22.03.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Landratsamts-Anbau nicht in Passivhausbauweise Hohe Kosten, geringer Nutzen

Nachdem das Landratsamt aus allen Nähten platzt, beschloss der Kreistag im vergangenen Jahr einen Anbau an das bestehende Gebäude. Die Fraktionen von ÖDP und Bündnis 90/Die Grünen forderten nun per Antrag die Überprüfung, ob dieser auch in Passivhausbauweise errichtet werden könnte. Die Antwort darauf präsentierte Architekt Christian Schönberger bei der Sitzung des Ausschusses für Planung und Bau.

Auf zwei Flügeln des Landratsamts steht bereits eine Photovoltaikanlage. Nun sollen weitere Dachflächen der Behörde für den Solarstrom genutzt werden. Bild: Hirsch
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Um mit dem Anbau die Standards für ein Passivhaus zu erfüllen, müsste der Landkreis deutlich mehr Geld in die Hand nehmen: Die Mehrkosten für Maßnahmen am Gebäude und der Haustechnik bezifferte Architekt Schönberger auf rund 830 000 Euro. Angesichts einer jährlichen Einsparung von 5000 Euro an Heizkosten eine immense Summe. "Das rechnet sich nicht", resümierte der Architekt angesichts dieser Zahlen. Dazu kommt: Das Gebäude ist ohnehin bereits auf einem sehr guten energetischen Standard geplant.

"Wenn man es rein finanziell betrachtet, hört sich das natürlich brutal an", kommentierte Rudolf Sommer (Bündnis 90/Die Grünen) die vorgestellte Untersuchung. Allerdings plädierte er dafür, in die Entscheidung nicht nur finanzielle Aspekte einfließen zu lassen, sondern auch ökologische Überlegungen. Alfred Damm (ÖDP) stimmte zu: "Rein aus Kostengründen rentiert es sich nicht". Er brachte einen Kompromiss ins Spiel: Maßnahmen, mit denen der Bau zumindest die Anforderungen eines KFW-40-Effizienzhauses erreicht. Bislang liegt der Anbau zwischen KFW 50 und KFW 40. Doch auch hier hörte er, dass die dafür zu erwartenden Kosten in keiner Relation zum Nutzen stehen werden.

Siegfried Damm (SPD) plädierte dafür, den Kosten-Nutzen-Faktor zu sehen, "weil wir das Geld unserer Bürger ausgeben". Derartige Ausgaben ließen sich nach außen nicht mehr vertreten, war Damm überzeugt. Georg Butz (CSU) stimmte zu. Außerdem sei im ökologischen Bereich schon viel getan worden: Butz nannte hier die Holzbauweise und den ohnehin guten Energie-Standard. Der Sprecher mahnte, den "Bogen nicht zu überspannen" und plädierte dafür, den Anbau wie beschlossen zu belassen. Rudolf Sommer und Alfred Damm zogen daraufhin ihren Antrag zurück.

Ein weiterer Punkt fand aber eine Mehrheit im Ausschuss: Das Dach des Landratsamtes - inklusive des neuen Anbaus - wird mit weiteren Photovoltaik-Modulen bestückt. Die Anlage betreibt der Landkreis in Eigenregie. Ausgenommen davon ist der neue Sitzungssaal. Ein entsprechendes Ansinnen lehnte das Gremium mit drei Gegenstimmen ab.

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