27.08.2014 - 00:00 Uhr
HirschauOberpfalz

Franz Weih zeichnete 1917/18 die Front als Stillleben Krieg ohne Menschen

Dieser Pfeifenkopf dürfte einen französischen Soldaten darstellen. Zumindest trug man von 1914 bis 1918 in der französischen Armee solche Mützen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wer Fotos aus dem Ersten Weltkrieg im Familienalbum hat, sieht darauf oft einen jungen Mann in Uniform und mehr oder weniger vollständiger Ausrüstung, der ernst in die Kamera schaut. Häufig ist es eine Aufnahme im Studio, die nichts vom eigentlichen Kriegsgeschehen vermittelt und genau so auch in Friedenszeiten entstanden wäre.

Die Bilder, die der Hirschauer Keramikmaler Franz Weih von seinem Einsatz an der Westfront in den Jahren 1917 und 1918 angefertigt hat, transportieren auf den ersten Blick ebenfalls nichts vom Kriegserlebnis. Sie zeigen zwar Schützengräben, Unterstände, deutsche Frontlager, aber keine Soldaten. Sie sind vollkommen unbelebt. Wo die Natur mit ins Bild kommt, könnte man die Zeichnungen fast idyllisch nennen, wenn nicht die Durchdringung der Wälder und Hügel mit menschlichen Kriegs-Bauwerken ihren eigenen Schrecken verbreiten würde.

Der Schütze Franz Weih (1891-1957) war in der 1. Maschinen-Gewehr-Kompanie des 3. Ersatz-Infanterie-Regiments eingesetzt. Es gehörte zur 9. Königlich Bayerischen Reserve-Infanterie-Division. Dieser Großverband kämpfte Anfang 1917 in der Schlacht an der Aisne zwischen Soissons und Reims. Später war er bei Stellungskämpfen in Lothringen dabei, in der Dritten Flandernschlacht und Ende 1917 in der Schlacht von Cambrai, wo die überraschend schnell vorrückenden britischen Panzer die Deutschen in die Flucht trieben.

Von Beruf Keramikmaler

Die Heimkehr von Franz Weih aus dem Krieg im Januar 1919 würdigte die Stadt Hirschau mit einer Urkunde für den "treuen und tapferen Mitkämpfer" mitsamt "Segenswunsch zu Fried und Glück auf heimatlichem Boden". Weih arbeitete in der Hirschauer Keramikfabrik weiter und brachte es bis zum Obermaler. "Wenn Vereine oder die Stadt besonders schöne Urkunden brauchten, kamen sie immer zu Franz Weih", hat Stadtheimatpfleger Sepp Strobl herausgefunden.

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