31.08.2017 - 13:34 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

"Zum Adler" und "Yannis Bar" schließen die Pforten Sperr-Stunde in der Altstadt

Mit "Yannis Bar" und "Zum Adler" schließen zwei Gaststätten in der Grafenwöhrer Altstadt, die jahrelang das Stadtbild prägten und für den ein oder anderen Gast das Feierabendbier sicherstellten. Allerdings besteht trotzdem noch Hoffnung für alle Nachtschwärmer.

"Yannis Bar" öffnet am Samstag zum vorerst letzten Mal seine Türen. Inhaber Yunus Büyüktas ist aber bereits auf der Suche nach einem neuen Standort. Bilder: sne (3)
von Stefan NeidlProfil

Wer an warmen Sommerabenden den Marien- und Marktplatz von Grafenwöhr betrat, fand bisher reichlich Auswahl an Bier, Cocktails, Pizza, Brotzeitplatten und natürlich Sitzplätzen im Freien. Egal ob man sich beim "Hotel zur Post", beim "Ersten Kulmbacher", oder eben bei "Yannis Bar" und der Zoiglstube "Zum Adler" traf, überall war ein leichtes italienisches Flair zu spüren, wie Bürgermeister Edgar Knobloch die Atmosphäre auf dem Marktplatz beschreibt. Doch zwei der Gaststätten gibt es bald nicht mehr.

"Yannis Bar" ist überregional bekannt. Yunus Büyüktas, alias Yanni, ist mit seiner Bar bereits seit 2008 in Grafenwöhr. Gerade die ersten Jahre waren für ihn "chaotisch". Als Neuling in Grafenwöhr empfand er den Start als schwierig. Er fand nicht überall Verständnis für sein Cocktailbar-Konzept in einer Kleinstadt. Aber die jahrelange harte Arbeit, in denen Erholung und Familie hinten angestellt wurden, haben sich mit der Zeit für ihn ausgezahlt. Er war erfolgreich und hat sich einen guten Ruf in Grafenwöhr aufgebaut.

Uneinigkeit mit Vermieter

Trotzdem gab es immer wieder Rückschläge. Vor zwei Jahren wurde Yanni schwer krank. Dennoch ließ sich der 41-Jährige nicht unterkriegen und kümmerte sich weiter mit aller Kraft um seine Bar. Deshalb fällt ihm die Entscheidung nicht leicht, seine Bar nun aufzugeben. Seit einiger Zeit habe er ständig Probleme mit seinem Vermieter, der Brauerei Tucher, die das Gebäude von Wilhelm Specht gemietet hat. So würden immer wieder die Bierpreise in unbestimmten Abständen erhöht, was den Betrieb der Bar immer weniger lukrativ werden lasse.

Auch werden laut Büyüktas Absprachen nicht eingehalten, seien es Instandhaltungs- oder Renovierungsarbeiten, so dass er diese oft auf eigene Kosten veranlassen müsse. Zudem gäbe es eine Rückvergütungsvereinbarung, die ihm bei einer bestimmten Menge Bier einen Bonus geben sollte. Diese fließe aber nicht ihm zu, sondern ginge an den Hausherrn, berichtet Büyüktas. Als der 41-Jährige das Gebäude kaufen wollte, konnte er trotz eines Gutachtens und langer Verhandlung keine Einigung mit dem Eigentümer erzielen, was ihn noch mehr bestärkte, etwas Neues aufzubauen.

Hauseigentümer Wilhelm Specht widerspricht den Anschuldigungen. Er selbst habe an die Brauerei Tucher vermietet, die der Vertragspartner von "Yannis Bar" ist. Er habe alle Vorschriften erfüllt. Auf Absprachen zwischen Tucher und Büyüktas habe er keinen Einfluss. Eine Vereinbarung über die Rückvergütung zwischen ihm und der Brauerei gäbe es nicht. Das Gutachten, das Büyüktas ihm über den Wert des Hauses vorgelegt habe, liege nahe an dem von ihm geforderten Kaufpreis, aber "zu verschenken habe er halt auch nichts".

Für Yanni ist das Thema beendet. Er wird am Samstag, 2. September, das letzte Mal sein Cocktailbar öffnen. Auch wegen seiner Erkrankung will er sich nicht weiter ärgern und ein Objekt ohne Brauereibindung suchen, das er gestalten kann, wie er möchte. Dabei bevorzugt er einen Platz in der Altstadt von Grafenwöhr, schaut sich aber auch in der Umgebung um. Eine Entscheidung will er in den nächsten sechs bis zehn Wochen fällen, eine Zeit, in der er sich erholen und Zeit mit der Familie verbringen will.

Auch der "Adler" schließt

Die Zoiglstube "Zum Adler" am Marienplatz war über Jahrzehnte ein renommiertes Gasthaus. Wilhelm Kraus hatte den "Adler" gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin 2012 wieder eröffnet. Angedacht als Treffpunkt für Jung und Alt konnten die Gäste bei süffigem Zoiglbier und herzhaften Schmankerln das Stadtgeschehen diskutieren. Kraus empfand die fünf Jahre seiner Tätigkeit als wunderbare Zeit und pflegte ein gutes Verhältnis zu Bürgern, Vereinen und Stadtverwaltung. Dem ehemaligen Bürgermeister Helmut Wächter und Bürgermeister Edgar Knobloch will er für die Unterstützung danken, auch der SV Grafenwöhr, die seine Stube gerne besucht hatte. Gerne würde er das Wirtshaus weiterführen, aber auch er entschloss sich nun, aus gesundheitlichen Gründen das Lokal aufzugeben. Er hatte nach einer Entlastung gesucht. Allerdings war es schwierig, geeignetes Personal zu finden, da die "jungen Leute am Wochenende ja selber raus wollen". So lange er noch kann, will er am Wirtshaus noch eine Schau-Brauerei errichten, an der bis zu zehn Personen selbst Bier brauen können. Besonders am Herzen liegt ihm, dass der "Adler" eine Zoiglstube bleibt. Es gibt auch schon lokale Interessenten, denen er zutraut, den Adler in seinem Sinne weiterzuführen.

Ein Kneipensterben sieht Bürgermeister Edgar Knobloch nicht. Zwar ist es schade, dass nun "Yannis Bar" und "Zum Adler" zeitgleich schließen, habe doch die Gastronomie zur Belebung der Altstadt geführt. In Grafenwöhr bestehe aber weiterhin Potenzial, und die Nachfrage sei durchaus vorhanden. Die Stadt sei jederzeit bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Gastronomen Unterstützung anzubieten. Knobloch ist zuversichtlich, dass Yanni Grafenwöhr erhalten bleibt und auch der "Adler" einen neuen Pächter findet.

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