10.03.2017 - 20:00 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Interkulturelle Kompetenz stärken: Wege zueinander finden

Die ersten abgelehnten Asylbewerber haben Immenreuth verlassen. Nicht ihnen, sondern den anerkannten Flüchtlingen in Immenreuth und in den benachbarten Gemeinden gehört nun die Aufmerksamkeit. Sie zu integrieren, ist die gesellschaftliche Aufgabe.

PR-Journalistin Susanne Hassen sprach über interkulturelle Kompetenzen im SOS-Kinderdorf. Bild: bkr
von Bernhard KreuzerProfil

(bkr) Der Flüchtlingskoordinator im SOS-Kinderdorf Oberpfalz, Diplom-Sozialpädagoge Stefan Hartung, stellt sich der Aufgabe, die Grundlagen für ein gedeihliches Zusammenleben zu schaffen. Sein Angebot richtet sich an Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, Helferkreise und Schulen. Der erste Abend fand am Donnerstag statt. Die PR-Journalistin Susanne Hassen aus Ansbach sprach zum Thema "Interkulturelle Kompetenz".

Kinderdorfleiter Holger Hassel hob die Wichtigkeit der Flüchtlingsarbeit hervor. Er zeigte sich stolz auf die Unterstützung der Helferkreise aus Immenreuth und Kemnath. Durch die Flüchtlinge träfen verschiedene Kulturkreise aufeinander. Beide Seiten müssten ihre Fähigkeiten entwickeln, mit der neuen Fremdheit umzugehen. Beide Seiten haben das gleiche Problem: Der andere spricht anders, verhält sich anders, hat andere Gesten. Die aufeinandertreffenden Kulturen besäßen unterschiedliche Verhaltensmuster und Gesetze.

Stichworte für Hassen waren Pünktlichkeit, Berührungen, Umgang mit Frauen, Gruppenverhalten, die Familie und ihre Hierarchie sowie die Fähigkeit, Kritik üben zu können. Dabei führe das anerzogene Kulturwissen zu den ernsteren Problemen. So könnten zwei gleiche Verhaltensmuster gegensätzliche Bedeutung haben. "Was bei einem normal ist, kann beim anderen unanständig sein." An Beispielen machte die Referentin deutlich, dass hier fehlendes Wissen das Zusammenleben sehr erschweren kann. "So haben wir gelernt aufzuessen, bis der Teller leer ist. In anderen Kulturkreisen heißt dies, ich habe noch Hunger. Ein kleiner Rest dagegen signalisiert, ich bin satt. Wir sehen Reste allerdings als Hinweis, dass es nicht geschmeckt hat."

Ethnozentrismus oder Voreingenommenheit seien immer vorhanden. Über 100 Jahre alte Stereotypen schreiben nicht nur Menschen aus anderen Kulturkreisen bestimmte Verhaltensmuster zu. Das sei eine fatale Grundlage. Fehler, Schwächen oder negative Eigenschaften eines Einzelnen würden generalisiert und verallgemeinert auf große Personenkreise übertragen.

In einer Welt voller Vorurteile, Typisierungen und Verallgemeinerungen erlebe man in der Fremde immer einen Kulturschock. Dies gelte insbesondere für Flüchtlinge, die nicht freiwillig gekommen seien. Der "Honeymoon-Phase" bei der Ankunft folge sehr schnell der Fall in die Krise. Auslöser sind laut Hassen die Sprachunterschiede, Vorbehalte, Ungewissheit über die Zukunft, feindselige Gefühle oder traumatische Erlebnisse.

Ein großes Problem mit den Flüchtlingen haben die Helfer oft mit deren Pünktlichkeit. Um diese in kleinen Schritten zu vermitteln, hatte die Rednerin einige Tipps. Was die Arbeit allerdings erschwert, sind fehlende Möglichkeiten von Sanktionen bei Unpünktlichkeit.

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