Hirschau seit 1. Januar ein eigener Standort
Notarzt startet mit alkoholfreiem Sekt

Dass es seit 1. Januar in Hirschau einen eigenen Notarzt-Standort gibt, freut die Vertreter des Bayerischen Roten Kreuzes, des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, die Politik und die Ärzteschaft. Bild: Steinbacher
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Hirschau
12.01.2017
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Am 1. Januar ist der Startschuss gefallen. Zur Feier des Tages gab es Sekt, alkoholfreien natürlich. Schließlich mussten der Notarzt und sein Fahrer ab 7 Uhr parat stehen für eventuelle Einsätze. Seitdem rückte das Team schon 20 Mal aus - dies belegt, dass der Bedarf für einen Standort in Hirschau gegeben ist.

Rüdiger Schnappauf war am 1. Januar um 7 Uhr zu der von ihm geleiteten BRK-Rettungswache in Hirschau gekommen und hatte alkoholfreien Sekt zum Anstoßen auf den ersten Tag des neuen Notarzt-Dienstes in der Kaolinstadt mitgebracht. Denn um diese Zeit begann die Schicht des eingeteilten Notfallmediziners, die erste überhaupt am Standort. Schnappauf, sein Stellvertreter Ulrich Gerlach, aber auch Verantwortliche des BRK und des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) sind froh, dass Hirschau seit Jahresanfang ein eigener Notarzt-Standort ist. Sie, aber auch die Bürgermeister Hermann Falk (Hirschau) und Sepp Reindl (Schnaittenbach) stießen nun nochmals mit Schaumwein auf den Start an.

Bislang schon 20 Einsätze

Dass es bislang schon 20 Notarzt-Einsätze waren, verdeutlicht, wie groß der Bedarf für die Region schließlich doch ist. Bisher war es so, dass auf der Wache ein Rettungswagen stationiert war, an 365 Tagen rund um die Uhr.

War ein Notarzt in der Region erforderlich, rückte dieser aus Amberg, Sulzbach-Rosenberg oder dem Weidener beziehungsweise Nabburger Bereich an. Mitunter kam auch der Rettungshubschrauber Christoph 80 aus Weiden-Latsch. Sehr häufig fuhr auch Dr. Christian Wolf als Außenarzt zu Einsätzen im Raum Hirschau/Schnaittenbach. Als dieser all die Einsätze, die er neben seiner Praxis in Schnaittenbach zu jeder Tages- und Nachtzeit absolvierte, nicht mehr leisten konnte, gab es Handlungsbedarf.

Laut BRK-Kreisgeschäftsführer Björn Heinrich hatten die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) in einer Analyse festgestellt, dass ein eigener Notarzt-Standort für den Bereich erforderlich wäre. Die drei Mediziner und der ZRF schafften es, dass dieser Bedarf anerkannt wurde. Mitte vergangenen Jahres schrieb der ZRF den Standort aus. Den Zuschlag bekam das BRK, worüber sich Heinrich sehr freute. "Das passt wunderbar zu unserer Rettungswache."

Das BRK stellt die Räume und das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) samt Fahrer. "Hier haben wir ja schon die Infrastruktur", erklärte Heinrich. Trotzdem waren kleinere Umbaumaßnahmen auf der Wache notwendig, geschaffen werden mussten Zimmer für Notarzt und NEF-Fahrer.

Heinrich freute sich, dass all dies so reibungslos funktioniert habe. Stellvertretender Wachleiter Ulrich Gerlach dankte in diesem Zusammenhang örtlichen Handwerkern. Ohne ihr Engagement wäre es nicht so schnell gegangen, betonte er. Bürgermeister Hermann Falk ist sehr froh, dass in seiner Stadt jetzt ein Notarzt-Standort ist. "Wer schon einmal einen Notarzt gebraucht hat, weiß, dass eine Minute eine gefühlte Stunde ist", sagte er. Dass seit 1. Januar schon 20 Notarzt-Einsätze waren, "zeigt, dass der Bedarf da ist".

In den Dienst integriert

Dr. Christian Wolf aus Schnaittenbach berichtete, dass er über 15 Jahre als Außenarzt für diesen Bereich tätig war. "Ich bin täglich, aber auch nachts sowie an Sonn- und Feiertagen gefahren", erklärte er und betonte gleichzeitig, dass er dies zusätzlich zu seiner Praxis nicht mehr habe leisten können. Er ist vorläufiger Sprecher der Notärzte, die am Hirschauer Standort tätig sind, und in den Dienst integriert. "Da mache ich auch gerne mit", unterstrich er.

Björn Heinrich kündigte an, dass eine weitere Investition nächste Woche noch anstehe: Die alten manuellen Falttore der Fahrzeug-Garage werden durch elektrische Rolltore ersetzt. "Dann sind wir da auch auf dem neuesten Stand der Technik", freute sich der Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes. (Hintergrund)

Der Telenotarzt ist ZukunftsmusikWie rasant die Entwicklung im Rettungswesen ist, weiß Ulrich Gerlach wohl am besten. Im vergangenen Jahr hatte der stellvertretende Leiter der Hirschauer BRK-Rettungswache 40-jähriges Dienstjubiläum.

Bei der kleinen Feierstunde zum Start des Hirschauer Notarztstandortes erinnerte er sich an die Anfänge zurück. "Unser erstes Auto war ein Krankentransporter", der lediglich mit einem Verbandskoffer und einer Sauerstoffflasche ausgestattet war. "Sauerstoff kam raus, aber man wusste nie, wie viel." Notarzt Dr. Christian Wolf führte noch einen wichtigen Ausrüstungsgegenstand an: ein Brecheisen. "Damit haben wir bei Unfällen die Autos selbst aufgemacht", erklärte er. Wenig Sinn hätte es zur damaligen Zeit gehabt, die Feuerwehr zu alarmieren. "Die hatte nämlich auch kein anderes Gerät als wir", sagte Gerlach.

Gemessen an diesen Zeiten, sei die heutige Ausstattung "ein Traum für jeden, der im Rettungsdienst arbeitet". Als Beispiel führte Gerlach an, dass ein EKG am Notfallort geschrieben werden kann. Mehr noch: "Per Telemedizin wird das EKG ins Amberger Klinikum übertragen", ergänzte stellvertretender Rettungdienstleiter Erwin Gräml. "Und heutzutage spricht man bereits über den Telenotarzt." (san)


Wer schon einmal einen Notarzt gebraucht hat, weiß, dass eine Minute eine gefühlte Stunde ist.Bürgermeister Hermann Falk
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