Meldung der "Welt"
Conrad prüft offenbar Verkauf

Laut "Welt" sucht Conrad einen Käufer. Hier die Filiale in Wernberg. Bild: Gerhard Götz
Wirtschaft
Hirschau
28.06.2017
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Die Nachricht klingt unfassbar: Conrad Electronic, eines der unternehmerischen Flaggschiffe der modernen Oberpfalz, soll verkauft werden. Dies berichtet die Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Freitagsausgabe.

Hirschau/Weiden. Wie "Die Welt" versichert, "sucht das Frankfurter Bankhaus Metzler einen Käufer". Die Unternehmenssprecherin von Conrad Electronic, Margit Dellian, dementierte auf Nachfrage unserer Redaktion diese Meldung nicht, stellte jedoch am frühen Abend klar: "Conrad überprüft regelmäßig seine Strategie, u. a. auch hinsichtlich strategischer Partnerschaften, Zukäufen, Erweiterung des Gesellschafterkreises oder Börsenfähigkeit. Natürlich werden diese Optionen auch mit Externen auf Machbarkeit besprochen. Es ist bedauerlich, wenn vertrauliche Gesprächsinhalte in die Öffentlichkeit gelangen, zumal diese Gespräche bereits beendet sind."

Das Bankhaus Metzler ließ am Mittwoch knapp verlauten: "Leider können wir Ihre Anfrage nicht kommentieren." Conrad Electronic SE versteht sich als "der führende online-zentrierte Omnichannel-Anbieter für elektronische und technische Produkte". Der Versender (rund 2200 Mitarbeiter) erzielte in seinen 25 Filialen und über das Internet 2015 einen Umsatz von 1,033 Milliarden Euro. Das 1923 gegründete Familienunternehmen glänzte in den vergangenen Jahrzehnten unter Klaus Conrad und seinem Sohn Werner mit einer rasanten Entwicklung sowie enormen - eigenfinanzierten - Investitionen: 13 Millionen Euro 2015, 28 Millionen Euro 2014 und 43 Millionen Euro 2013.

Keinerlei Bankschulden

Die im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz 2015 weist ein Eigenkapital von 415,6 Millionen Euro aus. Die Eigenmittel-Quote beträgt bärenstarke 84,5 Prozent. In der Bilanz stehen keinerlei Bankschulden. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (operativer Gewinn) schrumpfte 2015 allerdings um ein Drittel von 51,3 (2014) auf 35,4 Millionen Euro. Selbstkritisch gesteht Conrad: "Handelsspannen geraten im Verdrängungswettbewerb unter Druck. ... Risiken der künftigen Entwicklung sehen wir weiterhin insbesondere in einem schwierigen, sich sehr schnell weiterentwickelnden Wettbewerbsumfeld." "Die Welt" berichtet vorab: "Zwar baute Conrad ein achtbares Onlinegeschäft auf. Doch mächtige Konkurrenten wie Amazon oder Otto kosteten Umsatz und Marge. Nun forcieren auch noch Saturn und Media Markt ihr Onlinegeschäft. Die Elektronik-Discounter hatten zuvor schon viele Jahre die Gewinnspanne im stationären Handel gedrückt."

16 Millionen Kunden

Die überregionale Zeitung mahnt: "Höchste Zeit also, den Verkauf anzugehen, wenn noch ein guter Preis erzielt werden soll. Immerhin bringen die Oberpfälzer 16 Millionen Kunden mit, allein 14 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr eine Filiale. Und im Internet lässt sich Conrad einiges einfallen: Wer online bestellt und in der Nähe eines Lagers oder einer Filiale wohnt, kann sein Produkt per Expresslieferung in zwei Stunden erhalten - da kann sogar Amazon oft nicht mithalten."

Dem Vernehmen nach soll am Freitag bei Conrad betriebsintern eine ausführliche Information zu den "Gerüchten am Markt" erfolgen. "Die Amazons dieser Welt tun Conrad richtig weh", sagte ein Insider der Redaktion. Inzwischen fänden sich 80 Prozent der Elektronik-Standardprodukte auf diesen Plattformen.
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