23.02.2018 - 17:40 Uhr
Grafenwöhr

Stadtrat Grafenwöhr hört sich Konzept an Altstadt auf dem Prüfstand

Die städtebauliche Erneuerung bleibt für Grafenwöhr eine Daueraufgabe. Der Blick von Bürgermeister und Stadtrat richtet sich verstärkt auf die Altstadt. Dort, in der Herzkammer der Kommune, soll das Leben pulsieren. Eine herausfordernde Aufgabe. Das Planungsbüro Dr. Emil Lehner (SHL) soll Antworten finden.

Für die Thumbach-Auen (unser Bild) und den Bereich der Creußen plädiert das Planungsbüro für eine Grünordnung mit Naherholungscharakter. Auch über eine kleine Landesgartenschau wird diskutiert. Bilder: do (2)
von Robert DotzauerProfil

Bereits vor gut zwei Jahren beauftragte der Stadtrat das Architekturbüro mit einer Voruntersuchung, um die Chancen für eine lebendige Altstadt herauszuarbeiten. Das bauliche Erbe für die gute Stube Grafenwöhrs zu bewahren, die Wohnverhältnisse zu verbessern und gleichzeitig unter Berücksichtigung des Strukturwandels der gewerblichen Wirtschaft ökologieorientiert Zukunftsperspektiven aufzuzeigen, gehört zum Untersuchungsauftrag. Der Zwischenbericht, oder die Fortschreibung der Voruntersuchung, wie es Dr. Emil Lehner formulierte, weisen schon jetzt auf ein erhebliches Anforderungsprofil hin.

Für den Planer wie auch für das Gremium waren in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend die Untersuchungsergebnisse über die städtebaulichen Missstände Kernthema. Zur zeitgemäßen und zukunftsorientierten Verbesserung schnürte der Architekt ein ganzes Bündel von Vorschlägen. Sein Handlungsplan orientiert sich an den Schwerpunkten Wohnen, Handel, Barrierefreiheit und künftige Funktionen öffentlicher Gebäude.

Für Emil Lehner ein absolutes Muss waren dabei die Vorstellungen, die Altstadt als "multifunktionellen Bereich" mit barrierefreien Wegen und sogenannten Sicherheitsparcours zu entwickeln. Die behindertengerechte Nutzung von Rollatoren und Rollstühlen müsse gewährleistet sein, betonte der Planer. Auf künftige Pflaster-Beläge ging Emil Lehner dabei ebenfalls ein. Er verwies auf die Erdverkabelungen von Stromfreileitungen im südlichen Bereich des Marktplatzes und urteilte: "Mit der Verlegung der Kabel in den Gehwegen sind die alten Pflasterplatten nicht mehr zweckmäßig." Insgesamt sei jedoch die Diskussion über den Wiedereinbau von alten Pflaster-Belägen oder alternativ die Verlegung von neuen Platten und Steinen gerechtfertigt.

Als weitere Schwerpunkte Grafenwöhrer Handlungsoptionen nannte Lehner die Rathaussanierung- und Erweiterung, die Klärung des konkreten Raumbedarfes für städtische Verwaltungsgebäude in der Altstadt, zum Beispiel für öffentliche Veranstaltungen, die Entwicklung eines Anforderungsprofiles für ein Kommun-Brauhaus und ein Grünordnungskonzept für die Auenlandschaft am Thumbach und an der Creußen. Lehner gab hierzu Denkanstöße für einen Naherholungsraum, für eine kleine Landesgartenschau und für die Strukturierung von Kleingartengebieten.

Als Schlüsselprojekt, wenn auch nicht im Altstadtbereich, nannte der Planer das Entwicklungspotenzial in der Neuen Amberger Straße. "Kein radikaler Umbau, aber eine Aufwertung zum Beispiel der Fußgängerbereiche", lautete die Empfehlung. Das Schlussplädoyer des Städteplaners galt der historischen Grafenwöhrer Stadel-Landschaft: "Die warten dringend auf Sanierung." Öffentliche Fördermittel könnten dazu beitragen, die Eigentümer zu Restaurierungen zu ermuntern. Lehner ergänzte seine Vorschläge mit Hinweisen zur weiteren Objektplanung und empfahl die zeitige Einbindung der staatlichen Förderstellen und aller Betroffenen.

"Das wird eine große Baustelle." Dieser Feststellung von Thomas Schopf konnte sich in der Diskussion niemand verschließen. Während Schopf die künftige Pflasterstruktur ansprach und Rücksichtnahme für körperlich Behinderte einforderte, warnte Josef Neubauer mit Blick auf die Grafenwöhrer Stadel-Landschaft vor der Formulierung "historisch". Das könnte bei Fachstellen Begierde für strenge Sanierungsvorgaben wecken. Gerald Morgenstern bezeichnete das Lehner-Konzept als vielversprechend. Nun gelte es, Prioritäten zu setzen. Bei der Prüfung der Barrierefreiheit seien auch die Zugänge zur Altstadt zu berücksichtigen, forderte Morgenstern. Lob gab es für die Vorschläge zur Stadel-Sanierung. "Das ist gut für das Stadtbild." Thomas Weiß schlug vor, als ersten Schritt eines Gesamtkonzeptes mit der Planung und der Sanierung der Verwaltungsgebäude zu beginnen.

Die kurze Debatte endete mit Zielvorgaben des Bürgermeisters. Dazu gehörte die Ankündigung, die Sanierungspläne möglichst frühzeitig mit den Anliegern zu erörtern. Für die Bürger werde dann anschaulich, wohin die Sanierung laufe. Eine verständliche Darlegung der Pläne schaffe Vertrauen und die Bereitschaft zum Mitwirken, so Edgar Knobloch. Einstimmig billigte das Gremium die weiteren Verfahrensvorschläge mit der Empfehlung, die betroffenen Personenkreise einzubinden und die Fördermöglichkeiten abzuklären. Spätestens bis zum Herbst 2018 erwartet das Gremium ein ausgereiftes Konzept.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.