Truppenübung des Panzergrenadierbataillons 122 in Grafenwöhr
Mein Einblick in eine andere Welt

Das Banner des Panzergrenadierbataillons 122 auf dem Schießplatz 118. Links der Schützenpanzer Leopard 2 und Rechts der Schützenpanzer Mader.
Vermischtes
Grafenwöhr
28.12.2016
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Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach probte am 14. Dezember das letzte mal vor dem Einsatz in Litauen auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr: Ein Manöver in dem Gelände geopfert, feindliche Truppen vernichtet werden und Zeit gewonnen wird - eine Verzögerungsoperation. Das Bataillon ist im Zuge der NATO-Operation, enhanced Forward Presence, in Litauen im Einsatz. Ich durfte das Spektakel mit meiner Kamera begleiten.

Die NATO hat im Juli beschlossen, im Rahmen des Programms "enhanced Forward Presence" ab 2017 in Polen, Lettland, Estland und Litauen jeweils ein multinationales Bataillon mit bis zu 1000 Soldaten einzusetzen. In Litauen übernimmt die Führungsrolle Deutschland. Ein Großteil des multinationalen Bataillons in Litauen besteht aus dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach. Im Januar 2017 verlegen die ersten Soldaten mit ihrem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Christoph Huber für sechs Monate nach Rukla in Litauen. Zum Abschied übte eine Kompanie des Bataillons noch ein letztes Mal auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr mit scharfer Munition. Und ich durfte aus sicherer Entfernung filmen.

Vorweg, ich bin kein großer Bundeswehr-Enthusiast und kenne auch keine. Ich kenne Panzer, Waffen und Explosionen nur aus Filmen und Videospielen. Deswegen war ich sehr gespannt darauf, was ich auf dem Übungsplatz in Grafenwöhr erleben werde.

Der erste Kontakt

Der Tag beginnt am Waldbad in Grafenwöhr. Das erste Zusammentreffen mit Uniformierten der Bundeswehr. Die Soldaten des Presse- und Informationszentrums Heer waren für mich anfangs abschreckend und ich fühlte mich fehl am Platz. Zur Akkreditierung bekam man natürlich eine Pressemappe mit Informationen, Ohrenstöpsel und, falls es regnen sollte, einen Regenponcho. Außerdem standen belegte Brötchen und Getränke für jeden bereit. Nachdem ich auch mit den Leuten geredet hatte, verflog die abschreckende Wirkung der uniformierten Damen und Herren. Als alle da waren und das Wetter sich besserte, begann das Programm. Zuerst erklärten sie uns den Tagesablauf. Danach fuhren wir mit einem Bus der Bundeswehr zum Truppenübungsplatz der U.S. Army, auf dem die Deutschen üben.

Nachdem wir auf dem Schießplatz 118 ankamen, erklärte Oberstleutnant Christoph Huber das Manöver. Huber demonstrierte die Ausgangslage auf einem sogenannten Geländesandkasten. Der Kompaniechef beginnt das Gefecht auf der "Sicherungs- und Aufnahmelinie". An dieser Linie hat er drei Züge, auf der linken Seite einen verstärkten Panzergrenadierzug, mittig einen weiteren Panzergrenadierzug und rechts außen einen Panzerzug der die Kompanie verstärkt. Kämpfend und ausweichend zieht sich die Kompanie zurück auf die Verzögerungslinie "Adler". Unsere Position ist links außen auf dem "Adler". Von dieser Stelle haben wir einen sehr guten Überblick auf das Gefecht.



Beginn der Übung mit scharfer Munition

Auf der Position des "Adler" im Gelände angekommen, hieß es Ohrenstöpsel rein und mit Spannung warten, was passiert. Alle Handlungen spielten sich zu Beginn in großer Entfernung zum "Adler" ab. Zuerst war es ruhig, ab und an ein paar Schüsse und Fahrgeräusche aus der Distanz. Nach einigen Minuten verlagerte die Kompanie von der Sicherungslinie nach hinten. Hinter unserer Position wurde es laut. Der Kompaniechef fuhr mit dem Schützenpanzer Marder auf, um eine bessere Sicht zu haben und wenn nötig, Befehle zu geben. Um den sicheren Rückzug der vorderen Einheiten zu gewährleisten, verschossen die Marder der Panzergrenadierzüge ein Nebelmittel. Der entstandene Nebel zog sich weit nach oben. Von unserer Sicht sah man nur wie sich die Schützenpanzer aus dem Nebel bewegten, der Feind konnte also nichts mehr erkennen. Währenddessen sind weitere Schützenpanzer näher an unsere Position gekommen.

Spektakulär war die Sprengung einer Testbrücke durch eine Pioniereinheit, nachdem alle Truppen auf der sicheren Seite waren. Dadurch soll die Überquerung durch den Feind unmöglich gemacht werden.




Nun waren mehrere Schützenpanzer links und rechts von uns postiert. Alle schossen mit scharfer Munition auf ein Ziel vor uns. Mit jedem Schuss aus dem Panzer sprang hinten eine Feder und das Gehäuse des 20 Millimeter Geschosses aus dem Turm heraus. Auf dem Boden liegend setzte sich Tau auf die heißen Metallreste.




Als letztes demonstrierte die Kompanie die Panzerabwehrlenkrakete MILAN. Sie wird von einem Schützenpanzer Marder abgefeuert.


Warum nach Litauen?

Eine der Fragen die noch geklärt werden sollte: Warum muss das Panzergrenadierbataillon 122 nach Litauen? Klar, wegen der NATO-Operation "enhanced Forward Presence". Ein Soldat hat einen schönen Vergleich dafür gefunden: "Litauen ist ein Freund der sich bedroht fühlt und Deutschland will ihm helfen. Nicht als Abschreckung der Russen, sondern als Beistand, damit sich Litauen wieder sicher fühlt."


Zum Abschluss des Tages hat noch Oberstleutnant Huber seine Stellungnahme abgegeben und Fragen beantwortet.









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