27.06.2006 - 00:00 Uhr
HirschauOberpfalz

Zum Patrozinium der Hirschauer Vierzehnnothelferkirche am Freitag Wallfahrt - Prozession, Messe Ein Kleinod unter den Sakralbauten

Sie gilt als Kleinod unter den Sakralbauten in der Stadtgemeinde Hirschau und Kunstkenner stufen ihren Hochaltar als Meisterwerk der Akanthus-Schnitzerei ein - die Vierzehnnothelfer-Kirche. Vor der Reformationszeit bis in das 18. Jahrhundert hinein war das Gotteshaus eine viel besuchte Wallfahrtskirche.

von Werner SchulzProfil

Vor allem an ihrem Patroziniumstag, dem Fest "Maria Heimsuchung" (2. Juli), an dem die Christen an die Begegnung von Maria mit Elisabeth erinnern, strömten die Pilger in großen Scharen zu dem spätgotischen Kirchlein.

Am Freitag, 30. Juni, findet im Vorgriff auf das zwei Tage später zu feiernde Patrozinium die über viele Jahrzehnte unterbrochene und vor fünf Jahren wieder aufgenommene Wallfahrtstradition ihre Fortsetzung. Die Initiative zur Wiederaufnahme der Prozessionen war vom Heimat- und Trachtenverein und seiner damaligen stellvertretenden Vorsitzenden Brunhilde Fehlner ausgegangen.

Für verstorbene Mitglieder

Für Freitag sind alle Pfarrangehörigen, insbesondere auch die Abordnungen der kirchlichen und weltlichen Vereine, eingeladen, an der um 19.15 Uhr am Bischof-Bösl-Platz beginnenden Prozession zur Vierzehnnothelferkirche und am anschließenden Festgottesdienst teilzunehmen. Die musikalische Gestaltung der Messfeier übernimmt die Jugend-Saitenmusikgruppe des Heimat- und Trachtenvereins unter Leitung von Andreas Krös. Die Messe wird für die verstorbenen Trachtenvereinsmitglieder aufgeopfert.

Die Anfänge der Vierzehnnothelferkirche, die auf einer Anhöhe neben der Kreisstraße nach Ehenfeld an der Westseite des Friedhofs steht, gehen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Kirchleins stammt aus dem Jahr 1522. Seine heutige Gestalt dürfte es Ende des 17. Jahrhunderts erhalten haben. Der Turm wurde 1884 erbaut. Die Jahrhunderte währende Bedeutung als Wallfahrtskirche wird aus den Zeilen deutlich, die der Stifter des Altars, der "Ungelts-, Gegen- und Stadtschreiber" Johann Jakob Weinzierl, an den Altarschöpfer, den Amberger Bildhauer Johann Hirschl im Jahr 1711 schrieb: "Weillen darinnen ein alter und schlechter Altar dazumal sich befand und gleichwohl sonderliche Devotion von den Leuten zu ermelten Heiligen (also den 14 Nothelfern) getragen wird, inmassen jährlich am Fest Unser Frauen Heimsuchung darinnen vollkommener Ablaß zu gewinnen, verschiedene Herren Geistliche proceßionaliter dahin kommen und gemeininglich zu 1200 bis 1300 Communikanten gezählt werden."

Wertvollstes Stück der Inneneinrichtung ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710. Im Rankenwerk, das - einer Ikonostase (Bilderwand) vergleichbar - die gesamte Ostwand einnimmt, sind 18 Figuren: die 14 Nothelfer in zwei Siebenergruppen, zusätzlich Maria als Patronin sowie die Heiligen Florian, Rochus und Sebastian.

Entwendete Figuren

Da bis heute die 1972 gestohlene Eustachius-Figur nicht wieder aufgetaucht ist, genauso wie die damals entwendeten Engelköpfe mit Blattwerken an den Türen und die an der Kanzel angebrachten Evangelisten sowie der lehrende Heiland, mussten die Figuren neu gestaltet werden. Die ursprünglich leeren Nischen im Altarraum wurden im Rahmen der vom damaligen Stadtpfarrer Edwin Völkl initiierten Renovierung 1984 mit dem hl. Franz von Assisi und 1988 mit den Figuren der Mutter Theresia von Jesu Gerhardinger und der hl. Elisabeth, gestiftet vom Frauenbund, aufgefüllt.

Auch die Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Emporenbrüstung mit den originalen Ölbildern der zwölf Apostel, Christus als Salvator sowie Maria und Paulus ist von besonderem Wert. Ein wahres Schmuckstück ist schließlich die noch im Original erhaltene, 1769 von Josef Adam Funtsch aus Amberg erbaute Orgel, die zu den bedeutendsten historischen Werken in der Oberpfalz zählt.

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