19.01.2018 - 18:52 Uhr
Hohenfels

Der Schauerstein im Truppenübungsplatz Hohenfels Geschichte(n) aus dem Sperrgebiet

Ein besonderes Fleckchen sind für viele Menschen heute noch die ehemaligen Dörfer und Weiler im Truppenübungsplatz Hohenfels. Für die breite Öffentlichkeit sind sie nicht zugänglich, denn sie liegen in einem der größten militärischen Sperrgebiete.

Vom vom 594 Meter hoch gelegenen Schauerstein aus hat man einen schönen Blick ins Oberpfälzer Jura. Der Panzer im Vordergrund wurde als sogenanntes "Hartziel" für die hier übenden Soldaten deponiert. Bild: bö
von Paul BöhmProfil

Besuchen kann man die verlassenen Ortschaften nur mit Genehmigung der amerikanischen Streitkräfte: Das Sperrgebiet ist gefährliches Territorium. Viele der ehemaligen Siedlungen, die 1938 und 1939 oder dann bei der Truppenübungsplatz-Erweiterung im Spätsommer 1951 abgelöst wurden, liegen inmitten von Schießbahnen. Diese sind, auch wenn der "scharfe Schuss" in Hohenfels zu Beginn der 90er-Jahre eingestellt wurde, bis heute nicht entmunitioniert. Blindgänger und andere Munition werden zwar das ganze Jahr über von Kampfmittelbeseitigern geborgen und entsorgt - aber diese sind damit noch lange nicht am Ende angelangt.

Einer der besonderen Orte im Übungsplatz ist die Einöde Schauerstein, knapp zwei Stunden Fußweg von Allersburg und Ransbach an der Nordspitze des 594 hohen Jura-Ausläufers südöstlich von Griffenwang. Sie bestand zum Zeitpunkt der Ablösung aus den zwei Anwesen von Robert und Therese Günthner sowie Xaver und Margarete Götz und der Wallfahrtskirche Maria Schnee, die sich eng an die nördliche Felswand schmiegte. Das Anwesen Götz ist aus dem ehemaligen Einsiedlerhaus entstanden. Der steile Weg den Berg hinauf war beschwerlich - oben aber wurde man von einem herrlichen Rundblick belohnt, der manchen als einer der schönsten im Umkreis einer Stunde von Amberg gilt. Tatsächlich kann man hier bei Föhnwetter sogar den Mariahilfberg sehen.

Auf dem Schauerstein existierte seit dem frühen Mittelalter eine Höhenburg. Sie wurde wahrscheinlich von Ulrich Lotter von Schaunstein begründet, der 1282 als Besitzer genannt wird. 1297 verkaufte "Ulrich der Loter von Schaunstein" seine "purg zu dem Schaunstein" an Bischof Heinrich von Regensburg um 128 Regensburger Pfennige.

Die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Wallfahrt zum Schauerstein endete im 19. Jahrhundert, als der Schauerstein in private Hände kam. Politisch gehörte er zur Gemeinde Griffenwang, zur Schule ging man ins zwei Kilometer entfernte Pielenhofen über den Schmiedberg. 1916 beschreibt die Matrikel der Diözese Regensburg den Schauerstein als Einöde, als Haus mit vier Seelen. Die Familien Günther und Götz mit acht Mitgliedern und die Wallfahrtskirchenstiftung wurden 1951 abgelöst. Die Günthners zogen nach Burglengenfeld, die Familie Götz nach Wappelshofen bei Altdorf. Der Schauerstein lag danach im Zielgebiet einer Panzerschießbahn und war über Jahrzehnte starkem Beschuss ausgesetzt. Heute erinnern nur noch Grundmauern, Balkenreste und die Außenmauern der Kirche an die hochgelegene Einöde im nordwestlichen Teil des Übungsplatzes.

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