10.04.2018 - 15:36 Uhr
HirschauOberpfalz

Obst- und Gartenbauverein Hirschau feiert Jubiläum Mit 100 in voller Blüte

Aus der Not heraus geboren, feiert der Obst- und Gartenbauverein Hirschau 100-jähriges Bestehen. Bei dem Festakt wird die Gemeinschaft mit Lob geradezu überhäuft.

Wolfram Vaitl (links), Präsident des Bayerischen Landesverbands für Gartenbau und Landespflege, Kreisvorsitzender und Landrat Richard Reisinger (Zweiter von links), Bürgermeister Hermann Falk und Karl Schwinger (von rechts), der vor 50 Jahren Ortsvorsitzender gewesen ist, beglückwünschen den Obst-und Gartenbauverein Hirschau mit seinem Vorsitzenden Roland Maier (Mitte) zum 100. Geburtstag. Bild: fg
von Autor FGProfil

Auf den Tag genau vor 100 Jahren gegründet, beging der Verein seinen runden Geburtstag im vom Vorstand wunderschön geschmückten Saal des Josefshauses. Am 7. April 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, als die Not am größten war, taten sich Idealisten zusammen. Neben dem geselligen Aspekt war es damals ein Ziel, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Diese Ausrichtung habe sich inzwischen mehrfach geändert, stellte der Präsident des Bayerischen Landesverbands für Gartenbau und Landespflege, Wolfram Vaitl, in seinem Grußwort fest.

Den Auftakt des Festabends bildete ein Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche. Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann wies auf die Schöpfung hin und forderte Vertrauen in Gott, der wachsen und gedeihen lasse. "Der Mensch soll die Natur als Geschenk Gottes achten und bewahren", appellierte er. Der weltliche Teil startete mit Sekt und einem Imbiss, umrahmt von der Bläsergruppe des Musikzugs unter Leitung von Jürgen Enderer.

Beim Festakt galt ein besonderer Gruß Karl Schwinger, der von 1963 bis 1975 als Vorsitzender den Verein geführt und 1968 die 50-Jahr-Feier organisiert hatte. Landrat Richard Reisinger war in Doppelfunktion da: als Politiker aber auch als Kreisvorsitzender des Verbandes für Gartenbau und Landespflege. Als Zielsetzung der Gartenbauvereine in der heutigen Zeit sah er die Nachhaltigkeit und das Schaffen von Nischen für bedrohte Arten an, beispielhaft nannte er Bienen und Insekten. Die Politik sei der Initiative für die Natur zu großem Dank verpflichtet.

Bürgermeister Hermann Falk bezeichnete die Natur als kleines Paradies. Eigene Früchte zu ernten, sei eine Freude. Die Öffnung zur Natur und den Mitmenschen im gut funktionierenden Vereinsleben sei ein Gewinn für die Kommune. Trotz der 100 Jahre könne man beim Obst-und Gartenbauverein keinerlei Müdigkeitserscheinungen erkennen. Mit Ideen Tatkraft und Durchhaltevermögen belebe der Verein die Stadt.

Laut Landesverbandspräsident Wolfram Vaitl hat sich das Profil des Verbandes geändert. Vor 100 Jahren auch aus der Not heraus entstanden, schienen nach der Blüte in den 60er-Jahren Balkonien und Gartenzwerge vorübergehend attraktiver. Derzeit gehe es darum, um die junge Generation zu werben und das Problem der Überalterung in den Griff zu bekommen. Der Landesverband mit seinen über 540 000 Mitgliedern verstehe sich als einer der großen Umweltverbände. Wichtiges Ziel sei es, vor Ort Schutzzonen zu schaffen. Mit dem neuen staatlichen Programm "Bayern blüht" wolle man Perspektiven für naturnahes Gärtnern aufzeigen. "Da ist nicht der aufgeräumte Garten gefragt - auch Totholz und Rückzugsorte haben ihre Berechtigung", betonte er.

Vorsitzender Roland Maier freute sich über die Geld- und Baumgeschenke auch des Nachbarvereins Ehenfeld.

Vielfältig engagiert

In seiner humorigen Art blickte Ortsheimatpfleger Sepp Strobl bei der Jubiläumsfeier in die Chronik des Obst- und Gartenbauvereins Hirschau. Gründungsvorsitzender war Oberlehrer Max Fritsch.

Vor dem Zweiten Weltkrieg 1936 zählte der Verein 59 Mitglieder. In dieser Zeit war er aufgerufen, an der "Erzeugungsschlacht" teilzunehmen: Die Nationalsozialisten wollten Deutschland möglichst unabhängig von Importen machen. 1949 wurde die Obstverwertung gegründet, die sich bis 1959 zur modernsten Saftpresse im Landkreis mit bis zu 15 000 abgefüllten Flaschen im Jahr entwickelte. Zur Obst- und Bienenausstellung 1958 strömten laut Lokalreporter Sepp Müller Anderl um die 3000 Besucher in die Kaolinstadt. Der sommerlich Blumenball im toll geschmückten Saal des Josefshauses war lange Jahre eine Attraktion in Hirschau.

Die Vereinsprogramme beinhalteten neben fachlichen Themen wie Baumschneidekursen auch Ausflüge oder Angebote für Kinder im Ferienprogramm. Aber auch der Einsatz für die Natur in der Kommune kam nicht zu kurz. Den Parkplatz des Sportparks bestückte der Verein mit über 20 Bäumen, die inzwischen eine stattliche Größe erreicht haben. Und auch den Schulgarten unterstützte man mit dem Bau von Hochbeeten.

Seit vielen Jahren hat der Obst- und Gartenbauverein sein Domizil im Obstverwertungsstadel Richtung Monte Kaolino. (fg)

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