Landratsamt hat inzwischen Genehmigung für Klärschlammtrocknung in Aichaberg erteilt
Anwohner stellen sehr viele Fragen

In der Klärschlammtrocknungsanlage in Aichaberg wird der Schlamm so lange getrocknet, bis er nur noch rund zehn Prozent an Feuchte hat. Der dabei entstehende Geruch sorgt seit Jahren in der Nachbarschaft für Unmut und Proteste. Archivbild: Hartl
Lokales
Hohenburg
25.04.2013
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Es schien eine reine Formsache zu sein, dass der Hohenburger Marktgemeinderat im Januar der einheitlichen Genehmigung der Klärschlammtrocknungsanlage im Industriegebiet Aichaberg zustimmen würde. Doch der Gemeinderat verweigerte sich damals mehrheitlich, mittlerweile hat aber das Landratsamt eine Änderungsgenehmigung erteilt.

Immer wieder hatte es aus einzelnen Teilen der Gemeinde in der Vergangenheit massive Beschwerden darüber gegeben, weil die 2007 genehmigte Klärschlammtrocknung der Firma E&T Aichaberg GmbH im ehemaligen Munitionslager Aichaberg bei Hohenburg zum Teil ekelerregende Ausdünstungen zeitigte. Nun hatte sich der Betreiber bereit erklärt, einen zweiten sogenannten Biowäscher zu installieren, der diese Situation deutlich verbessern sollte. Bei dieser Gelegenheit sollte die Anlage, die in ihren Einzelteilen genehmigt war, in eine Gesamtheit gefasst werden.

Inzwischen genehmigt

Doch der Hohenburger Marktgemeinderat verweigerte diesen Schritt, vermutlich aufgeschreckt durch die Proteste aus der Bevölkerung - wohl wissend aber, dass in diesem Fall das Landratsamt die erforderliche Gesamtgenehmigung erteilen würde. Dies hat die Kreisbehörde eigener Auskunft nach im März dieses Jahres auch getan.
Nun erreichte das Landratsamt aber unlängst ein von 22 Bürgern aus der Umgebung der Anlage unterschriebener Brief, in dem unter anderem darauf hingewiesen wird, in der Anlage würde vor allem nachts "abgefackelt", was wohl mit Klärschlammtrocknung nur wenig zu tun habe. Zudem gehe das Gerücht, hier werde Holz aus der Ukraine verbrannt, das vom Betreiber mit Hilfe eines Geigerzählers auf Radioaktivität hin untersucht werde.

"Wir fordern eine dauerhafte Abgasmessung und Feststoffüberprüfung ohne Ankündigung", so die Anwohner - vorgeschrieben sei ja offenbar nur alle drei Jahre eine Messung, für die sich der Betreiber den Gutachter selbst aussuchen dürfe. Das sei insofern schon etwas seltsam, da das benachbarte Krematorium eine permanente Messung vornehmen müsse. Beim Landratsamt reagiert man auf das Schreiben gelassen. Auf Anfrage der Amberger Zeitung bestätigte die Behörde, dass im März die Änderungsgenehmigung erteilt worden ist. Messungen seien aber frühestens drei Monate nach Inbetriebnahme vorzunehmen. Zudem könne sich der Betreiber den Gutachter nicht aussuchen, sondern aus einer ihm vorgelegten Liste nur selbst auswählen. Zum Abfackeln merkt das Landratsamt an, die für die Trocknung erforderliche Wärme werde durch Blockheizkraftwerke erzeugt, die mit Holzgas betrieben würden.

Notfackeln müssen sein

"Notfackeln sind hier verpflichtend und dienen nur der Verbrennung des in den Motoren nicht verwertbaren Holzgases." Ergo deute das Abfackeln darauf hin, dass die Anlage ordnungsgemäß funktioniere. Auch das Thema Holz aus der Ukraine sei dem Landratsamt bekannt - allerdings nur als Vermutung von Anwohnern. Aufgrund der Auflagen aus dem 2013er-Bescheid könne das Landratsamt aber auch die Herkunft der verbrannten Pellets jederzeit überprüfen. Übrigens ist inzwischen auch der neue Biowäscher installiert, der nach Einschätzung der Umweltexperten aus dem Landratsamt den Gestank der Anlage noch einmal deutlich reduzieren dürfte - allerdings ist er noch nicht in Betrieb.

Der Eigentümer der Anlage begründet das gegenüber dem Landratsamt mit der bisher schlechten Witterung. Grundsätzlich soll es aber in den vergangenen Monaten mit der Geruchsbelästigung deutlich besser geworden sein. Das räumen auch die betroffenen Anwohner ein.
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