11.05.2018 - 14:06 Uhr
Oberpfalz

Drei Milchtankstellen im Landkreis Amberg-Sulzbach Frische Milch rund um die Uhr

Die gute alte blecherne Milchkanne: Wer Glück hat, ergattert vielleicht eine auf dem Flohmarkt. Das Gefäß erlebt eine Renaissance, denn die Milchtankstellen haben Zulauf. Auf drei Bauernhöfen im Landkreis hat sich diese Art der Direktvermarktung etabliert.

Zweisprachige Werbung in Kötzersricht, der amerikanischen Kundschaft wegen.
von Helga KammProfil

Amberg-Sulzbach. Noch vor Jahrzehnten war es auf dem Land gang und gäbe, frische Kuhmilch direkt beim Bauern einzukaufen, meist abgefüllt in eine blecherne Kanne. Dann lockten die Supermärkte mit abgepackter, haltbarer Milch, laktosefrei und mit unterschiedlichem Fettgehalt - der Weg zum Bauern kam aus der Mode. Bis die Landwirtschaft eine neue Idee hatte: die Selbstvermarktung durch hofeigene Automaten. Immer mehr kleine und mittlere Betriebe bieten frische Rohmilch an diesen Milchtankstellen an. Für sie ein wichtiges Standbein, für ihre Kundschaft ein frisches, unbehandeltes Naturprodukt.

Im Landkreis Amberg-Sulzbach sind mittlerweile drei Landwirte diesen Weg gegangen. Der Erste war im September 1995 Helmut Graf in Lengenfeld, ihm folgte im Oktober 1996 Gerald Mayer in Erlheim und fast zeitgleich die Familien Rauch-Ehbauer in Kötzersricht. Alle drei haben ihre Entscheidung nicht bereut. Ihr Milchangebot wird gern angenommen von Jung und Alt, von mittlerweile Stammkunden aber auch von Laufkundschaft, die einfach einmal die gepriesene frische Landmilch probieren will.
Im Übrigen ist derzeit sogar eine vierte Milchtankstelle im Aufbau. Auf dem Hof von Bettina und Konrad Reil in Freihung, direkt an der Einfahrt von der B 299, steht bereits ein Häuschen. 

Kühen muss es gut gehen

Weißblaue Hinweisschilder zeigen den Weg zu den schmucken kleinen Holzhäuschen, in denen zwei Milchtanks im Wechsel täglich mit frischer Milch gefüllt werden. Der Bauer braucht keinen Hofladen, kein Personal oder sonstige Auflagen. Der Kunde kommt, wirft einen Euro ein und zapft. Will er weniger als einen Liter, kann er den Milchfluss stoppen und bekommt Geld zurück. Für diejenigen, die keine alte Milchkanne mehr haben, stehen Glasflaschen bereit, die beim nächsten Besuch wieder verwendet werden können.

Gerald Mayer und seine Mutter Gisela, die langjährige Ortsbäuerin von Großalbershof und Sulzbach, kommen gern mit ihren Milchkunden ins Gespräch. Ihr Zacherlhof in Erlheim, seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz, ist auch wegen seines modernen Stalles interessant. Die 40 Melkkühe können sich frei bewegen, gehen selbstständig zum Melkautomaten und fressen das Heu von den hofeigenen Wiesen. "Das schmeckt man in der Milch", sagt nicht nur Gerald Mayer, so urteilen auch seine Kunden. Die können sich rund um die Uhr bedienen, auch in der Nacht. "Unser Frischmilchautomat ist Tag und Nacht geöffnet, da kommt nichts weg", sagt Gerald Mayers Frau Heidi, die das Milchhäuschen je nach Jahreszeit dekoriert. Und wenn einmal Milch übrig bleibt? "Da sind die Kälbchen dankbare Abnehmer", lacht Oma Gisela, "vergeudet wird kein Tropfen".

Der Hof Rauch-Ehbauer in Kötzersricht wirbt zweisprachig. An der Straße zwischen Vilseck und Amberg gelegen, hat er viele amerikanische Kunden. Georg Rauch hat den Hof, zu dem auch eine Biogas-Anlage gehört, 2005 vom Vater übernommen. Mit der Familie Ehbauer aus Mimbach kam es dann zu einer Betriebsgemeinschaft, "um die Arbeit zu teilen und auch einmal ein freies Wochenende zu haben", erklärt Rauch. In seinem Stall stehen an die 100 Melkkühe, dazu kommen 40 Kälber in Boxen. Da braucht es Mitarbeiter und auch Auszubildende, um die Arbeit zu bewältigen. "Keine Massentierhaltung, keine Agrarfabrik, da kann jeder reinschauen", beschreibt Rauch seinen Betrieb. Auch er begrüßt den Kontakt zu den Menschen, die an seiner Tankstelle Milch zapfen. Aussiedlerfamilien seien darunter, erzählt er, die Kefir und Joghurt aus der Milch machen und sich auch mit Eiern oder Honig eindecken. "Die Kunden erkennen den Unterschied zwischen diesen Produkten und denen aus dem Kühlregal im Supermarkt. Deshalb nehmen sie den Weg nach Kötzersricht gern in Kauf". Der Stall von Helmut und Suzanna Graf liegt an einem besonders idyllischem Platz. Zwischen der Vils und dem Fünf-Flüsse-Radweg in Lengenfeld, (Gemeinde Kümmersbruck) wurde er Ende des vorigen Jahrhunderts gebaut, nachdem durch einen Blitzschlag der alte Stall abgebrannt war. Helmut Graf ist der Besitzer seit 2001, Suzanna, "nicht vom Fach", hat 2016 eingeheiratet. Beide kümmern sich um insgesamt 130 Rinder, 70 davon sind Melkkühe. Trotz moderner Technik wie einem Melkroboter haben sie einen Fulltime-Job, bei dem die Milchtankstelle zwar wenig Arbeit macht, trotzdem aber gepflegt und gewartet werden muss.

Station am Radlweg

Ihre Kundschaft stammt nicht nur aus der Umgebung. "Sogar aus Schwandorf und Nabburg kommen Leute zu uns", freut sich der Landwirt. Und natürlich werden auch die Radler auf das schmucke Holzhäuschen aufmerksam, stärken sich nicht selten mit einem kühlen Milchtrunk, nehmen auch Eier oder Wurstdosen als Proviant mit. Als besonderen Service hat Helmut Graf am Ufer der Vils eine überdachte Brotzeitstation errichtet, sie wird von Radlern und Wanderern gern angenommen.

Drei Milchtankstellen gibt es bisher in Amberg-Sulzbach. Nicht sehr viel, verglichen mit anderen Landkreisen. Aber diese Direktvermarktung ist ein Trend, ihr Netz wird vielleicht auch hier noch dichter werden. Den Bauern sichert sie einen fairen Preis für ihr Produkt. Und die Kunden bekommen Milch in besonderer Qualität und Frische, 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

Wenn einmal Milch übrig bleibt im Automaten sind die Kälbchen dankbare Abnehmer. Vergeudet wird kein Tropfen.Ortsbäuerin Gisela Mayer, Erlheim

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