Proben für "Pettersson und Findus" beginnen
Statt Geierwally nun Chickendales

Kultur
Hirschau
22.04.2009
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Caruso drückt der Schuh. In den Reitstiefeln, die sich Stefan Reindl, der Spielleiter der Freilichtbühne am Buchberg, für seine Rolle als singender Hahn ausgeliehen hat, hält er es nur wenige Minuten lang aus: Der Schaft ist zu eng. Und so wird der Fototermin vor der ersten Probe zum neuen Buchberg-Stück "Pettersson und Findus" zur Belastungsprobe für Reindls geknebelte Wadln.

Spaß muss sein, auch wenn der Schnaittenbacher Theaterverein an diesem Tag ernsthaft in seine Proben für die neue Saison auf der Buchbergbühne einsteigt. Klar, dass sich der Spielleiter im Gockel-Gewand einige ironische Sprüche anhören muss. Die gelten allerdings weniger seinen Wadln, als seinem Kopfputz.

Seine Hühner sind nicht zufrieden mit seiner schwarzen Lockenperücke. Es braucht eine ordnende weibliche Hand, damit sie richtig sitzt und ein paar dicke Striche mit der Mascarabürste, um den Blick des stolzen Gockels zu schärfen. Da lachen ja die Hühner, sagt der Volksmund gerne. Auf dem Gartengrundstück in Hirschau, wo die erste Probe über die - noch nicht vorhandene - Bühne geht, tun sie es wirklich: Zu genial-komisch sind die Kostüme, die sich die Buchbergtruppe bei einem Workshop-Wochenende ausgedacht hat. Nach ihrem Erfolg mit der "Geierwally" schickt sie heuer die "Chickendales" auf die Bühne.

Perlhuhn trifft Rockerhuhn

Die gackernde Truppe präsentiert sich in knallgelben Strumpfhosen, mit einem üppigen weißen Federpo (der eigentlich ein Flokati ist), Handtäschchen (die Eier müssen ja auch irgendwo hin) und den jeweils zum Typ passenden Accessoires. Die Buchberg-Hühner sind nämlich - anders als in den Pettersson-Büchern - alle eigene Persönlichkeiten.
Zum Oberhuhn mit dem Ton angebenden knallroten Oberteil gesellen sich ein dialektsicheres Bayernhuhn, ein schmuckes Perlhuhn, ein mondänes Leopardenhuhn, ein flottes Sporthuhn und ein cooles Rockerhuhn. Alle zusammen kämpfen noch mit den falschen Wimpern, die ihr Bühnenoutfit komplettieren. Aber was tut man sich nicht alles an für die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Bretter auf Petterssons Hof - etwa das, das die Hühner zum Frühsport hinunterrutschen - existieren momentan nur in den Köpfen der Darsteller. Genauso wie die anderen Requisiten und Bühnenaufbauten, die erst noch gebastelt werden müssen. Aber sie werden zum Auftakt der Proben auch noch nicht gebraucht.

Zunächst geht es darum, den einzelnen Szenen einen Grobschliff zu geben, der dann in den nächsten Wochen Schritt für Schritt verfeinert wird: Zwei- bis dreimal pro Woche probt die Truppe ab sofort, schließlich wird die Zeit bis zur ersten Vorstellung Ende Mai langsam knapp.

Linedance auf dem Mist


Hausaufgaben verteilt der Spielleiter auch gleich. Die Tierdarsteller, allen voran die Hühner, sollen die Bewegungsmuster ihrer Vorbilder genau anschauen: Wie genau also "geht so a Huhn übers Henna-Bredl"? Zweimal ist die erste Szene inzwischen durchgespielt, das gebetsmühlenartige "Ne, ne, ne, dieser Pettersson" von Nachbar Gustavsson hat sich schon als Ohrwurm festgesetzt. Stefan Reindl ist zufrieden. "Fürs erste Mal: das war gut! Noch nicht aufführungsreif, aber gut."

Zum Schluss zeigen die Hühner noch eine ihrer Paradeszenen - ihren Tanz. Kid Rock würde diese Version seines Hits "All summer long" sicher gefallen: Oberpfalz goes Country - Linedance auf dem Misthaufen. Und der gute alte Ententanz ist damit wohl endgültig abgehakt.
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