03.06.2017 - 09:02 Uhr
HirschbachOberpfalz

Simultankirchen vereinen Konfessionen: Ökumene mal anders

In der Oberpfalz nutzen Katholiken und Protestanten teilweise heute noch dieselben Kirchengebäude. Die Idee der Simultankirchen hat hier viele Jahrhunderte überdauert - und könnte ein Modell für die Zukunft sein.

Der evangelische Pfarrer Konrad Schornbaum (l) und der katholische Pfarrer Hans Zeltsperger.
von Agentur DPAProfil

In der kleinen Ortschaft Eschenfelden im Landkreis Amberg-Sulzbach hat das Zusammenleben der Konfessionen einen besonderen Stellenwert: Protestanten und Katholiken teilen sich hier ein Gotteshaus. Die dortige Corpus Christi Kirche ist eine sogenannte Simultankirche. Das bedeutet hier: Gottesdienste werden im Wechsel gefeiert, die Nebenkosten werden geteilt und auf dem angrenzenden Friedhof werden sowohl katholische als auch evangelische Gemeindemitglieder bestattet.

«Das Zusammenleben hier ist störungsfrei», berichtet Konrad Schornbaum (59), der evangelische Pfarrer des Ortes. Und auch sein katholischer Kollege Hans Zeltsperger (52) betont: «Wir verstehen uns gut und unterstützen uns hier gegenseitig.» Schornbaum selbst bewohnt das Pfarrhaus im knapp 400-Seelen-Nest Eschenfelden, wo rund 85 Prozent Protestanten wohnen. Hans Zeltsperger betreut aus dem nahe gelegenen Edelsfeld insgesamt sechs Filialkirchen und hält nur zwei bis drei Gottesdienste im Monat in der Corpus Christi Kirche. «Wir schicken unsere Gottesdiensttermine an die Gemeindeverwaltung in Eschenfelden, das klappt immer ohne Probleme», berichtet Zeltsperger. Die Heiz- und Nebenkosten teile man sich dann nach dem Anteil der Glaubensgemeinschaften in der Ortschaft auf, sprich die Protestanten bezahlten dann auch 85 Prozent davon.

Die Idee des Simultaneums geht ins 17. Jahrhundert zurück, als der Pfalzgraf Christian August von Sulzbach in seinem Herzogtum die beiden Konfessionen einander näherbringen und jahrzehntelange religiöse Unruhen befrieden wollte. «Das war zu der Zeit eine sehr fortschrittliche Idee», erzählt Konrad Schornbaum: «Auch eine Einbindung der jüdischen Gemeinden, wie von Christian August wenig später eingeführt, war damals alles andere als selbstverständlich.»

Die Idee des Pfalzgrafen führte jedoch auch immer wieder zu Spannungen in den Gemeinden. So berichtet Schornbaum, dass in der nahe gelegenen Gemeinde St. Marien in Sulzbach einmal der Taufstein in der Kirche von beiden Konfessionen jeweils mit einem Eisenschloss verhängt wurde: «Der war dann über Jahrzehnte nicht nutzbar.»

Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden dann viele Simultankirchen wieder aufgelöst, von den ehemals 49 Kirchen in der Region Sulzbach existieren heute noch neun. Meistens habe dann die katholische Kirche die Simultaneen verlassen und eigene Gotteshäuser errichtet, erzählt Schornbaum. Deutschlandweit gibt es nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz noch etwa 70 Simultankirchen, unter anderem auch in Hildesheim und Freiburg.

Die Corpus Christi Kirche lässt sich laut Pfarrer Schornbaum bis ins 14. Jahrhundert zurückdatieren, optisch unterscheidet sie nicht viel von anderen herkömmlichen Dorfkirchen. «Für eine evangelische Kirche ist es lediglich etwas ungewöhnlich, dass ein ewiges Licht und drei Tabernakel vorhanden sind», meint Schornbaum.

Einmal im Jahr feiern die beiden Konfessionen eine ökumenische Lichtmessfeier, dazu kommen Schulgottesdienste oder Vereinsjubiläen. «Wir sind schon darauf bedacht, hier die ganze Bevölkerung einzubinden», erzählt Hans Zeltsperger. Jedoch seien ökumenische Messen, gerade an Sonntagen, für Katholiken selten möglich, da hierfür eine Genehmigung aus dem Bistum eingeholt werden müsse: «Daran sind wir dann auch gebunden. Die Hauptsache ist doch, dass das christliche Denken und Fühlen präsent sind.»

Aus Schornbaums Sicht wären Simultankirchen jedoch ein Modell für die Zukunft. Nicht nur aus pragmatischen Gründen, um mit dem Phänomen der sinkenden Besucherzahlen in den Gottesdiensten umzugehen. Auch aus theologischer Perspektive findet er den Gedanken der Simultankirchen wichtig: «Es gibt doch nichts Besseres für die Ökumene der Konfessionen als zu zeigen, dass man eine gemeinsame Kirche hat.»

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.