16.03.2013 - 00:00 Uhr
HahnbachOberpfalz

Von der Hauptschule auf den Chefsessel: Das Märchen vom Laubberg

Robert Wismet vor seiner neu gebauten Software-Schmiede auf dem Laubberg bei Hahnbach. Der 28-Jährige erlebt mit seiner Firma einen Höhenflug und bleibt trotzdem am Boden. Bild: Piehler
von Uli Piehler Kontakt Profil

Es ist die Oberpfälzer Variante des Märchens vom Tellerwäscher, der zum Millionär wurde - nicht ganz so hochdramatisch, nicht ganz so schwerreich. Dafür oberpfälzisch solide und vor allem nachhaltig. Schon als Hauptschüler legte Robert Wismet (28) aus Adlholz (Kreis Amberg-Sulzbach) den Grundstein für seine Firma. Heute ist er Chef einer Software-Schmiede mit drei Mitarbeitern und einer schmucken Zentrale auf dem Laubberg unweit seines Heimatdorfes.

Rowisoft heißt das Produkt, das Wismet an mittlerweile mehr als 5000 Kunden im gesamten deutschsprachigen Raum verkauft, ein Computerprogramm zur kaufmännischen Verwaltung. "Ich hab als Schüler einfach mal was ausprobiert", erzählt Wismet. "Das war wie ein Spiel für mich." Aus dem Spiel ist Realität geworden. Noch während er die Hahnbacher Hauptschule besuchte, gingen die ersten Kundenanfragen bei ihm ein. Wismet blieb am Boden, ließ sich zum Elektriker ausbilden. "Das war die Zeit, in der ich die Firma aufgebaut habe", blickt er heute zurück. Nach Feierabend um 17 Uhr setzte er sich an den Computer und programmierte bis spät in die Nacht - jeden Tag. Die Elektriker-Lehre schloss er ab und bereits am nächsten Tag machte er sich als Software-Entwickler selbstständig.

Kernkompetenz zuhören

2005 stellte er seinen ersten Mitarbeiter ein, zwei Jahre später den zweiten, wieder zwei Jahre später den dritten. Die angemieteten Büroräume in Amberg erwiesen sich als zu klein. "Da stand ich vor der Frage, was größeres zu mieten oder zu bauen. Ich hab mich für was Eigenes entschieden. Ganz Oberpfälzer halt", erzählt der 28-Jährige. Nachts leuchtet die neue Software-Schmiede in blauem Licht. Besucher dürfen sich in einer Lounge willkommen fühlen. "Hier ist für ungefähr zehn Mitarbeiter Platz. Das wäre für uns eine gesunde Größe", blickt Wismet in die Zukunft. Er will aus seinem Unternehmen keinen Konzern machen, mit einer Firma "von der meine Mitarbeiter und ich gut leben können" ist er zufrieden. Die Aufträge gehen ihm unterdessen nicht aus. Die Technik ändere sich ständig und die Kunden äußerten immer neue Wünsche. "Unsere größte Kompetenz steckt darin, dass wir unseren Kunden zuhören", beschreibt Wismet seine Unternehmensphilosophie.
Er sieht sich als Praktiker, der die Sprache der mittelständischen Kundschaft versteht. Baggerbetriebe, Schreinereien, Baugeschäfte - das sind die wichtigsten Abnehmer der Rowisoft-Programme. "Die Leute wollen die einfachste Lösung für ihre Buchhaltung. Da sind wir den großen Software-Entwicklern oft meilenweit voraus."

Wismet ist ein Macher, der nicht viel wert auf Zeugnisse und Zertifikate legt. "Was hilft mir ein top ausgebildeter Mitarbeiter, wenn er keinen Spaß an der Arbeit hat? Wenn jemand Spaß an einer Sache hat, dann arbeitet er sich auch in die komplizierteste Materie ein", zeigt er sich überzeugt. Er ist selbst das beste Beispiel.

 

 

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