15.09.2017 - 16:02 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Fundstücke mahnen für den Frieden Übergabe nach zwölf Jahren

Nach zwölf Jahren finden die Ausgrabungsgegenstände aus der Flötzhütte eine endgültige Heimat. Was die Reservistenkameradschaft in mehrtägiger Arbeit gesichert hat, erhält der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath (HAK).

Nach zwölf Jahren finden die Ausgrabungen bei der Flötzhütte ihren Platz im Museum. Die Reservisten sicherten sie 2005. Zur Übergabe waren gekommen: (sitzend von links) Norbert Stelzl, Martin Schmid, Robert Schön und Museumsleiter Anton Heindl, (stehend von links) Bernhard Kreuzer, HAK-Vorsitzender Hans Rösch, Arthur Kilgert, Ludwig Melzner und RK-Vorsitzender Wolfgang Nickl. Bild: bkr
von Bernhard KreuzerProfil

Immenreuth/Kemnath. Den Anstoß zur Sicherung der Funde gab Arthur Kilgert aus Mehlmeisel. Anlass war damals das 60-jährige Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Pfad der Erinnerungen vom Soldatenfriedhof Bad Berneck bis zum bombardierten Bahnhof Immenreuth war geplant und sollte zur Mahnung Orte des Kriegsgeschehens verbinden. Dazu gehörte auch die alte Forstdiensthütte der Stadt Kemnath in der Flötz im Gemeindebereich Immenreuth.

An dem heute beschaulichen Ort mit einer neuen Hütte ist kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges ein Soldat der Wehrmacht von Angehörigen der Waffen-SS erschlagen worden. Sie hatten Angst, von ihm möglicherweise an amerikanische Streitkräfte verraten zu werden. Fünf Tage vor Ende des Krieges, am 3. Mai 1945, griffen amerikanische Streitkräfte die Diensthütte von Mehlmeisel und Ahornberg aus an. Acht Soldaten der Waffen-SS sollen sich dort aufgehalten haben. Sie wurden vom Angriff überrascht. Der 19-jährige Fähnrich Hans Drechsel aus Geroldsgrün, Landkreis Hof, wurde dabei erschossen.

Zum damaligen Ausgrabungsteam gehörten RK-Vorsitzender Martin Schmid, Norbert Stelzl, Josef Ditschek, Gerald Etterer aus Dennhof sowie Arthur Kilgert und Hermann Lehnert aus Mehlmeisel. Die Arbeiten, und insbesondere die sich aus den Fundstücken ergebende Rekonstruktion des Geschehens, fasste Bernhard Kreuzer bei der Übergabe im Museum kurz zusammen. Dort hatten HAK-Vorsitzender Hans Rösch, Museumsleiter Anton Heindl, Heimatforscher Robert Schön und Hans Bäte die Immenreuther Reservisten um Vorsitzenden Wolfgang Nickl und Ludwig Melzner empfangen.

Die Forsthütte beschrieb Kreuzer nach den Funden als ein einfaches, 5,60 mal sechs Meter großes Holzbauwerk mit Vorbau und ohne festen Boden, ausgestattet mit einem Tisch, Besen, Ofen und Stuhl sowie Geschirr für einen Arbeiter. An militärischen Gegenständen wurden der Verschluss eines Maschinengewehrs, geschmolzenes Feldgeschirr, ein Orden, fünf Reichspfennige, größere Mengen explodierter Munition, ein Waffenreinigungsgerät und viel metallische Teile der Ausrüstung und Bekleidung gesichert. Die Fundorte sind planmäßig festgehalten worden. Außerhalb der Hütte waren die Reservisten auf zwei abgefeuerte Patronen deutscher Herkunft gestoßen. Aus Zeugenaussagen ergab sich der Hinweis, dass die deutschen Soldaten abgeführt wurden.

Mit einer Splitterhandgranate zerstörten die Amerikaner damals den gusseisernen Ofen und sprengten die Hütte mit einer Mine. Im 140 mal 110 großen und 40 Zentimeter tiefen Sprengtrichter lag noch das Minenoberteil. Der Vorfall veranlasste die Amerikaner, viele der Blockhäuschen im Fichtelgebirge abzubrennen, damit sie nicht als Unterschlupf dienen konnten.

"Es wäre ewig schade, wenn man die Vorgänge nicht dokumentieren und weitergeben würde", meinte Rösch. Er vertrat ebenso wie die Kameradschaft den Standpunkt, dass die Historie dieses Krieges aufgearbeitet werden und der Bevölkerung vermittelt werden müsse. "Wir haben ein unheimliches Glück, seit 1945 keinen Krieg mehr gehabt zu haben", betonte er und sah es als besondere Verpflichtung an, den Wert des Friedens durch die mahnende Erinnerung zu sichern. Rösch dankte allen, die bei den Ausgrabungen mitgewirkt haben. Heindl übernahm die Kartons mit den Fundstücken. Darin befanden sich auch zerbrochenes Porzellan, geschmolzene Einweckgläser und Besteckteile. Sehr viele metallische Fundstücke hatten die Finder bereits aufwendig elektrolytisch gereinigt und gegen weiteres Rosten geschützt. In der Missionshalle finden die Teile zunächst einen Platz.

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