26.01.2018 - 07:00 Uhr
HohenburgOberpfalz

Hohenburger Fledermaus-Kolonie wächst weiter Große Hufeisennase ist ein Senkrechtstarter

Amberg-Sulzbach. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat die Gewinner und Verlierer 2017 des Naturschutzes in Bayern bekanntgegeben: Zu den Senkrechtstartern beim Artenschutz gehört die Große Hufeisennase in Hohenburg.

Die Große Hufeisennase, eine Fledermausart, die sich dank des Life-Natur-Projekts in Hohenburg munter vermehrt, gehört zu den Senkrechtstartern beim Artenschutz. Bild: Gareth Jones/dpa
von Uli Piehler Kontakt Profil

Seit 2012 gibt es das von der EU und dem Bayerischen Naturschutzfonds finanzierte Life-Natur-Projekt, um die extrem seltene Fledermausart vor dem Aussterben zu bewahren. Mit Erfolg: Seit Projektbeginn ist die Kolonie laut LBV von 67 auf heuer 184 Tiere angewachsen. Auch die Anzahl der ausgeflogenen Jungtiere hat sich auf insgesamt 70 weiter erhöht.

"Einer der Schlüsselfaktoren zum Überleben des letzten deutschen Vorkommens der Großen Hufeisennase ist der Insektenreichtum auf den pestizidfreien Flächen des Truppenübungsplatzes Hohenfels", erklärt LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer. Auch die gute Kooperation vieler Akteure trage zum Erfolg bei.

Sieger und Verlierer

Weiterer Gewinner ist der Weißstorch. Vor 30 Jahren war er in Bayern vom Aussterben bedroht. Der Bestand sank auf nur noch 48 Storchenpaare. Seitdem ist die Zahl jedoch kontinuierlich bis zuletzt auf knapp 500 Brutpaare gewachsen. Zu den Verlierern 2017 zählen der Igel und diverse Insektenarten. „Mit Freude sehen wir die Erfolge, die wir vergangenes Jahr in Bayern beim Weißstorch, der Großen Hufeisennase und dem Böhmischen Enzian feiern konnten. Mit Bestürzung hingegen beobachten wir, wie der Igel, das Birkhuhn und die Insektengruppe der Schwebfliegen immer stärker in Bedrängnis geraten“, betont LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer in einer Pressinfo des Verbands.

Erfolge beim Enzian

Einen positiven Weg eingeschlagen habe neben dem Weißstorch und der großen Hufeisennase auch der Böhmische Enzian, betont der LBV:  "Die attraktive Blütenpflanze kommt weltweit nur im Böhmischen Massiv vor, sie ist dort endemisch. Früher weit verbreitet, existieren aktuell nur noch wenige Standorte, darunter zwei Populationen in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau. Warum die Bestände so stark zurückgehen, ist noch nicht restlos geklärt. Insgesamt zählte das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bei einer Erhebung 2012 lediglich 80 blühende Exemplare auf Wildstandorten in Bayern." Schäfer fügt hinzu: „In einem LBV-Artenschutzprojekt werden nun mit viel Aufwand Samen gewonnen und in intensiver Anwuchs-Pflege aufgezogen. So konnten 2016 erste Keimerfolge gemeldet werden, 2017 ließ sich dieser Erfolg fortführen."
Zu den Verlierern 2017 zählt der Igel, genauer der in Bayern heimische Braunbrustigel. In der Neuauflage der Roten Liste der Säugetiere Bayerns 2017 steht er auf der sogenannten Vorwarnliste. Er wird zwar immer noch als häufig eingestuft, seine negative Bestandsentwicklung setzt sich aber durch die strukturelle Verarmung der Landschaft und den Einsatz von Chemie in der Agrarlandschaft auf beunruhigende Weise fort.

In der modernen Agrarsteppe fehlt es dem Insektenfresser Igel nicht nur an Nahrung, sondern auch an geeigneten Nischen wie Hecken- und Randgehölzen, in denen er Tagesschlafplätze und Winterquartiere anlegen kann. „Der Igel auf der bayerischen Vorwarnliste ist ein eindeutiges Warnsignal, dass eine weitere einstige Allerweltsart mit immer schwierigeren Lebensbedingungen zu kämpfen hat“, sagt Schäffer.

Seltenes Birkhuhn

Das seltene Birkhuhn kommt laut LBV in Bayern vor allem im Alpenraum vor. Die letzten Bestände in der Rhön könnten nur durch intensive Pflegemaßnahmen und das regelmäßige Aussetzen von Individuen erhalten werden. Während im nördlichen Landesteil also große Summen für den Erhalt der Tiere ausgegeben würden, habe das Jahr 2017 einen großen Rückschlag für die Populationen im Alpenraum gebracht: "Der Alpenplan, der seit 45 Jahren den Erhalt von Freiräumen und Ruhezonen in den bayerischen Bergen garantiert, wurde erstmalig geändert", teilt der LBV mit.

Die Herausnahme des Riedberger Horns aus der strengsten Schutzzone C habe nicht nur direkte Folgen für die dort lebende, größte Birkhuhn-Population im Allgäu. Das Riedberger Horn stelle einen Präzedenzfall dar, der weiteren Erschließungsprojekten im bayerischen Alpenraum Tür und Tor öffnen könnte. „Verlierer sind neben dem Landschaftsbild, einer nachhaltigen touristischen Entwicklung und einer transparenten bayerischen Politik vor allem die Birkhühner“, kritisiert der LBV-Vorsitzende.

Alarmierend wenig Insekten

Zu den großen Verlierern gehörten 2017 auch die Insekten, wie der LBV betont. Bei einem Rückgang der Insektenbiomasse in ausgewählten außerbayerischen Schutzgebieten um 75 Prozent in 27 Jahren sei auch im Freistaat von einer derartigen Entwicklung auszugehen. „Doch gerade die gewöhnlichen Arten, deren Leistung als Bestäuber für uns und unsere Landwirtschaft so wichtig sind, dürften wohl die besonders leidtragenden sein“, macht Schäffer deutlich.

Bei Schwebfliegen lasse sich zum Beispiel in manchen untersuchten Gebieten ein Verlust von 27 Prozent der Arten sowie 84 Prozent der Individuen feststellen. Auch in Bayern gebe es noch zahlreiche Vorkommen von Schwebfliegen-Arten. Studien des LBV zeigten jedoch, dass einige sehr selten geworden sind. Die Vorkommen seien insgesamt nur schlecht erforscht. „Die alarmierenden Zahlen sollten den Impuls setzen, ein flächendeckendes Netz an Monitoringflächen einzurichten, um dort regelmäßig geeignete Indikatorarten zu erfassen“, sagt der LBV-Vorsitzende.

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