26.02.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Commerzbank übernimmt SchmidtBank - Massiver Stellenabbau in Hof - Filialen bleiben erhalten 500 Banker stehen auf der Straße

Aschermittwoch - Tag der Ernüchterung in Hof. Mit der Übernahme durch die Commerzbank bleibt das Filialnetz der SchmidtBank zwar weit gehend bestehen. 500 Arbeitsplätze in der Region Hochfranken sind jedoch verloren. (Mit Kommentar von Alexander Rädle)

Eric Strutz von der Commerzbank betrachtet am Mittwoch den Kaufvertrag der Schmidt-Bank im Hauptgebäude der Schmidt-Bank in Hof.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Mit ernster Miene setzte SchmidtBank-Chef Paul Wieandt am Montag seine Unterschrift unter den Übernahmevertrag und besiegelte damit einen weiteren Rückschlag für die nordbayerische Wirtschaft. 500 von 550 Bankangestellten in der Hofer Zentrale werden mit dem Verkauf der 176 Jahre alten Privatbank ihren Job verlieren. "Es gab keine Alternative", sagte Wieandt bei der Vertragsunterzeichnung. Immerhin blieben die 70 Filialen in Bayern, Thüringen und Sachsen mit ihren rund 550 Arbeitsplätzen erhalten - außerdem 130 bis 150 Jobs in der so genannten Abwicklungsbank,, die das verbleibende Kreditvolumen von 2,1 Milliarden Euro bearbeitet. Durch die Übernahme sei der Region die ganz große Katastrophe erspart geblieben. Wieandt: "Die finanzwirtschaftliche Wettbewerbssituation bleibt stabil."

"Passt perfekt"

Mit dem Kauf der SchmidtBank erweitert die Commerzbank ihr Filialgeschäft um rund zehn Prozent. 360000 Privat- und 4000 Firmenkunden der SchmidtBank werden mit der Übernahme zu Commerzbank-Kunden. Für den Finanzchef der Commerzbank, Eric Strutz, ist das ein "richtiger und konsequenter Schritt in ihrer ertragsorientierten Wachstumsstrategie".

Die SchmidtBank füge sich nahezu "perfekt" in das Filialnetz der Commerzbank ein, erklärte Strutz. Es gebe nur in "einer Hand voll" Städten Standortüberschneidungen. Was passiert, wenn Commerzbank und SchmidtBank-Filiale - wie in Weiden - einen Katzensprung entfernt liegen, ließ Strutz offen. "Das wird von Fall zu Fall entschieden", sagte er und fügte hinzu: "Die Arbeitsplätze in den SchmidtBank-Filialen sind sicher." Über einen Kaufpreis wollte sich Strutz nicht äußern. Er sprach von einem "zweistelligen Millionenbetrag im mittleren Bereich". In Bankenkreisen war am Mittwoch von etwa 60 Millionen Euro die Rede. Strutz rechnet damit, dass sich Kosten für die SchmidtBank-Übernahme bereits 2005 amortisieren.

Mit dem Kauf der SchmidtBank schmückt sich die Commerzbank als "Braut" für eine größere Banken-Ehe. Seit Wochen gibt es Spekulationen, die drittgrößte Bank Deutschlands könnte mit einer internationalen Großbank fusionieren. Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr mit einem Minus von 2,32 Milliarden Euro einen Rekordverlust verbucht. Die SchmidtBank war 2001 ins Straucheln geraten. Wackelige Kredite und die Verluste ihres Online-Brokers ConSors hatten die Privatbank an den Rand des Abgrunds gebracht. Nur durch eine Auffanggesellschaft war das Unternehmen noch zu retten. Bank-Chef Paul Wieandt verfolgte in den vergangenen zwei Jahren einen strengen Sanierungskurs und strich 2002 mehr als 800 Stellen.

Name verschwindet

Der Name der traditionsreichen Hofer Privatbank wird komplett aus der deutschen Bankenlandschaft verschwinden. Bereits in den nächsten Tagen firmieren die SchmidtBank-Filialen als Außenstellen der Commerzbank.

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