09.02.2018 - 18:54 Uhr
Hirschau

In den 1950-er Jahren sorgte die Narhalla Hirschau im Fasching für Furore Kaum zu glauben, aber wahr: Hirschau war einst Faschingshochburg

eine Stadt voller Faschingsmuffel? Viele Jahre schien es so. Doch seit 2015 rührt sich wieder etwas in der närrischen Zeit. Blickt man noch weiter zurück, stellt man sogar fest: Hirschau war weit vor dem Zweiten Weltkrieg eine echte Faschings-Hochburg.

1952 gab es in Hirschau den größten Faschingszug aller Zeiten. Das Foto zeigt den Elferrat mit der Prinzengarde. Vorne rechts: Prinz Hermann I. (Häckl).
von Werner SchulzProfil

Kindergarde, Kinderfaschingszug, Faschings-Warm-Up und GaMu-Ball heißen die zarten närrischen Pflänzchen der jüngeren Zeit - alle mehr oder weniger initiiert von Regina Merkl, einer gebürtigen Schmidmühlenerin. Ihre Großeltern brauchten in Sachen Fasching keine Nachhilfe aus dem Vilstal. Sie sorgten selbst dafür, dass in Hirschau zur fünften Jahreszeit ordentlich etwas los war.

Zuständig dafür war zuallererst die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die noch 1959/1960 dem Bund Deutscher Karneval angehörte, wie eine von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl ausgegrabene Mitgliedskarte beweist. Die Aktivität der Narhalla schildert ein Zeitungsbericht über die Inthronisation von Prinz Josef I. von der Hirschenau und Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Mariele 1953: "Frohe Stimmung lag über dem festlich geschmückten Löwenbräusaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war, als um 21 Uhr der Hofmarschall (Ali Lauber) mit seinen beiden niedlichen Pagen von der Menge jubelnd begrüßt und umgeben von seinem Ballett auf der Bühne in launigen Worten den Einzug der Tollitäten ankündigte. Angeführt von der Kommandeuse Anni (Uschold) kam im Paradeschritt die schneidige, quicklebendige Prinzengarde und wurde jubelnd mit dem Hirschauer Faschingsruf "Aha" begrüßt. Dann folgten das Prinzenpaar, begleitet von seinem originellen Hofnarren (Georg Tröster) und dem sich seiner Würde vollauf bewussten Elferrat."

Bereits 1925 ein Prinz

Die Hirschauer Faschingstradition - auch das förderte Sepp Strobl zutage - begann allerdings weit vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit Benedikt Herrneder gab es bereits 1925 einen Prinzen. Quellen belegen, dass dieses Amt 1939 sein späterer Schwiegersohn Richard Schertl innehatte und Herrneders Tochter Karolina seine Prinzessin war.

Nach dem Krieg bemühte sich der Gewerbeverein um eine Wiederbelebung. Benedikt Herrneder sorgte dafür, dass das närrische Leben wieder pulsierte. Er gehörte dem Elferrat der 1951 neu gegründeten Karnevalsgesellschaft Narhalla Hirschau an, dazu bekannte Persönlichkeiten wie Josef Dobmeyer, Hermann Häckl und Hermann Dorfner, im Volksmund Café-Heiner genannt. Die Präsidentschaft bestand aus den Herren Adam Ritter, Benedikt Herrneder und Andreas Amon. 1952 regierte Prinz Hermann I. (Hermann Häckl). Ein Aushängeschild der Narhalla waren die Gardemädchen. Sie feierten als Ballett große Erfolge. Am Faschingsdienstag sah Hirschau den größten Faschingszug seiner Geschichte. Firmen wie die Amberger Kaolinwerke und Gebrüder Dorfner waren maßgeblich am Bau der Umzugswägen beteiligt. Da waren beispielsweise AKW-Direktor Oskar Hallbauer, Karl Fleischmann, Sepp Birner und Rudl Kokott als Amerikaner im Jeep unterwegs.

1953 folgte Prinz Josef I. (Bäckermeister Josef Schneider) mit seiner Lieblichkeit Mariele Rösch (spätere Ehefrau) und 1954 Paul Zinner mit Anni Uschold (ebenfalls spätere Ehefrau). Als Gardemädchen waren von 1952 bis 1954 Hilde Würl, Rosi Sommer, Elfriede Häckl, Viktoria Heindl, Maria Heindl, Lydia Meier, Rosmarie Lehmann, Blanda Dorner, Emilie Demel, Hedwig Lippert, Luzie Rösch, Thekla Fischer, Elfriede Budewig und Gerlinde Ulbricht im Einsatz. Als Pagen fungierten die Schwestern Gertrud und Christa Schwab.

Die großen Bälle

Zu den großen Bällen im Löwenbräusaal fanden sich auswärtige Gardegruppen mit ihren Tollitäten ein. 1952 war der Hirschauer Prinz Hermann I. der einzige Junggeselle unter den fünf anwesenden Prinzenpaaren. Die Vereinsstatuten gestatteten es nicht, dass seine Prinzessin Elfriede, die aus Amberg war, mitmachen durfte. Die Aufstellung zu den Faschingszügen erfolgte meist im AKW und auf der unteren Mühle. Von dort aus ging es durch die Innenstadt und über die Burg- und Grundstraße zurück. An den Straßenrändern drängten sich Besucher aus nah und fern.

Das Ende der Bälle

In der Nach-Narhalla-Zeit erlebten die Faschingsbälle im Josefshaus in den 1970er- und 1980er-Jahren ihre Blütezeit. Ein Verein nach dem anderen lud dazu ein, entpuppten sich doch die Bälle als finanziell attraktiv für die Vereinskassen. Die Hirschauer gingen in Scharen als Maschkerer zu den fast ausnahmslos ausverkauften Veranstaltungen. Eine Ausnahme bildete der Kolpingsball. Er war der einzige in Schwarz-Weiß. Hohe Gema-Gebühren, immer teurer werdende Musikkapellen und das Nachlassen des Besuches führten dazu, dass die Vereine nach und nach die Faschingsbälle aus ihrem Programm strichen. Am 19. Februar 2007 - damals Rosenmontag - fand mit dem Sportlerball im Josefshaus der letzte von einem örtlichen Verein veranstaltete Faschingsball statt. Es dauerte zehn Jahre bis zum 4. Februar 2017, ehe Regina Merkl die Verantwortlichen des Musikzugs überzeugte, die Balltradition mit dem GaMu-Ball neu zu beleben. (u)

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