27.02.2018 - 14:44 Uhr
Hirschau

Mundarttag des Landkreises Amberg-Sulzbach "Sprecht Mundart miteinander"

Das "ou" gehört zur Oberpfalz wie das Weihwasser in die Kirche. Mundart leben und auch sprechen soll wieder zum guten Ton gehören: Im Amberg-Sulzbacher Land ist das der Fall - das zeigte der Mundarttag des Landkreises in Hirschau. Verbunden mit einem Plädoyer, es auch weiter so zu halten.

Kreisheimatpflegerin Martha Pruy: "Steht zu eurer Mundart, denn sie ist ein kostbares Kulturgut, dessen Wert erhalten werden muss."
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Kreisheimatpflegerin Martha Pruy hatte mit der Volkshochschule und in Zusammenarbeit mit den Oberpfälzer Volksmusikfreunden in den Schlosskeller geladen. Das Motto lautete: "Wer a Böichl schreibt, der bleibt!" Der altehrwürdige Keller des Dorfner-Schlosswirtshauses war komplett ausgebucht, als Pruy die Gäste ermunterte: "Lusts aaf, dassts höiards, wos dou gsagd wird. Und dann song kinnz, üwa wos gred worn is, dou in Hirschau." Passend zum Motto waren die Mundartautoren Dieter Radl (Sulzbach-Rosenberg), Georg Wagner (Mimbach) und Hans Meindl (Hirschau) gekommen, um mit zwei jeweils gut 10- bis 15-minütigen Lesungen Einblicke in ihre Mundart zu geben. Radl las hierzu aus seinem 2017 erschienenen Werk "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is", Wagner, auch bekannt als der Sandreng Schore, aus "Is wöis moch". Des Werks des 1996 verstorbenen Hirschauer Mundartdichters Bepp Dietz "Es is ja niad, dass ma red" nahm sich Hans Meindl an.

So ermöglichten die Lesungen einen breiten Einblick in die Varianten des Oberpfälzischen. Es kommt nämlich schon im Landkreis Amberg-Sulzbach in sehr unterschiedlichen Ausprägungen vor. In den Beiträgen wurden die feinen Unterschiede in der Aussprache hörbar. Dieter Radl vertrat den westlichen Landkreis. Die Texte aus seiner Feder verdeutlichen den sprachlichen Einfluss durch die Nähe zu Franken. Dies betrifft Sulzbach-Rosenberg und das Juragebiet. Anders hört sich die Lautbetonung in den Beiträgen vom Sandreng Schore und Bepp Dietz an. Es handelt sich hier weitläufig um die Naabtaler Mundart, die aber ebenfalls immer wieder Unterschiede von Ort zu Ort aufweist.

Für alle drei galt dennoch Pruys Aufforderung: "Sagts, wosts zren hats. Damit ma wissen, wosts zum song hats. Und niad song kinnts, ihr häids wos song kinna. Owa koina hod gsagd, ihr sollts wos song." Neben den Lesungen ging auch Martha Pruy mit dem Publikum auf den heimatlichen Dialekt ein - in Mundart-Ausdrücken, Sprüchen und ihrer Deutung oder auch in Vierzeilern. Hier war unter anderem zu erfahren, dass Kinder, die Dialekt sprechen, in Schulaufsätzen 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler machen. Das sei so zumindest in der Apotheken-Rundschau zu lesen gewesen, ließ Pruy augenzwinkernd wissen.

Ganz ernst gemeint waren ihre abschließenden Worte: "Die Kreisheimatpflege und die Volkshochschule haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Wert unserer Mundart zu unterstreichen und zu werben: Sprecht miteinander in der Familie, mit den Kindern, Mundart. Gebt diese dadurch weiter, steht zu eurer Mundart - denn sie ist ein kostbares Kulturgut, dessen Wert erhalten werden muss."

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