22.10.2017 - 20:00 Uhr
HahnbachOberpfalz

30 Jahre Runa Masi Für ein menschenwürdiges Leben für alle

Seit 30 Jahren hilft der gemeinnützige Verein "Runa Masi" in der Region Ayopaya in Bolivien bei Wasserprojekten. Der Vereinsname ist der indigenen Sprache der Quechua entnommen und bedeutet "Wir sind Freunde".

von Autor MMAProfil

Amberg. Diese Freundschaft spürte man besonders bei der feierlichen Messe in der Dreifaltigkeitskirche und beim anschließenden Stehempfang im nahen Saal der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB). Zum Fest war sogar mit dem Agraringenieur Coco Aquino der langjährige bolivianische Projektleiter da.

Einen hervorragenden Rahmen bildete der Chor Cababana unter Leitung von Agnes Kramer, die ihn auch auf der Gitarre begleitete. Lisa Maria Holzschuh überzeugte mit Sologesang und ihrer Querflöte, Florian Beer am Marimbaphon und Elisabeth Schmidt an der Rhythmustrommel. Mehrere Solisten sangen sich sprichwörtlich bei der in Spanisch vorgetragenen "Missa Campesina" in die Herzen in der gut gefüllten Kirche. Mit Leib und Seele engagiert und sehr abwechslungsreich bot der 19-köpfige Chor wahren Hörgenuss. Pfarrer Ludwig Gradl und der Ruhestandsgeistliche Josef Frey konzelebrierten und dankten "allen Runa Masis" und Jorge Aquino für deren stets großherziges Engagement, das primär "Hilfe zur Selbsthilfe" ist.

Coco Aquino, vielen Ambergern auch als Leiter der Musikgruppe Sacambaya bekannt, fühlte sich bei den südamerikanischen Klängen "wie zu Hause". Dank der verteilten Übersetzungen begriff man sehr schnell "den Schrei, aber auch das unendliche Gottvertrauen der unterdrückten lateinamerikanischen Urvölker".

Die nachhaltigen Wasserprojekte, die Runa Masi unterstützt, seien überlebensnotwendig, erklärte er. Denn acht Monate Trockenzeit und die zunehmende Wasserknappheit (bis zum einem Drittel weniger) selbst in der Regenzeit, ließen manche Bauern vor allem in abgelegenen Gebieten schier verzweifeln.

Das neue Projekt: Energie-Unabhängigkeit in den Anden

Derzeit würden für ein Dorf mit 60 Familien, das keine Wasserversorgung habe, ein großes Wasserauffangbecken, ein Wasch- und Duschplatz gebaut, informierte Jorge Aquino. Da das Dorf nicht mit Lastwagen erreichbar sei, müssten Lamas und Männer alles Benötigte die letzten Kilometer transportieren. Vor zwei Jahren kam der Ort durch ein schweres Unglück in die Schlagzeilen: Ein Lastwagen, beladen mit Menschen und Gütern, stürzte hier ab. 28 Menschen starben, viele weitere werden wohl behindert bleiben und etliche traumatisierte Familien trauern um Eltern und Kinder.

Aquino bezog sich auf Papst Franziskus, einem Hoffnungsträger gerade für diese "Ärmsten der Armen": "Wir müssen aber auch nicht zuletzt zur Ehre Gottes weltweit und ohne Gewalt kooperieren, damit menschenwürdiges Leben für alle möglich wird", betonte er. Beim anschließenden Umtrunk im Caritas-Haus sprach Vorsitzender Franz Staudhammer über viele realisierte Wasserprojekte, die Gesundheit und Leben der Quechua und Aymara nachhaltig verbessert hätten.

Wie wichtig sauberes Wasser sei, zeige sich bei Stellenausschreibungen für Lehrer in dieser Andenregion: Bewerber gebe es nur für Dorfschulen mit Wasserversorgung. Die "Hoffnung auf eine bessere Zukunft" setze nicht selten weitere Energien frei, die dann Menschen selbst in Notlagen nicht verzweifeln lasse. Aquino informierte begeistert über ein neues Projekt des Kulturzentrums Ayopayamanta - die Energie-Unabhängigkeit. Man habe schon günstig einen Berg kaufen können, der nun mit Photovoltaikanlagen bestückt werden soll. Dank vieler Spenden seien bereits 50 Parzellen erworben. Der Schnaittenbacher Alfons Nagler spendete spontan den Erlös seiner Holzartikel, die im Eine-Welt-Laden beim Frohnbergfest verkauft wurden - und fügte damit ein weiteres Modul hinzu. (mma)

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