18.07.2017 - 20:00 Uhr
HirschauOberpfalz

Im September 1947 als Volkstrachtengruppe Enzian gegründet Trachtler feiern ihr 70-Jähriges

In Hirschau gilt er als Inbegriff für Heimatverbundenheit und Aushängeschild für echte Traditionspflege - der Heimat- und Trachtenverein. Am Sonntag, 23. Juli, feiern die Trachtler ihr 70-jähriges Bestehen.

Schon zu Beginn der 50-er Jahre erkannte man beim Heimat- und Trachtenverein, dass man die Jugend für das Anliegen der Brauchtumspflege gewinnen muss (Bildmitte: Vorstand Sepp Dolles).
von Werner SchulzProfil

Der Besuch des Buchbergfestes 1947 war für einige junge Männer Anlass, am 20. September in Hirschau eine Plattlergruppe ins Leben zu rufen. Gründungsmitglieder waren (nach mündlicher Überlieferung) Alfons und Wendelin Birner, Sepp Dolles, Emil Engelhardt, Hermine Siegert (Engelhardt), Frieda Staudigl (Duschner), Bert Forster, Max und Sepp Häusler, Ernst Kummer, Karl Mader, Lotte Meyer (Öhl), Berta Prößl (Mader), Fritz Streber, Hans Weich, Rosa (Kahrweg) und Schorsch Held. Letzterer leistete als Musikant dem Verein bis zu seinem Tod 1977 wertvolle Dienste.

Erste Versammlung

Sie alle gründeten die Volkstrachtengruppe Enzian und stellten den Lizenzantrag bei der US-Besatzungsmacht. Zu den Burschen gesellten sich bald ihre Herzensdamen und andere Moila. Als kommissarischer Vorsitzender fungierte Wendelin Birner. Als weitere Interessierte gewonnen wurden, fand am 20. Januar 1948 im Gasthof Böckl die erste Mitgliederversammlung statt. Dabei wurde Hans Wild zum Vorsitzenden gewählt. Im Februar 1948 schloss sich der Verein dem Gauverband Oberpfalz an. Man gab sich den Namen Heimat- und Trachtenverein Enzian. Die Mitglieder trugen die Miesbacher Tracht. Fortan war ein enormer Aufschwung zu verzeichnen.

Mit den Auftritten der Tanz- und Theatergruppen machte man sich einen Namen über die Stadtgrenzen hinaus. 1952 wurde eine Vereinsfahne angeschafft, am 5./6. Juni Fahnenweihe gefeiert. Fahnenbraut war Elsa Haberl (damals Merkl), Fahnenmutter Anni Lippert. Die Patenschaft übernahm der Heimat- und Trachtenverein Stamm Schwandorf.

Der Trachtlerball wurde über Jahre ein Höhepunkt des Hirschauer Faschings. Angesichts des aufstrebenden Fremdenverkehrs wurden für die Urlauber regelmäßig Heimatabende veranstaltet. Ende der 50er Jahre besann sich der Verein seiner Oberpfälzer Wurzeln und legte den Namen Enzian ab. Zugleich wurde eine heimatbezogene Kluft angeschafft. Die Gebirgstrachten landeten im Privatfundus der Besitzer.

Tracht erneuert

Ende der 70er-Jahre wurde diese durch die erneuerte Oberpfälzer Tracht ersetzt. Sie wird bis heute getragen. Das 40- und das 50-Jährige feierte man mit einem Gaufest, das 60-Jährige mit einem Oberpfälzer Abend im Josefshaus. 1986 übernahm man die Patenschaft für den Bruderverein Ehenbachtaler Schnaittenbach.

In den zurückliegenden Jahren engagierte sich der Verein für das Wiederbeleben alter Bräuche wie das Binden von Kräuterbuschen, die nach der Weihe an Mariä Himmelfahrt kostenlos verteilt werden. Die Kirwa haben die Trachtler zusammen mit dem TuS/WE bis 2008 neun Jahre lang organisiert. Von 2001 bis 2015 wurde auf deren Initiative die bis ins 18. Jahrhundert reichende Tradition der Wallfahrten zur Vierzehnnothelferkirche am Fest Mariä Heimsuchung wieder aufgenommen. Besonders engagieren sich die Trachtler seit 2001 alle Jahre für den Lebendigen Adventskalender.

Stolz auf Nachwuchsarbeit

Für die Führungsmannschaft um Vorsitzenden Michael Meier und Stellvertreter Gaston Lottner ist es selbstverständlich, sich bei örtlichen Festen einzubringen - egal ob diese weltlicher oder kirchlicher Natur sind. Stolz kann der Verein auf seine Nachwuchsarbeit sein. 1991 wurde die Jugendgruppe durch die Stadt für besondere Verdienste im kulturellen Bereich ausgestattet. Jüngstes Vereinskind ist die 2012 gegründete Zwergerlgruppe. Aktuell zählt der Verein etwa 180 Mitglieder.

Am Sonntag, 23. Juli, wird das 70-Jährige mit einem Gartenfestes ab 14.30 Uhr im Biergarten des Josefshauses gefeiert. Die Besucher erwarten Tanzdarbietungen der eigenen Kinder- und Jugendgruppen sowie Ehrentänze der Patenvereine Ehenbachtaler aus Schnaittenbach und Stamm aus Schwandorf.

Für weitere Unterhaltung ist die Zoigl-Musi zuständig. Gegen 16 Uhr erfolgt die Ehrung langjähriger Mitglieder. Drei davon werden für 50 Jahre Vereinstreue ausgezeichnet, zwei sogar für 70 Jahre. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Bevölkerung ist zum Mitfeiern eingeladen. Am Samstagabend, 22. Juli, wird bei einem Gottesdienst um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt der verstorbenen Mitglieder gedacht.

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