18.04.2018 - 19:30 Uhr
RiedenOberpfalz

Start-Up Happybrush wird auf Vox bei "Die Höhle der Löwen" bekannt Riedener bastelt an Zahnbürste der Zukunft

Wer hat's erfunden? Ein Oberpfälzer. Florian Kiener ist Gründer der Firma Happybrush, die bei "Die Höhle der Löwen" bekannt wurde. Mit seinen hippen Zahnbürsten mischt das Start-up die weltberühmten Marktführer auf - obwohl der 500 000-Euro-Deal aus der TV-Show immer noch nicht steht.

Basteln an der Zahnbürste der Zukunft: Die Happybrush-Gründer Stefan Walter (links) und Florian Kiener, der aus Rieden in der Oberpfalz stammt. Bild: Happybrush/Mónica Carduño
von Julian Trager Kontakt Profil

München/Rieden. Wenn Milliardenkonzerne nervös werden wegen eines Start-ups mit 15 Mitarbeitern, hat die kleine Firma wohl vieles richtig gemacht. Happybrush ist so ein Fall. Mitgegründet hat das Start-up für Mundpflege Florian Kiener, ein gebürtiger Riedener (Kreis Amberg-Sulzbach). Der 34-Jährige erzählt, wie aufgeschreckt die Marktführer sind, seitdem sein Unternehmen durch die Vox-Show "Die Höhle der Löwen" bekannt wurde. "Die versuchen, uns das Leben zur Hölle zu machen."

Wenige Tage nach der Sendung ist die elektrische Zahnbürste bei Stiftung Warentest durchgefallen, allerdings die alte. "Kein Zufall", glaubt Kiener, der mittlerweile in München wohnt. Vertriebler der Konkurrenz würden bei DM oder Rossmann schlecht über sie reden. Happybrush sei bereits mehrmals verklagt worden. Das beweise aber, dass die kleine Firma auf dem richtigen Weg sei. "Ich glaube, die hätten uns gern so schnell wie möglich wieder los. Die sehen uns als Gefahr."

Die Zahnpasta ist vegan

Vor zwei Jahren hat Kiener mit Stefan Walter das Start-up gegründet. Die Idee kam auf einer WG-Party. "Wir haben uns gesagt: Es ist Zeit für eine moderne Zahnbürste." Eine für junge Menschen. Bezahlbar, ästhetisch, nachhaltig. Dafür stehe Happybrush. Die Zahnbürsten sollen schön ausschauen, edel. Plastik werde kaum verarbeitet. Und die Zahnpasta? Ist vegan. Eben anders, hipper als die Produkte der Konkurrenz, die sie "langweilig und medizinisch" finden - und zu teuer.

In der Mundpflegebranche kennen sich Kiener und Walter aus, beide arbeiteten früher unterm Dach von Proctor & Gamble auch für Oral-B und Blend-A-Med. "Wir haben den Markt bereits gut gekannt, gewusst, dass Potenzial da ist." Die Start-up-Zahnbürste sei deutlich billiger als die der Konkurrenz und habe den Akku mit der längsten Laufzeit auf dem Markt, drei Wochen soll der halten. Weitere Besonderheiten: der biegbare Flexkopf und die Smart-Ladestation, die mit der Bürste kommuniziert und einen Zwei-Minuten-Countdown anzeigt - so lange sollte man schließlich putzen.

Florian Kiener träumte schon immer davon, sich selbstständig zu machen. So wie der Vater, der in Rieden eine Estrichfirma betreibt, oder der Opa, der Pferdehändler war. "Liegt in der Familie." Mit 19 zog Kiener in die große weite Welt - aber erst mal landete er in Passau, studieren. Und dann: Brasilien, Wien, Atlanta, New York, Berlin. Immer bei Großkonzernen in der Konsumgüterbranche. "Da ging's mir aber zu langsam zu", erklärt der 34-Jährige, warum er in den Unternehmen nicht lange blieb. "Ich will etwas Kleines, Flexibles, Agiles." Eben ein eigenes Start-up.

Leichter gesagt als getan. "Mit einem Start-up erfolgreich zu sein, ist sehr schwer." Neun von zehn gingen insolvent. Die größte Hürde sei die Finanzierung. "Man muss Kapitalgeber finden und von seiner Idee überzeugen." In Deutschland sei das extrem schwierig. "Bei uns gibt es wenig Geldgeber, die Risikokapital bereitstellen." Die Happybrush-Gründer haben mehrere gefunden, die Geld in ihre Idee investierten. Eine Million Euro, sagt der Riedener.

Um weitere Investoren an Land zu ziehen und um bekannter zu werden, hatten sich Kiener und Walter für die Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" beworben. In der Sendung, die im März 2017 aufgezeichnet und im Oktober ausgestrahlt wurde, haben die Investoren Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel zusammen 20 Prozent der Firmenanteile für eine halbe Million Euro gekauft. Zumindest im TV. Denn: "Der Deal steht noch nicht", sagt Kiener. "Wir sind noch in Verhandlungen mit beiden." Aber kein Problem: "Wir brauchen das Geld nicht dringend, die müssen nicht dringend investieren."

2,7 Millionen Zuschauer

Gelohnt hat sich der TV-Auftritt vor rund 2,7 Millionen Fernsehzuschauern so oder so. "Da sind wir national über Nacht bekanntgeworden." Wohl noch schöner: "Das hat uns einen ziemlichen Umsatzschub gebracht, ein gutes Weihnachtsgeschäft." Das Geschäft laufe ohnehin sehr gut. "Wir sind schon profitabel." 2017 sei super gewesen. "Wir haben einen siebenstelligen Umsatz eingefahren." Zum Vergleich: 2016 sei es noch ein niedriger sechsstelliger Eurobetrag gewesen.

Das reicht den Gründern nicht. Die Firma soll weiter wachsen, auch international. Die Produktpalette soll erweitert werden: Geplant sind Zahnseide, Mundspülung und eine Smart-Zahnbürste für Kinder. Mittels einer App will das Start-up die Kinder spielerisch ans Zähneputzen heranführen. Gründlicher und lang genug sollen die Kinder damit putzen. Eine Art Zahnbürste der Zukunft.

Der Sex-Pistols-Sänger und Happybrush

Nanu, Sex-Pistols-Sänger Johnny Rotten macht Werbung für Happybrush? In dem zweiminütigen Spot spricht der Rockstar über seine verfaulten Zähne - weswegen er, der bürgerlich John Lydon heißt, den Spitznamen "Johnny Rotten" bekommen hat. Und darüber, wie wichtig Zahnhygiene ist: "Liebe deine Zähne, sonst wird es richtig scheiße - scheiße, schmerzhaft und sauteuer." Happybrush-Gründer Florian Kiener klärt auf, wie sie die Rocklegende als Werbegesicht gewinnen konnten. "Ich kenne ihn über eine Ecke." Ein Bekannter habe den Kontakt hergestellt. "Rotten ist ein witziger und cooler Typ." (jut)

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