Unterwegs auf dem Industriepfad im Kaolinrevier Hirschau-Schnaittenbach
Sanddüne unter den Wanderschuhen

Freizeit
Hirschau
05.05.2017
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Eigentlich werden Berge durch die Erosion immer kleiner. Beim Monte Kaolino ist dies anders. Er wächst. Der Grund dafür ist eines von vielen Geheimnissen, die der Berg bei dieser Wanderung preisgibt.


Eine Tour der Gegensätze wartet im Landkreis Amberg-Sulzbach auf uns. Seit 2006 ist zwischen Hirschau und Schnaittenbach ein Rundkurs, der in die Geheimnisse des Geotops „Kaolinrevier“ einweiht, ausgewiesen. Er heißt wenig malerisch Industriepfad, wohl ein Grund dafür, dass er oft übersehen wird. Da hätten die Initiatoren vielleicht ein bisschen mehr Einfallsreichtum an den Tag legen können.

Der Rundweg gewährt während der zwei- bis dreistündigen Wanderung nicht nur interessante, mit vielen Details gespickte Einblicke in eine seltsam anmutende Abraumlandschaft, sondern beleuchtet auch die Kultur- und Waldwirtschaft der Region. Umfassend informieren Tafeln über die Abbaugeschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart, und das Spannungsfeld, das entsteht, wenn Rohstoffgewinnung, Landschaftspflege und Naturschutz aufeinanderprallen.

Man kann die Tour entweder vom Monte Kaolino aus in Angriff nehmen oder von einer Infostelle in Schnaittenbach aus. Wir haben uns für den Monte entschieden, und das nicht nur wegen der sprechenden Steine an der ersten Station, sondern schon allein deshalb, weil es dort ungemein attraktive Angebote gibt, um die Wanderung noch mit einer Erfrischung im Dünenbad, einer Partie Adventure-Golf, vielleicht auch einer Fahrt mit dem Monte Coaster, einer Rodelbahn mit Panoramakreisel, Jumps und Wellen, zu krönen.




Das Gebiet ist das das größte Kaolinrevier Deutschlands. Bei der Gewinnung des Rohstoffs fällt Quarzsand an und zwar in viel zu großen Mengen, um ihn von Glasindustrie und Baufirmen gleich wieder verwerten zu lassen. Also legt man ihn auf Halde. Der weiße Berg, der dabei entstanden ist und leider immer mehr ergraut, ragt etwa 120 Meter in die Höhe und ist längst ein Wahrzeichen der Region. Auf rund 35 Millionen Tonnen Quarzsand schätzen Fachleute sein Volumen. Der Sand ist so fein ist, dass man darauf sogar mit Skiern ins Tal wedeln kann.

Schon nach wenigen Metern wird deutlich, wie anstrengend es ist, den Berg zu Fuß zu erklimmen, was durchaus möglich ist (es ist dafür extra ein Klettersteig ausgewiesen, den wir am Anfang unseres Marsches passieren). Am Rande des Freizeitzentrums stapfen wir einige Meter durch den tiefen Sand, bevor wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, in die Waldkulisse eintauchen und Lärm des Freizeitzentrums hinter uns lassen.

Jetzt heißt es immer wieder Augen beziehungsweise Ohren auf. Die Stationen klären uns über Grundwassermessungen auf, wir lernen den Weitzendorfer Bach kennen, sehen eine Zeidlerei und einen Kohlenmeiler, stoßen auf ein Absatzbecken und, und, und. Zugegeben: Wir erfahren unterwegs viel zu viel, um uns das alles zu merken. Aber das Angebot am Monte Kaolino ist mittlerweile ohnehin zu groß, um dies alles an einem Tag erkunden zu können.




Tipps und Infos zur Tour


Anfahrt: Der Industriepfad Geopark-Kaolinrevier liegt etwa auf halber Strecke zwischen Weiden i. d. OPf. und Amberg bei Hirschau, direkt am Fuße des Monte Kaolino. Von Weiden aus nimmt man die Staatsstraße 2238 über Etzenricht und Kohlberg. Die gut 20 Kilometer sind in etwa 25 Minuten mit dem Auto bewältigt. Die gleiche Staatsstraße führt in Amberg in gut einer Viertelstunde ans Ziel, das etwa 23 Kilometer entfernt liegt. Von Regensburg aus ist der weiße Berg etwa 80 Kilometer und 70 Autominuten entfernt. Anfahrt über die A 93 (Ausfahrt Wernberg-Köblitz) und dann die B 14 Richtung Schnaittenbach.

Die Route:Die Strecke ist etwa sechs Kilometer lang und als Rundweg konzipiert. Sie ist mit blau-grünen Geopark-Tafeln gut beschildert, so dass eigentlich keine Karte notwendig ist. Besonders schön: Die Macher weisen an den Stationen darauf hin, wie weit es bis zum nächsten Info-Häuschen ist. Da es unterwegs doch einiges zu lesen gibt, sollte man für den Rundweg trotz der Kürze etwa zwei bis drei Stunden Zeit einplanen. An der Campingkasse gibt es gegen eine Schutzgebühr von 50 Euro Audioguides für die Strecke. Es besteht aber auch an jeder Station die Möglichkeit, sich den gesprochenen Texte mit dem QR-Code kostenlos aufs Smartphone herunterzuladen. In Schnaittenbach beginnt der Weg an der Dr.-Carl-Eibes-Straße.

Einkehrtipps: Das Café-Restaurant am Monte Kaolino ist während der Sommerzeit täglich geöffnet, Telefon 09622 / 7034-20, E-Mail info@monte-kaolino.com, Internet www.monte-kaolino.com. Weiter ist in Hirschau das Restaurant im Sportpark (www.sportpark-hirschau.de) in der Nähe. In Schnaittenbach ist der Hotel-Gasthof Haas an der Hauptstraße zu empfehlen (Dienstag und Mittwoch kein Mittagstisch, Samstag Ruhetag, Telefon 09622 / 2466, E-Mail info@hotel-haas.de, Internet www.hotel-haas.de).

Attraktionen: Das Kaolinrevier wurde 2007 in den erlauchten Kreis von Bayerns schönsten Geotopen aufgenommen. Infos unter www.geopark-kaolinrevier.de Am Fuße des Monte Kaolino ist ein großes Freizeitzentrum entstanden. Man kann dort nicht nur mit einer Einkehr die Tour ausklingen lassen und von der Sonnenterrasse das muntere Treiben beobachten, sondern auch den weißen Berg erklimmen (zu Fuß oder mit der Bergbahn), sich im Dünenbad erfrischen, mit der Sommerrodelbahn ins Tal brettern, sich auf einem Hochseilgarten beweisen oder ganz relaxed eine Runde Golf auf einer oberpfalzweit einzigartigen Adventure-Golf-Kunstrasen-Anlage spielen. Weitere Infos unter www.montekaolino.eu.

In Schnaittenbach empfiehlt sich ein Abstecher zum Kräutergarten im Hinterhof des alten Rathauses, der von Mai bis September kostenlos besichtigt werden kann. Infos unter Telefon 09622 / 70 37 51, E-Mail kraeutergarten.schnaittenbach@gmail.com und www.schnaittenbach.de.

Kartenmaterial: Amtliche Topographische Karte (ATK) 25 F13 Hirschau 1: 25.000 des Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung; Preis: 8,90 €.

Downloads:
Monte-Tour (KML)
Tourvariante (KML)

Google Earth kann kml-Dateien öffnen. Weitere Informationen über und Programme zum Öffnen von kml-Dateien finden Sie hier oder hier.



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