01.08.2017 - 22:08 Uhr
HirschauOberpfalz

So will das Familienunternehmen auch in Zukunft erfolgreich sein Conrad setzt auf eigene Stärken

"Natürlich schauen wir nach strategischen Partnerschaften, das ist doch völlig normal." Werner Conrad betont, dass Conrad Electronic mit digitalen Geschäftsmodellen und innovativen Produkten - aus eigener Kraft - auch in Zukunft erfolgreich sein will.

Werner Conrad
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Genervt und wohl auch belastet hat den Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Conrad Electronic SE der Medienrummel, den ein Bericht im Wirtschaftsmagazin der Tageszeitung "Die Welt" über angebliche Verkaufsabsichten ausgelöst hatte (wir berichteten). Werner Conrad ist "um die Zukunft nicht bange"; "Unser Familienunternehmen ist nun fast schon ein Jahrhundert erfolgreich im Markt tätig, was sicherlich auch mit daran liegt, dass jede Generation mit Veränderungen gut umzugehen weiß ..."

Zu dem zweistündigen Gesprächstermin in der Hirschauer Zentrale sind ausschließlich die regionalen Medien eingeladen. So wie sich Conrad Electronic bei der Gründung 1923 als Pionier für Radio-Technik verstand, so nimmt sich das Unternehmen seit 1997 des E-Commerce an. Gewiss, die Margen (Gewinnspannen) im elektronischen Massenmarkt schrumpfen und die Schnittstellen zwischen Online-Aktivitäten und Filialen "müssen noch stärker herausgearbeitet werden", sagt Geschäftsführer (CEO) Holger Ruban. Die Schließung von drei Filialen sei aber beileibe "kein Rückzug von der Filial-Strategie, sondern eine "taktische Entscheidung". Es zähle mehr denn je die Lage.

Hohe Qualitäts-Standards

Conrad Electronic will den digitalen Wandel quasi verinnerlichen, kooperiert intensiv mit Google. Der neue Online-Marktplatz für Geschäftskunden (B2B) in 17 europäischen Ländern soll bis Ende 2018 rund 10 Millionen Produkte umfassen. Dieses "dynamisch wachsende" Geschäftsfeld erzielt in diesem Jahr knapp 500 Millionen Euro und macht damit ein Drittel des Konzern-Umsatzes aus. Ruban sieht in der "Business to Business"-Plattform ein Alleinstellungsmerkmal. Den hauptsächlich aus der Industrie stammenden Kunden werden hohe Qualitäts-Standards und eine nachvollziehbare Lieferkette garantiert. Ruban: "Außerdem herrscht im B2B nicht dieser Margenverfall."

Werner Conrad und Holger Ruban messen den Eigenmarken mit inzwischen dreistelligem Millionen-Umsatz eine große Bedeutung zu. Bei Drohnen gilt das Unternehmen als technisch führend. Rege nachgefragt würden die 3 D-Drucker und Robotic-Systeme. Das B2C (Business-to-Consumer: Endkundengeschäft) stehe aber unter Druck: "Den können wir nicht wegreden." Ambitionierte Erwartungen verbinden sich mit der ersten "digitalen" Conrad-Filiale in Berlin ab September sowie Conrad Connect im Bereich Smart Living mit "faszinierenden Möglichkeiten".

"Wir müssen den Endverbraucher digital auf der Couch abholen", bekräftigt Conrad. Er will die Filialen als Schnittstelle zwischen realer und digitaler Welt "bespielen". Fassungslos macht ihn das Verhalten von Kunden, die sich in den Filialen zeitaufwendig beraten lassen und dann beim billigsten Anbieter im Internet bestellen. "Wir müssen die Kosten im Griff haben und in einem sich dramatisch verändernden Markt noch schneller und flexibler werden", stellt Werner Conrad fest. Das Unternehmen verdoppelte u.a. das Schulungs-Budget für seine Mitarbeiter, setzt auf Schlüssel-Technologien; auch anorganisches Wachstum über Akquisitionen sei denkbar. Die mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen 2016 veröffentlicht Conrad "fristgemäß" im Bundesanzeiger. Man sei schließlich kein börsennotiertes Unternehmen, "und mit der Strategie, uns nicht zu exponieren, bisher gut gefahren". "Nichts dran" sei auch an einem Einstieg des Otto-Konzerns, versichert Conrad. Die von der "Welt" verbreiteten Spekulationen will der Verwaltungsratsvorsitzende nicht weiter kommentieren. Man werde intern, vertraulich in kleiner Runde, auch in Zukunft mal nachdenken dürfen: Ohne gleich in der Öffentlichkeit zu stehen, so die Hoffnung. Conrad Electronic müsse als Unternehmen in seiner Gesamtheit gesehen werden - in der Mischung aus Filialen, Versand, Geschäftskunden und Endverbrauchern .

Die Preis-Transparenz in unserer Branche ist extrem hoch und es herrscht ein extrem harter Wettbewerb. Dieser Druck dürfte noch zunehmen.Holger Ruban, Geschäftsführer (CEO) Conrad Electronic
Wir überdenken vierteljährlich unsere Strategie neu.Werner Conrad, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Conrad Electronic SE

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