20.09.2017 - 14:48 Uhr
HirschauOberpfalz

Expedition Erdgeschichte durch Rödlas und Massenricht Solides Granit aus der Störung

Zum Monte Kaolino sind es zehn Kilometer gen Westen, Eslarn ist 53 Kilometer östlich entfernt, und geradeaus geht es nach Obersteinbach. Zumindest steht es so auf den Wegweisern, die direkt an der Rödlaser Berghütte platziert sind. Hier ist auch der Ausgangspunkt der Expedition Erdgeschichte.

Norbert Graf erzählte bei der Expedition Erdgeschichte über den Abbau der Mühlsteine in Massenricht. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Freihunger Störung wird die Strecke zwischen Massenricht und Freihung im Bruchschollenland genannt, was das Aufwölben von Gesteinen im Laufe des Erdzeitalters beschreibt. So entstand unter anderem auch der Mühlberg in Rödlas. Die Expedition Erdgeschichte, ein etwa fünf Kilometer langer Rundgang, führte unter Leitung von Norbert Graf durch Massenricht zum Mühlsteinbruch. Vorbei ging es an dem Rödlaser Aussichtsturm, der vor zwei Jahren saniert wurde, und mit einer Gräfschen Abkürzung durch den Wald. "Da kenne ich mich schon aus", versicherte der 56-Jährige.

"Einst gehörte die Müllerzunft zu den unehrlichen Berufen", erzählte der Leiter. Häufig waren Bürger und Bauern schlecht auf die Müller zu sprechen, sie sagten ihnen Betrügereien und dunkle Geschäftspraktiken nach. In der Sage galten die Müller häufig als Hexenmeister, deren Mühlen abseits der Städte und Dörfer lagen und als Schauplätze von Raub und Mordtaten verrufen waren.

Otfried Preußler erzählte schon in seinem Buch Krabat über das Werk des Teufels in der Mühle. Aber auch der Oberpfälzer Franz Xaver von Schönwerth schrieb ein Müller-Märchen. "Hexen sind gottlose Weiber, welche mit dem Teufel gegen Verschreibung ihrer armen Seelen in einen Bund treten, um mit dessen Hilfe dem Nächsten zu ihrem Vorteile oder auch bloß aus Rache und Bosheit zu schaden." 1577 erhielten die Müller das Zunftrecht. Etwa 100 Jahre später begannen die Arbeiten im Massenrichter Mühlsteinbruch. Mit viel Geschick und Erfahrung musste der Steinhauer mit der Spitzhake die Keiltaschen an der richtigen Gesteinsschicht anbringen, um den Rohstein herausbrechen zu können. Nur der gleichmäßige Flankendruck auf allen eingesetzten Keilen erbrachte einen verwertbaren Steinquader. Erzählungen zufolge wurden die 34 Zentner schweren Quader aus 63 Metern Tiefe mit Hanfseilen nach oben gezogen.

Der oberpfälzische Mühlstein war deutschlandweit beliebt, denn er war aus Granit. Somit kam es zu keiner "Versandelung" des Mehls, wie es beim Sandstein der Fall war. Das unreine Mehl führte nämlich schon in jungem Alter zu einer Abrasion des Gebisses.

Als der Steinbruch überflutet wurde und sich die Mahltechnik auf Eisenwalzen umstellte, endete 1893 diese Ära. Dennoch wird der Mühlberg wohl heute noch genutzt. Angebrachte Kletterhaken und eine Bouldermatte am Grund wiesen darauf hin, dass das Kraxeln auch in Massenricht ausgeübt wird.

Außerdem erzählte Norbert Graf Anekdoten über Karl IV. und die Entstehung der Marterl am Wegrand. Ziel, war auch das geschnitzte Denkmal für den Papst-Baum, der vor zwei Jahren gefällt und nach Rom transportiert wurde.

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Kommentare

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Harald Rost

Ein durchaus netter und informativer Artikel, in Bezug auf Mühlsteine aus dem bebilderten Massenrichter Steinbruch bei der Schlüsselinfo und der abgeleiteten Artikelüberschrift aber leider falsch! Daß Granit maskulin ist und es so entweder "solider Granit" oder eben ggf. solides "Granitgestein" heißen müßte, ist dabei gegenüber der falschen inhaltlichen Aussage unbedeutend: die dort ehemals abgebauten Mühlsteine bestehen nämlich nicht aus Granit! Zudem dürfte so mancher tatsächlich zum Mahlen verwendete Granit aufgrund seiner enthaltenen Quarzkornfraktion fast ähnliche fatale Folgen für die Zähne gehabt haben, wie die gelösten und dann im Mehl befindlichen Sandkörner von Mühlsteinen aus "normalem" Sandstein. Daß es mit den in Massenricht gewonnenen Steinen zu keiner "Versandelung" des Mehls kam, hat andere Gründe. Tatsächlich handelt es sich hier - entgegen den Ausführungen im Artikel - letztlich nämlich doch um "Sandstein"! Dessen ursprünglich ebenfalls "locker" verbundene Quarzkörner wurden in Zusammenhang mit der Freihunger Störung aber so "verbacken" (quarzitisch "zementiert"), daß rein praktisch ein nicht mehr gekörntes Gestein entstand. Aus diesem lösen sich beim Mahlvorgang fast keine Einzelkörner mehr. Statt in einzelne Sandkörner zerreibt sich der Massenrichter Stein und sein Quarzanteil beim Mahlen in wesentlich feineres Gesteins-/Quarzmehl - welches dann zwar ebenfalls im Mehl verbleibt, die Zähne aber kaum mehr schädigen kann.

Bekannt ist die Redewendung "Hart wie Granit". Davon abgeleitet wird "Hartes" dann umgangssprachlich aber leider oft schnell zu "Granit". Ähnlich werden harte Sandsteine oder sonstige harte Quarzgesteine schnell fälschlich als "Quarzit" bezeichnet. Petrographisch ebenfalls falsch! Ein Quarzit ist ein metamorphes Gestein. In Massenricht ist nichts metamorph. Hier handelt es sich "nur" um einen quarzitisch gebundenen, äußerst "harten" Sandstein. "Quarzit" wäre hier als Bezeichnung ebenso "richtig falsch", wie "Marmor" als Handelsname für Fensterbretter aus poliertem Juarakalk :)

Harald Rost, Dipl.-Geologe

06.12.2018