Seit Sturm "Herwart" ohne Telefon, Teil 2
Höhengau abgeschnitten

Ärger mit der Telekom: Nach dem Sturmtief „Herwart“ lag ein Baum quer über der Verbindungsstraße zwischen Ursulapoppenricht und Höhengau. Dabei wurde auch das Kabel der Telekom beschädigt. Das war vor drei Wochen. Bis heute sind die Höhengauer ohne Telefon und Landwirt Hans Schmidl ist dementsprechend sauer. (Foto: Wolfgang Steinbacher)
Vermischtes
Hahnbach
17.11.2017
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Hans Schmidl steht am Fahrbahnrand an der Verbindungsstraße zwischen Ursulapoppenricht und Höhengau. Er begutachtet das abgerissene schwarze Kabel und schüttelt verärgert den Kopf. Seit Sonntag, 29. Oktober, gibt es deswegen in seinem Dorf kein Telefon und teilweise kein Internet mehr. Seit drei Wochen schafft es die Telekom nicht, den Schaden zu beheben.

Ursensollen. Der 50-jährige Landwirt ist sauer. Während des Sturmtiefs "Herwart" stürzte rund 700 Meter von seinem Anwesen entfernt ein Baum über die Straße. Die Äste nahmen das Telefon-Kabel mit, das jetzt in lockeren Kurven bis zum Boden hängt und zerrupft endet. Der Baum wurde noch am Sturm-Tag durch die örtliche Feuerwehr, der Schmidl auch angehört, beseitigt. Die Wehrmänner informierten die Rettungsleitstelle. Diese meldete laut Schmidl die Störung an die Telekom. Nach einer Woche ohne Telefon kam ihm das Ganze dann komisch vor. Er fragte nach. "Da hat es dann geheißen, bei ihnen ist kein Schaden bekannt", sagte der Landwirt, "obwohl das nicht stimmen kann".

Techniker kommen nicht

Zumindest kam daraufhin per SMS die Ankündigung eines Termin, an dem die Störung behoben werden soll. Für den 11. November, ein Samstag,, waren Techniker angekündigt. Wer nicht kam: die Techniker. Abends sei per SMS auf Schmidls Handy der Termin wieder abgesagt worden. Weitere Telefonate später, "das ganze Dorf hat angerufen", hieß die Auskunft am Handy von Schmidl: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran." Und schließlich folgte die Erklärung vonseiten der Telekom, dass der Auftrag von einem Subunternehmer zurückgegeben wurde und nun neu vergeben werden müsse. Zweimal pro Tag habe er versucht, Verantwortliche ans Rohr zu bekommen. Wartezeiten von 45 Minuten in der Schleife seien normal gewesen. "Das Längste waren dann 90 Minuten. Wer bitte wartet so lange?" Natürlich sei er dann auch mal etwas forscher gewesen in seiner Ausdrucksweise, wenn er schließlich durchkam. "Aber diese Lügerei, das regt mich auf. Und, dass einfach aufgelegt wird." Hans Schmidl ist mit seinem Verständnis längst am Ende: "Ich lass mir schon was eingehen, aber das ist schon fast unterlassene Hilfeleistung." Vier Haushalte sind in Höhengau von dem Ausfall betroffen. Da seien auch ältere Leute dabei, die kein Handy haben. "Da lass mal was sein."

"Einfach Kabel richten"

Am Donnerstag erhielt Schmidl dann den nächsten Technikertermin mitgeteilt: Am Samstag, 18. November, soll der Schaden laut SMS "zwischen 8 und 11.59 Uhr" repariert werden. Zur Vorbereitung des Termins könne er eine Homepage anklicken. Es ist der nächste Aufreger. Zum einen benutzt Schmidl sein Handy vorwiegend zum Telefonieren und nicht zum Surfen, zum anderen sei das schließlich nicht sein Privat-Termin mit der Telekom. "Die sollen einfach das Kabel an der Straße richten."

Und der nächste Hammer für die Höhengauer kommt per Rechnung: "Alles wird normal abgebucht." Hans Schmidl muss am Ende beinahe lachen. Kopfschütteln reicht nicht mehr.

Die Telekom reagierte am Freitag per Twitter unter @Telekom_hilft: Die Störungsbeseitigung sei informiert. „Mit viel Glück kommt heute noch ein Bautrupp, aber wohl eher morgen.“ Und zur Rechnung: „Wir werden Gutschriften für die Zeit des Ausfalls erstellen. Kunden sollen sich bei uns melden.“




Wie war das in Dettnach?Die Geschichte aus Höhegau kommt aufmerksamen Lesern vielleicht bekannt vor: Am 8. November berichtete die Amberger Zeitung von Dettnach, das seit dem Sturm ohne Telefon war. Kurz vor dem Ortsteil der Gemeinde Kastl war auch hier ein Baum umgefallen und hatte die Telefonleitung beschädigt. Auch hier dauerte es länger, bis die Telekom den Schaden behob. Zwei Tage nach dem Zeitungsbericht stellten die Techniker der Telekom in zwei Stunden wieder den Ursprungszustand her. Der Dettnacher Martin Wiesend hatte bei Bürgermeister Stefan Braun vorgesprochen. Braun selbst wählte sich mehrmals erfolglos in die Hotline ein. Bis er schließlich seinen Kontaktmann bei der Telekom für den Breitbandausbau verständigte, der alles in die Wege leitete. "Noch am selben Tag wurde die Störung beseitigt", sagte Braun. In Dettnach waren 29 Bürger ohne Telefon. (roa)

Bild: Steinbacher

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