27.01.2017 - 15:12 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Werner Witt restauriert Motorstraßenwalze aus den 30er Jahren Motoröl im Blut

Fünf Tonnen schwer, originalgetreu rostrot lackiert. Die funktionsfähige Motorstraßenwalze aus den 1930ern wirkt nicht, als hätte sie 87 Jahre auf dem Buckel. Sie ist älter als der Besitzer. Der 75-jährige Vollblut-Mechaniker Werner Witt hat sich mit der Walze einen Traum erfüllt.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Hinter den großen Garagentoren der Kfz- und Lkw-Werkstatt werkeln ein Dutzend Mechaniker. Es ist laut und riecht nach Motoröl. Autos auf den Hebebühnen, Werkzeug-Wägen daneben und ein kleiner Schneepflug. Abseits, weiter hinten steht das Prachtstück.

"2006 müsste das gewesen sein, da hab' ich die Maschine dann geholt", sagt Werner Witt stolz. Viele Jahre hat er gebraucht, um sie dem ehemaligen Besitzer abzuschwatzen. Er hat sie damals auf dem Gelände der Betonwerke Faltenbacher in Luhe-Wildenau gesehen. "Die Straßenwalze wollte er mir lange nicht geben. Aber ich hatte ein Auge drauf." Irgendwann ist der Schuppen über der Walze schon eingestürzt. "Wenn man nicht bald etwas macht, ist sie ganz kaputt, die lässt sie sich nicht mehr herrichten", sagte er zu Faltenbacher senior.

Geduld und Elan

Seine Hartnäckigkeit zahlt sich aus: "Dann hab ich sie geholt, mit Ketten an einem ,Absetzter', der zwölf Tonnen hebt, angehängt und in die Werkstatt gefahren." Zehn Jahre baute er an seinem Schmuckstück. Meistens nach Feierabend. Die Arbeitsstunden und das Geld, das Witt in die alte Straßenbaumaschine gesteckt hat, kann er nicht zählen. Harte Arbeit war es, die Straßenwalze aus den 1930ern zu restaurieren.

Aber Witt kennt sich aus. Mit Motoren ist er groß geworden: 1936 eröffnete sein Vater die Kfz-Werkstatt in Grafenwöhr, die er später übernahm. Seitdem ist der heute 75-Jährige nicht mehr aus der Werkstatt zu kriegen. Durch seine Adern scheint Motoröl statt Blut zu fließen. Er erweiterte die Kfz- und Lkw-Werkstatt um Winter- und Abschleppdienst, Bagger-Vermietung und Baumaschinen-Service.

Mit blauem, ölverschmiertem Arbeitskittel steht Witt vor der Maschine. Er dreht an einem kleinen Rad, hinter einem großen Rad. So regelt er die Geschwindigkeit. "Man fährt entweder vorwärts oder rückwärts", weiß er. Die große Kurbel rechts ist zum Lenken. Aber: "Wenn du eine Kurve fahren willst, kurbelst du dir einen ab", erklärt der Vollblut-Mechaniker. Die Stellschraube, rechts hinter dem Lenkrad, ist die Bremse. Alleine anlassen kann er die fünf Tonnen schwere Walze nicht. Dazu braucht er Tom. "Der ist mittlerweile Profi im Anlassen." Mit ihm und einem gelben Döschen "Zündfix Diesel-Selbstzünder" kommt er wieder um die Ecke.

Das Zündfix-Röllchen steckt er in die dafür vorgesehene Öffnung und steigt auf den Fahrerplatz. Einen Sitz hat die Arbeitsmaschine nicht. Er drückt einen Hebel, und Tom beginnt mit der Kurbel zu drehen. "Übungssache", weiß der Baggerfahrer. Und dann rattert die Walze dampfend los. Zu der Maschine gibt es keine Bauanleitung. Trotzdem zerlegt der erfahrene Mechaniker das Stück. "Eigentlich ist alles da, wo es sein muss", die Reparateure finden sich schnell zwischen den Schrauben, Zahnrädern und Hebeln zurecht. Kfz-Meister Tobi hat in der Schnupperlehre vor acht Jahren schon mit geholfen. "Hinten in der Waschanlage hab ich Teile sauber geschrubbt", erinnert er sich.

Die Straßenwalze aus den 30er Jahren ist funktionstüchtig und walzt, wie sie soll. Aber vor allem hat ihr stolzer Besitzer Spaß mit ihr. Einige der alten Messingschrauben musste er austauschen. Die Neuen hat der Tüftler nur versteckt verbaut. So originalgetreu wie möglich sollte es sein. Geschätzt fährt die Baumaschine nicht schneller als sechs Kilometer pro Stunde. Der Dieseltank fasst etwa 15 Liter. 32 Schmiernippel sind in der Walze verbaut.

Das Getriebe ist grob verzahnt, nur gerade massive Zahnräder verstecken sich hinter der gusseisernen Hülle. Eisen auf Eisen, ohne Beläge und Hydraulik, deswegen muss die Baumaschine gut geölt sein. Witt schrieb an die Firma Hamm, die die Straßenwalze einst baute. "Sie haben mir sehr geholfen." "Manchmal haben wir gerätselt, wofür der Schlauch ist, oder wozu der Tank gut ist." Probieren geht über studieren. "Das Ding hat natürlich keinen Diagnosestecker", schmunzelt Witt.

Zum Geburtstag

Sein Ziel war es, das historische Gefährt bis zu seinem 75. Geburtstag fertig zu haben. "Das hab ich geschafft", kommentiert er. Bei der Feier in der Werkstatt wollten sich alle Gäste mit dem besonderen Fahrzeug fotografieren lassen. "Auch der Bürgermeister möchte noch vorbeikommen." Wegen der Walze oder dem Geburtstag? "Na, wegen beidem." Einen Ehrenplatz hat das gute Stück auf dem großen Gelände nicht. "Das fahren wir jetzt wieder hinten in die Halle", sagt Sohn Markus, der die Werkstatt mittlerweile leitet. Bagger und andere Fahrzeuge werden umgeparkt und die Walze verstaut.

Fertig ist Werner Witt noch lange nicht. Das nächste Projekt wartet schon: "Hinten steht noch ein BMW, Baujahr 1934. Den krieg ich schon noch zum Laufen", lacht der 75-Jährige zuversichtlich.

Das war schon ein Traum von mir, die Walze zum Laufen zu kriegen.Mechaniker Werner Witt (75)

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