08.09.2017 - 15:34 Uhr
HirschauOberpfalz

Mit Kirwa 168. Weihetag der Hirschauer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gefeiert Sehr schlanke elf Meter

Eine Kirwa ohne Paare und Baumaustanzen - dass das geht, bewiesen erneut die Hirschauer. Zwei Tage lang stand die Kaolinstadt im Zeichen dieses Brauchtumsfestes, das Festspielverein, Musikzug und Pfarrgemeinderat gemeinsam organisierten.

Die Heldenstammtisch-Darsteller des Festspielvereins hievten den elf Meter hohen, sehr schlanken Kirwabaum am Samstagnachmittag im Schlosshof in die Senkrechte. V. l.: Alexander Götz, Ludwig Koller, Chef-Organisator Christian Gnan, Erhard Ackermann, Altbürgermeister Hans Drexler, Fritz Dobmeyer und Musikzug-Vorstand Maximilian Stein.
von Werner SchulzProfil

Die Hirschauer Kirwa gehört zu den Kirchweihfesten, deren Termin einen historischen Bezug zur tatsächlichen Weihe ihres Gotteshauses, der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, hat. Sie wurde 1848 nach einer grundlegenden Sanierung am Sonntag vor dem Fest Mariä Geburt, dem ersten Sonntag im September, wieder eingeweiht. Mit der Kirwa wurde somit zugleich der 168. Weihetag der Pfarrkirche gefeiert.

Aufsteller regnet es an

Los ging das Fest mit dem Aufstellen des Kirwabaums im Schlosshof. Die Wetterprognosen hatten für den Auftakt wie das Festwochenende überhaupt nichts allzu Gutes erwarten lassen. Tatsächlich öffnete der Himmel seine Schleusen, als sich die Heldenstammtisch-Darsteller des Festspielvereins unter dem Kommando von Chef-Organisator Christian Gnan daran machten, den elf Meter hohen, sehr schlanken Baum in die Senkrechte zu hieven.

Altbürgermeister Hans Drexler hatte dem Kirwasymbol mit den Inbesitznahmetafeln des vergangenen Festspielstücks einen außergewöhnlichen, originellen Schmuck verpasst. Die kühlen Temperaturen verhinderten zwar einen ganz großen Besucherandrang. Im beheizten Festzelt tat dies der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Dafür sorgten schon die acht Musikanten der Gruppe Jedsmal anerschd mit ihrer bodenständigen Musik.

Am Sonntagvormittag ging es per Kirchenzug, angeführt vom Musikzug, vom Schlosshof aus zur Pfarrkirche. Als Zelebranten standen der Ehenfelder Ruhestandspfarrer Konrad Kummer und Diakon Richard Sellmeyer am Altar. Er stellte den lateinischen Spruch "Si tacuisses, philosophus manisses" ("hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben") in den Mittelpunkt seiner Predigt. Es scheine, dass ein Christ mittlerweile schon etwas Mut brauche, wenn er in der Öffentlichkeit vor dem Essen ein Kreuzzeichen macht. Gläubige Menschen müssten mutig sein, Anfeindungen zu widerstehen und Parolen oder Pauschalverunglimpfungen entgegenzutreten. Schweigen signalisiere doch Zustimmung.

In Biedermeierkostümen

Angeführt vom Musikzug ging es nach dem Gottesdienst zum Schlosshof. In den Festzug hatten sich einige Vereine mit ihren Fahnenabordnungen eingereiht. Besonderer Blickfang waren die Mitglieder des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen. Bei herrlichem Sonnenschein sorgten die Pfarrgemeinderatsmitglieder dafür, dass sich die Gäste beim Frühschoppen ihre Weißwürste und Brezen und eine kühle Halbe schmecken lassen konnten, dies alles zu den schmissigen Klängen des Musikzugs.

Am frühen Nachmittag wollte der Wettergott den Kirwabegeisterten zunächst mit einem Regenschauer ein Schnippchen schlagen. Der befürchtete Dauerregen blieb aber aus, es zeigte sich sogar zeitweise die Sonne. So konnten sich die Veranstalter bis in die frühen Abendstunden über einen guten Besuch freuen. Dann sorgte nicht zuletzt das Kanzlerkandidaten-Duell dafür, dass sich Festplatz und Zelt langsam aber sicher leerten.

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