Dr. Norbert Knorren öffnet Türen des Hammerschlosses bei Kirche und Wirtshaus mit Pfiff
Ansturm auf einzigartiges Kleinod

Lokales
Hirschbach
30.04.2013
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Als einen Glücksfall sehen es die Hirschbacher, dass das Hammerschloss einen Besitzer gefunden hat, der ein richtiges Kleinod daraus macht. Erinnerungen an vergangene Zeiten, als sie noch im schattigen Garten ein Bierchen genossen oder im Stodel zünftig feierten, erwachten bei manchen, als Dr. Norbert Knorren die Tür seines Schlosses öffnete.

Zu verdanken war das Pfarrer Konrad Schornbaum, der für das Evangelische Bildungswerk in der Reihe "Kirche und Wirtshaus mit Pfiff" mitverantwortlich zeichnet. Er hatte die Hirschbacher St. Wolfgangskirche und den Gasthof "Goldener Hirsch" ins Programm genommen und bat Dr. Knorren, eine Schlossbesichtigung anzuhängen.

180 Interessierte

Keiner der beiden hatte allerdings mit solch einem Ansturm gerechnet: Gut 180 Interessierte sammelten sich im Hammerhof. Neben dem Hausherrn selbst stand Architekt Michael Dittmann als "Schlossführer" zur Verfügung.

Das Hammerschloss Hirschbach geht in seiner jetzigen Form vermutlich auf das 15. Jahrhundert zurück und ist damit eine Besonderheit in der Oberpfalz. Es gehörte wichtigen Geschlechtern der Montanindustrie des 15. und 16. Jahrhunderts wie den Familien Sauerzapf, Peringsdorf, Haller, Harsdorf und Ebner von Eschenbach. Bei der sogenannten "Großen Hammer-Einigung" am 7. Januar 1387 wurde der "Obere Hammer" im Besitz von Conradt Süntleuttner aufgeführt. Dies war der erste Nachweis eines Hammerguts in Hirschbach.

Erster Bau anno 1450

2004 hat Dr. Norbert Knorren zusammen mit Ehefrau Wendy Nichols das stark renovierungsbedürftige Anwesen erworben und seine Geschichte recherchiert. Die Fundamente gehen auf den ersten Bau zurück, der 1450 zerstört wurde. Es wurden aber noch Hölzer vom zweiten Bau gefunden, den der Raubritter Christoph von der Giech 1499 schon wieder in Schutt und Asche legte. Angeblich wollte er sich an den Nürnbergern rächen, die seinen Vater, ebenfalls Raubritter, gehenkt hatten. Zu dieser Zeit war der Nürnberger Patrizier Jobst Haller der Hammerherr in Hirschbach.

Der heutige Bau geht in wesentlichen Teilen auf den Wiederaufbau nach der Brandstiftung zurück. Im zweiten Markgrafenkrieg wurde das Haus 1553 erneut beschädigt, doch zügig wieder aufgebaut. 1821 ging es in bürgerliche Hände über, und Christoph Ertel erhielt die Erlaubnis, Tanzveranstaltungen abzuhalten.

Ab 1910 ist belegt, dass die Familie Brunner neben der Landwirtschaft auch eine Gastwirtschaft betrieb. Zusammen mit dem Übernachtungsbetrieb endete sie 1999.
Knorren betonte sein Interesse, soviel wie möglich an Altem zu erhalten, doch dabei auf modernen Wohnkomfort nicht zu verzichten. Lehmputz und zum großen Teil Wandheizung sollen für gutes Wohnklima sorgen. Barocker Stuck ist noch im alten Tanzsaal zu sehen; teils alt erhalten, teils nachgefertigt. Sichtbar bleibt auch eine alte Wandtäfelung aus Fichte und Eiche aus dem Jahre 1554. Man vermutet, dass dieser Raum das Geschäftszimmer der Hammerherren war. Erhalten bleibt auch ein Kamin mit verrußten Steinen ringsum.

Passender Fliesenboden

Beim Rückbau kam ein alter Fliesenboden zum Vorschein. Mit passenden Ergänzungen, die aus Frankreich stammen und allerdings wesentlich jünger sind, ziert dieser Boden jetzt den Flur im zweiten Obergeschoss. Um 1950 gab es im ersten Stock auch Trauungen, da der damalige Besitzer Hans Brunner Bürgermeister von Hirschbach war. Einige ältere Besucher aus dem Ort erinnerten sich daran.

Zum großen Teil wird das Hammerschloss von der Familie Knorren-Nichols selbst bewohnt, doch im Erdgeschoss entsteht eine Einliegerwohnung, die vermietet werden soll. Im nächsten Jahr möchte Dr. Knorren mit seiner Familie einziehen.
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