02.04.2017 - 10:22 Uhr
HahnbachOberpfalz

Ungewöhnliche tierische Patchwork-Familie Der Hund im Fuchspelz

So ein junger Fuchs geht doch glatt auch als Hund durch. Zumindest bei Emma: Die Rehpinscherhündin aus Kümmersbuch hat ein kleines Füchslein aufgezogen. Beinahe hätte es sogar bellen gelernt. Inzwischen ist der Findling erwachsen - zurück in die Natur kann er nicht mehr.

Erinnerung an Kindertage: Füchslein Bärbel fühlte sich sichtlich wohl mit seinen Hunde-Geschwistern.
von C. & W. RupprechtProfil

Kümmersbuch. Emma wäre ein ganz normaler Familienhund, wenn sie nicht bei Hans Weiß daheim wäre. Der leidenschaftliche Tierliebhaber bietet auf seinem weitläufigen Grundstück einer halben Arche Noah Unterschlupf: Falken, Eulen, Wasservögel, Hühner, Emus, Schwäne, Sikawild, Kolkraben, Gänsegeier tummeln sich hier. Kein Wunder, dass Emma Mama einer ungewöhnlichen Patchwork-Familie ist: Sie hat neben ihren eigenen Welpen Bärbel, einen Fuchs, großgezogen.

Ab ins Körbchen

Hans Weiß betreibt "Das Nest", eine anerkannte Tier-Auffangstation für Wildtiere und Exoten. Bei ihm werden verletzte Tiere in Pflege gegeben, die von Behörden beschlagnahmt oder verwaist von Spaziergängern gefunden wurden. So kam vor etwa zehn Jahren auch ein junger Fuchs nach Kümmersbuch - damals erst vier bis fünf Wochen alt. Da Hans Weiß zu dieser Zeit keine passenden Artgenossen beherbergte, legte er das Baby einfach ins Körbchen seiner Emma, die gerade ihre Jungen säugte. "Das war Emma erst nicht geheuer", erinnert sich Weiß. "Da die Welpen der Milch aber bereits entwöhnt waren, hat sie das Fuchsjunge dann doch geduldet."

Für Bärbel, den Findling, begann eine schöne Zeit. Sie hatte Spielkameraden, mit denen sie sich balgen konnte und Geschwister zum Kuscheln und Wohlfühlen. Von seiner "Mutter" Emma lernte das Füchslein viel. "Sogar das Bellen ahmte es nach", berichtet Weiß: "Aber das hat nicht ganz so hingehauen."

Füchse gehören entwicklungsgeschichtlich zu den hundeartigen Säugern. "Das Fuchsjunge hatte seine Hundefreunde als Artgenossen anerkannt", erklärt Weiß. "Trotzdem hatten sich aber die Hundewelpen ein wenig schneller entwickelt." Schließlich kam der Tag des Abschieds. Die Welpen wurden an Familien abgegeben. "Aber jeder wollte den kleinen Hund mit dem rotbraunen Fell und den schwarzen Läufen haben. Das ging natürlich nicht." Bärbel, so wurde das Füchslein inzwischen genannt, erhielt einen Platz im Gehege. "Zum Auswildern war sie zu zahm und Hunden gegenüber zu zutraulich. Sie läuft stets auf den Hund des Jägers und auf die Hunde von Spaziergängern zu. Das Überleben in der Natur ist somit nicht wahrscheinlich", sagt der Kümmersbucher.

"Bärbel ist schon ein paar Mal aus dem Gehege entwischt, kam aber jedes Mal wieder nach Hause zurück", erzählt Weiß. "Leider gibt es immer vermeintliche Tierschützer, die absichtlich das Gehege öffnen, weil sie meinen, der Fuchs müsse in die Freiheit entlassen werden." Das aber wäre der sichere Tod des Tieres. Einmal sei es schon sehr brenzlig gewesen, erinnert sich Weiß: Da hatte sich Bärbel den Wald angesehen und sich ausgerechnet unter einen Hochsitz gesetzt. Doch da der hiesige Jäger wusste, dass in der Auffangstation ein zahmer Fuchs lebt, rief er dort an. Bärbel sei dann schließlich mit ihm "bei Fuß" nach Hause gegangen, berichtet Weiß.

Mama geht auf Distanz

Inzwischen hat Bärbel sogar einen männlichen Fuchs als Partner. In ihrem Gehege haben die beiden sich mehrere Höhlen, also Fuchsbauten, gegraben. "Bislang hat sich zum Glück noch kein Nachwuchs eingestellt", sagt Weiß. Es würden sowieso jedes Jahr genügend Füchse in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben. Wenn Bärbel heute ihre Hunde-Mama sieht, läuft sie immer noch freudig auf sie zu. Emma hat das aber inzwischen nicht mehr so gern. Sie hat zwar keine Angst vor dem deutlich größeren Fuchs - "aber die Kinderpflege ist für sie einfach abgeschlossen", so interpretiert Weiß ihr Verhalten.

Besucher willkommen

Wer Fuchs Bärbel und die anderen Kümmersbucher Tiere kennenlernen möchte, darf sie gerne besuchen: Das Gehege ist für Gäste offen. "Die Leute sollen sich aber unbedingt an die Fütterungsordnung halten", betont Hans Weiß - denn "immer wieder wird unser Esel gefüttert und wird dann krank. Er lässt sich auch ohne Futter streicheln." Die Tierauffangstation finanziert sich aus Spenden und dem privaten Budget der Familie Weiß. Deshalb freut sich der Betreiber, wenn die Besucher seine Arbeit unterstützen. Eine Spendenbox steht am Eingang bereit. (rpp)

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