18.04.2018 - 14:56 Uhr
HahnbachOberpfalz

SV Hahnbach verzichtet auf Aufstieg in die Fußball-Landesliga Die Spieler haben entschieden

"Meister, ja natürlich. Ganz gerne sogar", sagt Hans Kummert, stellvertretender Vorsitzender des SV Hahnbach. "Aber ein Aufstieg in die Landesliga kommt für uns nicht infrage." Ein Novum in der Oberpfalz, dass ein Verein darauf verzichtet.

Mit dem SV Sorghof stieg Trainer Thorsten Baierlein (rechts) in die Landesliga auf und gleich wieder ab. Mit dem SV Hahnbach wird ihm das nicht passieren.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Amberg. Große Verwunderung löst die Entscheidung nicht aus, denn abschreckende Beispiele gibt's genug: Die Meister (und Vize) der Bezirksliga Nord nahmen das Aufstiegsrecht wahr - und nach nur einer Saison war Schluss: Der FV Vilseck, der SV Sorghof, der FC Schwarzenfeld und der SV Raigering mussten und müssen die Landesliga wieder verlassen.

Der SV Hahnbach, momentan Tabellenführer der Bezirksliga Nord mit sechs Punkten Vorsprung auf die SpVgg Pfreimd, verzichtet auf das Abenteuer Landesliga. Genauer: Die Spieler. "Entscheidend für uns ist die Mannschaft", erklärt Kummert. Am vergangenen Freitag war Sitzung mit den Vorständen, Fußballabteilungsleiter Wolfgang Dotzler, mit fast allen Spielern der ersten Mannschaft - und mit Trainer Thorsten Baierlein. Und der kennt die Landesliga Mitte aus eigener Erfahrung: Mit dem SV Sorghof in der Saison 2015/16 aufgestiegen und gleich wieder ab.

Landesliga-erfahren

Der Trainer hatte dann ein kurzes Intermezzo beim SC Ettmannsdorf - auch in der Landesliga Mitte. "Baierlein hat ganz sachlich die Vor- und Nachteile der Landesliga geschildert. Dass es äußerst interessant ist, andere Vereine und andere Spieler kennen zulernen", sagt Kummert. Aber auch: "Da wird mit viel Geld gearbeitet, und es sind sehr lange Fahrten. Drei Stunden nach Hutthurm oder nach Hauzenberg."

Klatschen-Serie

Dass es nach anfänglicher Euphorie sehr deprimierend gewesen sei, eine Klatsche nach der anderen verpasst zu bekommen. "Manche knabbern noch heute daran, Vilseck ist durchgereicht worden", sagt Kummert. Der SV Hahnbach sei ein großer Verein mit vielen Sparten, die Volleyballerinnen spielen sehr hoch, in der Regionalliga. Deswegen gelte: "Wir bezahlen keine Spieler", sagt Hans Kummert, nebenbei auch stellvertretender Landrat und Altbürgermeister der Gemeinde Hahnbach.

Offene Diskussion

Über eine Stunde lang sei am Freitag "sehr sachlich und sehr konstruktiv" diskutiert worden. 18 Spieler waren da, nur zwei hätten gefehlt. Jeder habe seine Meinung offen kundgetan, ob die Mannschaft aufsteigen soll oder nicht.

Ein wichtiger Punkt bei der Diskussion: Drei Fußballer (Kummert: "Für uns wichtige Spieler") wollen in ihren Berufen ab Herbst ihre Meisterprüfung machen, und die Schulungen dazu sind immer samstags. An diesem Tag sind in der Landesliga sehr oft Spiele angesetzt.

Große Mehrheit

Nach der Diskussionsrunde stimmten die Hahnbacher Spieler ab, nur die Spieler - der Trainer habe sich neutral verhalten: "Mit großer Mehrheit waren sie dafür, auf den Aufstieg zu verzichten", berichtet Kummert, der vor allem die jungen Spieler lobte: "Kompliment, wie sie ganz ruhig ihre Argumente vorgetragen haben." Danach waren sich alle einig: "Wir wollen Meister werden, und dann wird richtig gefeiert."

Manche knabbern noch heute daran, der FV Vilseck ist durchgereicht worden.Hans Kummert, stellvertretender Vorsitzender des SV Hahnbach

Bezirksoberliga "optimal"

Bezirksliga ja, Landesliga nein - die Spieler des SV Hahnbach haben sich entschieden. Dazwischen gab's aber mal was, vor der Ligenreform: "Eine Bezirksoberliga wäre für uns zum Beispiel optimal. Da müssten wir nicht so weit fahren und nicht gegen finanzstarke Vereine wie in einer Landesliga antreten", erklärt Hans Kummert, stellvertretender Vorsitzender des SV Hahnbach. Abgeschafft wurde die Bezirksoberliga nach der Saison 2011/12.

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