrenpotenzial aus - der Bereich an der B 299, den er sich am Mittwoch vornahm, habe als "Unfallschwerpunkt" die höchste Kategorie. Besonders auffällig war die Messung am Vormittag diesmal aber nicht. Bei 1282 kontrollierten Fahrzeugen gab es 28 Beanstandungen - ein üblicher Wert für den Standort, meinte er. Darunter gab es sechs Anzeigen mit einer Überschreitung von mehr als 20 Kilometer pro Stunde.

Die meisten Temposünder sind am Mittwoch nicht glücklich über eine Ahndung ihrer Verstöße. Nur US-Amerikaner Randy (seinen Nachnamen wollte er nicht nennen) war zu einem kurzen Statement bereit - er war mit 86 Kilometer pro Stunde in seinem Pick-Up-Truck erwischt worden. Die Folge waren 20 Euro Strafe. Randy nahm es sportlich: Er habe vollstes Verständnis und sofort gedacht, dass er wohl zu schnell war, als ihn die Polizei anhielt. Vom Blitzmarathon wusste er nichts. Er war erst am Tag zuvor von San Diego nach Deutschland geflogen und durfte so bei seinem mittlerweile vierten Aufenthalt zum ersten Mal die deutsche Polizei kennenlernen.

Die Verkehrskontrollen zeigen durchaus ihre Wirkung, ist sich Fritsch sicher. Als er einmal von einer Gemeinde im westlichen Landkreis auf permanente Tempoüberschreitungen aufmerksam gemacht worden war, begann die Polizei dort sofort mit Messungen. Und tatsächlich war fast jeder vierte Autofahrer zu schnell unterwegs. Nach verstärkten Messungen sank dieser Wert enorm.

Fritsch hält die Blitzmarathon-Aktion für eine gute Sache. Seine Behörde misst in den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und dem Stadtgebiet Weiden. Allein im Jahr 2017 wurden 660 000 Fahrzeuge kontrolliert und nur bei 1,5 Prozent lag eine Geschwindigkeitsüberschreitung vor, was Fritsch als niedrig einschätzt. Aus dem Umkehrschluss folgt, dass 98,5 Prozent der kontrollierten Fahrer sich an die Regeln halte, wofür er die "Führer loben wolle". Einen Trend kann er nicht erkennen, diese Quoten seien seit Jahren konstant. Den Blitzmarathon sieht Fritsch als Gelegenheit für eine Selbstreflexion der Verkehrsteilnehmer. "Jeder Tote ist ein Toter zu viel, und erhöhte Geschwindigkeit ist immer noch die Ursache Nummer Eins bei schweren Unfällen, oder solchen mit Todesfolge", betonte er. Immer wieder mal gebe es aber schwarze Schafe. Im letzten Jahr erwischte die Polizei einen Fahrer mit 175 Kilometer pro Stunde, wo nur 100 erlaubt waren. Das sei längst kein Kavaliersdelikt mehr.

Hintergrund

Der Zusammenschluss der EU-Verkehrspolizeibehörden "Tispol" hat die Kontrollwoche "Speed" gestartet. Vom 16. bis 22. April sollen durch Tempomessungen gezielt Aggressions- und Geschwindigkeitsdelikte bekämpft werden. In Deutschland nehmen sieben Bundesländer daran teil, darunter Bayern. (sne)

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