28.04.2005 - 00:00 Uhr
HirschauOberpfalz

Führung durch Geschichte und zu historischen Gebäuden der Stadt Hirschau - Viele Höhen und ... Erstes "Stückl": Rathaus zu groß gebaut

Einen tiefen Einblick in die Geschichte der Stadt mit all ihren Höhen und Tiefen und in deren bedeutenste Gebäude gab eine Stadtführung durch die Kaolinstadt Hirschau.

von Adele SchützProfil

Im Rahmen dieser Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach vermittelte der Stadtführer Josef Eckert den Teilnehmer der Führung die geschichtlichen Daten und Fakten der "Stadt der weißen Erde", die er mit heiteren Anekdoten aus der damaligen Zeit und mit zahlreichen Anmerkungen würzte.

Eine Glanzzeit erlebte die Stadt, die zum ersten Mal 1271 urkundlich erwähnt wurde, von 1353 bis 1373, als sie zu Neuböhmen gehörte. Der große Wohlstand war Kaiser Karl IV. zu verdanken, der die damalige Siedlung zur Stadt erhob. Das Kontrastprogramm war der 30-jährige Krieg, bei dem Hirschau häufig geplündert wurde, da die "Goldene Straße" nicht nur bedeutende Handelsstraße, sondern auch die wichtigste Heerstraße war. Zu dieser wirtschaftlichen Misere kam noch die Pest hinzu, so dass Hirschau im Jahre 1636 nur noch 80 Bürger zählte.

Heute ist die Stadt ein wichtiger Industrieort, was dem unermüdlichem Einsatz der Familie Dorfner mit zuzuschreiben ist, die sich im 18. Jahrhundert hier ansiedelte und mit einer Ziegelhütte, einer Brauerei und später einer Steingutfabrik für Arbeitsplätze sorgte. Georg Schiffer war Mitbegründer der AKW-Werke, die mit dem Abbau und der Verarbeitung von Kaolin und Quarzsand zahlreiche Arbeitsplätze und einen Aufschwung für die Stadt brachten.

Die wichtigsten Etappen bei der Stadtführung waren das gotische Rathaus, das Pflegschloss und die Stadtpfarrkirche. "Das Rathaus war wohl eines der ersten Hirschauer Stückl, denn es wurde zu groß gebaut", vermutete Josef Eckert. So sei nur das Obergeschoss für die Verwaltung genutzt worden, das bis in das 19. Jahrhundert durch eine Freitreppe von außen zu erreichen gewesen sei. Das Untergeschoss habe der Feuerwehr als Geräteraum gedient und einen Kleinbauernhof, zwei Arrestzellen und einen Handelsplatz für Fleisch und Brot beherbergt. Einmalig in seiner Art in der Oberpfalz sei der mehrstöckige Dachstuhl des Hirschauer Rathauses, das im 15. Jahrhundert erbaut worden sei.

Der nächste Anlaufpunkt der Führung war das Pflegschloss, das im 14. Jahrhundert erbaut wurde und wohl der Ursprung von Hirschau war. Nach einem verheerenden Brand im 15. Jahrhundert musste das Schloss fast neu aufgebaut werden, was unter der Leitung des bekannten Meisters Erhard Paur aus Eger geschah. Es diente fast 500 Jahre den herzoglichen Beamten als Amtsgebäude. Das Pflegamt wurde 1790 aufgehoben und die Familie Dorfner kaufte und gestaltete durch zahlreiche Um- und Neubauten das Schlossareal nach ihren Bedürfnissen.

Weiter ging die Führung zur Stadtpfarrkirche, deren ältester Teil der Chor aus dem 15. Jahrhundert ist. Von der ursprünglichen Kirchenanlage aus der Pfarreigründung gibt es keine Überreste mehr. Das Langhaus wurde im neugotischen Stil in der jetzigen Form im 19. Jahrhundert errichtet, der barocke Turm im 18. Jahrhundert. "Diese Kirche ist ein Beispiel, wie neu- und spätgotische und barocke Elemente harmonisch vereint werden können", erklärte Eckert. Was die Innenausstattung der Kirche betrifft, hätten die Wirren der Geschichte nicht viel an alter Kunst hinterlassen.

Zum Abschluss wies Josef Eckert noch auf zwei Denkmal geschützte Häuser hin, das "Röschenhaus" mit dem Wappenstein, auf dem der doppelgeschwänzte böhmische Löwe prangt, und auf die älteste "Taverne" der Stadt, den "Hirschenwirt", die wohl schon bei der Gründung der Stadt entstanden ist.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.