08.12.2017 - 11:32 Uhr
Hirschbach

Historisches Hammerschloss in Hirschbach saniert Wenn das Herz im Denkmal wohnt

1695 schufen die Zimmerer die Wendeltreppe, durch deren "Auge" man das Haus in seiner Höhe durchblicken kann. Im Hirschbacher Hammerschloss finden sich aber noch viele andere Kostbarkeiten aus vergangenen Jahrhunderten. Inzwischen ist der Denkmalschutzpreis 2017 dazugekommen. Der Hausherr öffnet die Tür, die Zeitreise beginnt.

von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es ist eine echte Besonderheit in der Oberpfalz und jetzt wieder mit Leben erfüllt: Das Hammerschloss Hirschbach geht vermutlich auf das 14. Jahrhundert zurück. Wichtige Geschlechter der einheimischen Montanindustrie des 15. und 16. Jahrhunderts besaßen es, darunter die Familien Sauerzapf, Peringsdorf, Haller, Harsdorf und Ebner von Eschenbach. Der allererste Nachweis datiert vom 7. Januar 1387. Jetzt wohnt eine junge Familie in dem Denkmal, die es liebevoll und mit großem Aufwand und Stilempfinden saniert hat.

Selten hat ein Dorf so eine bedeutsame Anlage aufzuweisen: Seit über 600 Jahren prägt das Hammerschloss das Ortsbild von Hirschbach. Seine Geschichte könnte Grundlage für einen Monumentalroman oder eine geschichtswissenschaftliche Fernsehserie sein. Der, der es mit seiner Familie saniert hat und jetzt bewohnt, weiß alle Details um seine uralte neue Heimat.

Norbert Knorren war schon immer der Meinung, dass dieses Zeichen der einstigen enormen Bedeutung von Amberg-Sulzbach als Bergbauregion unbedingt erhalten werden müsse. Und so kaufte der ehemalige Rohrwerk-Chef und jetzige Geschäftsführer einer Amberger Firma das Anwesen 2004 und bewahrte es zunächst einmal durch technische Maßnahmen vor dem Einsturz. Ab 2008 lief die aufwendige Sanierung unter Verwendung vieler originaler Elemente wie zum Beispiel der Dielenbretter, denkmalschutzgerecht, aber trotzdem immer auf dem neuesten Stand der Technik.

Erker wieder hergestellt

Das Gebäude besteht aus einem zweigeschossigen Sockel (1450) aus Bruchsteinmauerwerk mit Verputzung und Fugennetz sowie einem aufgesetzten Fachwerkgeschoß von 1555. Die Ostfassade ist im oberen Bereich komplett als Fachwerkgebäude ausgeführt, während bei der Westfassade bereits im 16. Jahrhundert das Fachwerk durch Bruchsteinmauerwerk ersetzt ist.

Bis in das 16. Jahrhundert war das Erdgeschoss komplett fensterlos und der 1. Stock nur mit den kleinen, schießschartenähnlichen Fenstern ausgestattet, die an der Nordfassade noch heute zu sehen sind. Im 17. Jahrhundert wurden die anderen Fenster jedoch auf die heutigen Dimensionen vergrößert. Der Hauptzugang, ein einfacher Rundbogeneingang aus Sandsteinen, befindet sich an der Nordseite.

Die Südfassade ist gekennzeichnet durch einen Schlepp-Erker im 2. Ober- und Dachgeschoss, 1555 errichtet, der im 18. Jahrhundert durch einen barocken Stand-Erker ersetzt wurde. Diesen löste wiederum im 19. Jahrhundert ein größerer Anbau ab. Im Zuge der jüngsten Sanierungsmaßnahmen wurde aber der ursprüngliche Bauzustand von 1555 wiederhergestellt.

Die Wendeltreppe ist auf 1695 datiert und führt in das 1. Obergeschoss. Das "Auge" der Treppenspindel ist so gefertigt, dass man von oben bis unten durchsehen kann. Rocaille-Malereien finden sich im Obergeschoss. Vermutlich wurde um ca. 1720 nur ein Raum mit dieser aufwendigen Wandmalerei ausgestattet. Im Geschoss darüber befindet sich ein Saal, der um ca. 1720 barockisiert wurde. Das Fachwerk von 1555 verfügt über viele sogenannte K-Verstrebungen. Diese Technik wurde ab ca. 1530 im fränkischen Fachwerkbau entwickelt. Das Fachwerk des Hammerschloss Hirschbach (1555) ist damit eines der frühesten Beispiele der Verwendung dieser Bautechnik in der Oberpfalz.

Originale Böden

Auch das Dachgeschoss wird dominiert von Fachwerk. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurden die originalen Fassungen wiederhergestellt. Der Fußboden besteht aus uralten Weichholz-Dielen. Diese wurden ausgebaut, überarbeitet, auf eine einheitliche Stärke verjüngt und anschließend in ausgewählten Räumen wieder verlegt.

Entstanden ist ein wahres Kleinod, allerdings erst nach langer, harter Arbeit. Doch jetzt hat das uralte Hammerschloss wieder eine strahlende Zukunft.

