Aschenputtels peppiges Märchen-Musical feiert großen Erfolg
Prinzessin Becherschmeiß

Manchmal lohnt es sich, einem Prinzen aus Versehen einen Becher Wasser überzuschütten: Aschenputtel alias Prinzessin Becherschmeiß hat ihren Prinzen erobert.
Kultur
Hahnbach
31.12.2016
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Das Märchen Aschenputtel kennt auch heute noch jedes Kind. Ein alter Hut, könnte man meinen. Aber die Inszenierung des Tourneetheaters Liberi ist voller Überraschungen. Wer macht schon aus dem schmutzigen Aschenputtel eine strahlende Prinzessin Becherschmeiß?

Amberg. (tat) Natürlich gab es auch die böse Stiefmutter, einen hübschen Königssohn und besagte Fee. Aber Prinzessin Becherschmeiß und Prinz Gurkennase? Sehr modern gestaltete Liedtexte und wilde Verfolgungsjagden auf der Bühne? Das war neu und sehr geglückt. Mit vergleichsweise wenigen Requisiten zauberten die sechs Darsteller des Familientheaters aus Bochum eine moderne Version des Märchens auf die ACC-Bühne.

Die etwas angestaubt wirkende Geschichte bekam deutlich mehr Pep. Die Dialoge waren der heutigen Sprache und Lebenssituation angepasst ("Ja, willst du den Prinzen denn nicht heiraten?" "Nein, ich will studieren, viel reisen und keine Prinzessin werden!"). Auch die eigens für das Stück komponierten Lieder waren nicht pompös und antiquiert, sondern poppig mit klarer und einfacher Botschaft ausgestattet: "Du, wenn du Hilfe brauchst, dann warte nicht zu lang." Auch das Bühnenbild passte sehr gut ins Konzept: überraschend wandelbar, bunt und bis ins kleinste Detail durchdacht.

Eine Musical-Aufführung für Jung und Alt zu gestalten, ist manchmal nur Anspruch, aber bei den Darstellern des Bochumer Theaters tatsächlich Programm. Da war es auch nur logisch, dass der Inhalt angepasst werden musste, damit sich die Geschichte in eineinhalb Stunden auf die Bühne bringen lässt. Ewige Ballvorbereitungen und das lange Suchen des Prinzen nach seiner Angebeteten? Keine Zeit. Langatmig eingefädelte Aktionen, um überhaupt auf den Ball zu gelangen? Lieber eine hoch motivierte gute Fee, die gleich ein himmlisches Kleid parat hat. Auch kleine Zusatzmomente wie ein Prinz, der sich inkognito unters Volk mischt und Botengänge erledigt, oder ein König, der so gar nicht königlich Witze reißt, passen zu dieser modernen Inszenierung. Sogar Aschenputtel erweitert ihre Rolle, indem es dem Boten, beziehungsweise dem Prinzen, schwungvoll und natürlich aus Versehen einen Becher Wasser überschüttet - und so zu "Prinzessin Becherschmeiß" wird. Trotzdem verliert diese auf dem Ball ihren Schuh und erobert letztlich romantisch den Prinzen (mit der Gurkennase). Die Herzen des Publikums im ACC hat sich Theater Liberi sowieso erspielt. Applaus am Ende dieses faszinierenden Musicals.
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