02.03.2017 - 20:00 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Ein Kaplan, der gern läuft, über die Fastenzeit, seine Doktorarbeit und Privates Er kann ein Brückenbauer sein!

(mez) Vor kurzem erhielt Kaplan Justin Kishimbe in Fulda seinen Doktortitel. Zum Beginn der Fastenzeit nutzt Oberpfalz-Medien die Gelegenheit, mit dem 38-jährigen Geistlichen aus dem Kongo über seine Arbeit in der Pfarreiengemeinschaft Immenreuth-Kulmain, seine Doktorarbeit, aber auch über sein Privatleben zu reden.

Dr. Justin Kishimbe plaudert aus dem Nähkästchen. Bild: mez
von Roman MelznerProfil

Herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Doktortitels. Sie sind seit dem Jahr 2015 Kaplan der Pfarreiengemeinschaft Kulmain-Immenreuth. Erzählen Sie uns etwas über sich und Ihren Werdegang.

Kaplan Justin Kishimbe: Danke. Geboren bin ich am 19. Dezember 1978 in Kamina, das im Süden der Demokratischen Republik Kongo liegt. Nach meinem vierjährigen Studium an der Priesterschule in Fulda war ich dort vier weitere Jahre in einer Pfarrei als Kaplan tätig, bevor ich für ein Jahr am Regensburger Bezirksklinikum als Seelsorger wirken durfte. In meiner Freizeit spielte ich früher im Priesterseminar Fußball - als Stürmer. Heute schaue ich auch noch interessiert Fußball im Fernsehen an. Ich lese viel und laufe gerne. Dieses Jahr plane ich, am Nofi-Lauf in Kemnath teilzunehmen.

Mit dem Aschermittwoch begann ja die 40-tägige Fastenzeit. Viele Menschen nehmen sich den Verzicht auf irgendwelche weltlichen Dinge vor, ohne sich große Gedanken über einen religiösen Hintergrund zu machen. Ist dies nicht der verkehrte Weg?

Nein, absolut nicht. Der Ursprung des Handelns liegt schließlich in der Religiosität des Menschen. Es geht im Prinzip darum, den eigenen Lebensstil zu erneuern, sich bewusst zu machen, dass unser täglicher Konsum nur zweit- oder drittrangig ist. Es geht darum, sich selbst zu hinterfragen: Wie gestalte ich meinen Alltag ohne den Konsum von übermäßig viel an Essen und Trinken oder beispielsweise auch den Konsum der Medien, wie Handy, Laptop oder TV? Es gilt, Gewohnheiten zu überdenken und durchaus in Frage zu stellen.

Viele nehmen sich jedes Jahr viel vor. Nur wenige halten aber die 40 Tage Fastenzeit durch. Wo kann die Kirche Hilfestellung anbieten ?

Die drei Säulen in der Kirche während der Fastenzeit heißen traditionell Beten, Fasten, Almosen geben. Mit dem Sakrament der Buße kurz vor dem Osterfest wird diese abgerundet. Konkrete Beispiele zum Anfassen sind beispielsweise der Besuch der ein oder anderen Fastenpredigt des Pfarrgemeinderats in unserer Herz-Jesu-Kirche, die ab 10. März jeden Freitag stattfindet. Ich persönlich freue mich sehr auf die Gastprediger wie Pfarrer Edmund Prechtl oder den gebürtigen Immenreuther Pfarrer Markus Schmid.

In Ihrer Doktorarbeit behandeln Sie die zunehmende Distanz zwischen der traditionellen Kirche und der heutigen modernen Zeit. Sie sehen es als Herausforderung, hier Brücken zu bauen?

Das Evangelium wurde seit Jesus Christus zwar nie neu erfunden, aber immer wieder in seiner Auslegung neu angepasst. Viele Vertreter in den letzten Jahrhunderten, wie beispielsweise die Franzosen Marie-Dominique Chenu oder Yves Congar, haben darauf aufmerksam gemacht, dass man die kirchliche Traditionen einerseits sowie das Leben und das Bewusstsein der jeweiligen Zeit andererseits immer wieder aufeinander abstimmen muss. Dies darf jedoch nicht andauernd nach Belieben geschehen, sondern muss sich an dem Werteverständnis des Evangeliums orientieren.

Papst Franziskus fällt durch seine spontane Aktionen immer wieder auf, er wirkt unkompliziert und sehr volksnah. Was kann er, was wir alle anscheinend nicht zu verstehen wissen ?

Lassen Sie es mich an zwei Gleichnissen aus der Bibel erklären. Beim Gleichnis von den anvertrauten Talenten schildert Jesus einen Herren, der seine Knechte reich mit finanziellen Mitteln ausstattet, sich dann auf Reisen begibt und nach seiner Rückkehr Abrechnung hält. Die ersten beiden Knechte erwirtschaften Gewinn. Das Geld des Letzten hingegen, der aus Angst gar nichts investierte und es stattdessen vergrub, lässt der Herr wegnehmen und spricht es zu Recht dem Erfolgreichsten zu. Es geht darum, das Evangelium und sein Werteverständnis wieder besser zu verstehen und diese Erkenntnis daraus auch zu investieren. Seine Talente zu vergraben, kann schnell in einen Irrweg führen. Wir müssen das Evangelium in der heutigen Zeit umsetzen, die eigenen guten Gedanken und Taten vermehren und auch weitergeben - kurz gesagt, sie in unseren Alltag einfließen lassen. Unseren Nachkommen gegenüber.

Und das zweite Gleichnis?

Es handelt vom barmherzigen Samariter, der einem Mann, der von Räubern ausgeplündert und schwerverletzt wurde, spontan half und ihm wohl das Leben rettete. Vorüberkommende Geistliche hingegen halfen dem Mann nicht, da es grob gesagt nicht deren damaligen Vorschriften entsprach. Übertragen auf unsere Zeit heißt dies, dass man nicht lange Argumente gegeneinander abwägen soll. Das spontane Tun ist eine Chance, die wir jeden Tag aufs Neue erhalten.

Also brauchen wir eine Erneuerung auch von unten und nicht unbedingt beispielsweise in den Strukturen der Kirche ?

Jeder muss bei sich selber anfangen und sich an der eigenen Nase fassen, wie es so schön heißt (lacht). Aufeinander zugehen heißt ja nicht, dass der eine auf den anderen wartet, bis dieser den ersten Schritt geht. Man muss schon selber aktiv werden und auch mal im Leben bereit sein, ein Risiko einzugehen und vielleicht auch enttäuscht zu werden. Diese Entwicklung ist zudem ein dynamischer Prozess, der nicht nach dem ersten zwei, drei Schritten aufhören darf.

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