Wechselvolle Geschichte

Die im Fundament des Hammerschlosses gefundene Schlacke konnte mit der C-14-Methode auf das 13. Jahrhundert datiert werden. Damit wurde der Nachweis geführt, dass die Geschichte des Hammerschloss Hirschbach vor fast 800 Jahren begann.

Ins 13. Jahrhundert fällt der Beginn der Eisenherstellung und -bearbeitung ("Hammerwerk") in Hirschbach. 1387 wird das Hammergut erstmals urkundlich erwähnt. Besitzer war Conradt Suntleuttner. Im 13./14. Jahrhundert erfolgte also der Bau des ersten Hammerschlosses. Ca. 1424 kaufte Erasmus Sauerzapf aus Sulzbach das Anwesen und gab es 1442 an Jacob Sauerzapf aus Sulzbach weiter.

1450 wurde das Gebäude im 1. Markgrafenkrieg bis auf die Fundamente zerstört und anschließend mit vergrößertem Grundriß wieder aufgebaut. 1458, zum Bau der Schloßkapelle, holte Sauerzapf die Erlaubnis von Papst Pius II. ein; die Kirche wurde 1460 eingeweiht.

1472 erbte Erasmus II. Sauerzapf das Hammergut Hirschbach und verkaufte es 1491 an den Nürnberger Patrizier Sebald Peringsdorfer und seinen Schwiegersohn Jobst II. Haller. 1497 wurde gegen den Widerstand der Sulzbacher Patrizier die Erlaubnis zum Betrieb eins Kupferhammers erteilt, der anstelle des Eisenhammers in Betrieb ging.

Eine weitere Zerstörung erfolgte 1499 während der Fehde des Ritters Chr. v. Giech gegen die Reichsstadt Nürnberg; die Mauern des Erdgeschosses und des 1. Stocks überstanden den Brand, und das restliche Gebäude wurde wieder aufgebaut.

1505 übernahm der Nürnberger Bürger Hans Harsdorfer das Hammergut Hirschbach, 1520 kaufte es Hans III. Ebner von Eschenbach. Erneut schwer beschädigt wurde das Schloss 1552 im 2. Markgrafenkrieg; die Mauern des 1. und 2. Obergeschosses überstanden den Brand, das Gebäude wuchs um 1555 wieder neu. 1570 ging das Hammergut in den Besitz der Familie Georg Meinl über, 1603 durch Vererbung an Georg Christoff Gugel.

1581 entstand die erste Papiermühle auf dem Hammergut Hirschbach; der Eisenhammer wurde weiterbetrieben, aber seine wirtschaftliche Bedeutung nahm ab. Die Papiermühle wird bis 1878 betrieben, zuletzt von Georg Duschek.

1624 brachte den Kauf durch den Nürnberger Patrizier Leonhard Adam Waldstromer von Reichelsdorf. 1627 plünderten im dreißigjährigen Krieg Soldaten den Ort Hirschbach; 1635 wurde das Hammerschloss durch polnische Truppen beschädigt.

Der Nürnberger Losungsamtmann Johann Friedrich von Wimpfen erwarb das Hammergut 1664, bis es 1699 erneut die Familie Ebner von Eschenbach kaufte; zuletzt war es Teil der Ebnerschen Familienstiftung.

Erst 1816 ging es an den Handelsassessor Benedikt von Schwarz aus Nürnberg. Ab 1821 betrieb der Bauer und Gastwirt Christoph Ertel im Hammerschloss Hirschbach eine Schloßwirtschaft mit saisonalem Tanzbetrieb; anschließend führten Johann Herbst und danach Georg Kellner den Ausschank weiter.

Im 19. Jahrhundert wurde das Hammergut Hirschbach nachein-ander aufgeteilt und die Gebäude an einzelne Interessenten verkauft. 1894 erwarb die Familie Brunner das Schloss. 1975 verkaufte sie es an den Gastwirt Röhl, der 1985 das Hammerschloss Hirschbach an die Familie von Ramdohr weiterveräußerte, die dort bis 1999 eine Gastwirtschaft mit neun Gästezimmern betrieb.

2004 brachte dann den Erwerb durch die Familie Knorren Nichols, die eine denkmalgerechte Sanierung anlaufen ließ. 2015 feierte sie deren Abschluss und wohnt seitdem selbst in dem Denkmal. (ge)

Wohnen im Denkmal muss man auch wollen: "Es hat sich gelohnt"

"Als wir das Gebäude gekauft haben, haben viele unserer Freunde uns von diesem Sanierungsprojekt abgeraten - das würden wir nie schaffen! Denn tatsächlich war das Gebäude aufgrund vieler statischer Probleme einsturzgefährdet." Norbert Knorren, der zusammen mit seiner Frau Wendy Nichols das Hirschbacher Hammerschloss 2004 erwarb, zieht im Gespräch mit unserer Zeitung eine kleine Bilanz der aufwendigen und schwierigen Sanierung, die sich von 2008 bis 2015 hinzog.

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