11.05.2018 - 20:10 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Muttertag im SOS-Kinderdorf Immenreuth Einfach Mama auf Zeit

Dieser Sonntag ist für Mamas bedeutend: Es ist Muttertag. Auch für Jacqueline Tajariol. Sie ist Pflegemutter im SOS-Kinderdorf Immenreuth. Mit ihren fünf Pflegekindern wird das ein besonderer Tag - und doch ist er ganz normal.

Die Zwillinge Melissa (von links) und Joan malen für ihre Pflegemama ein Bild. Joans bester Freund fertigt auch ein Werk für seine Pflegemama an. Erzieherin Carolin Scherm hilft den Kleinen, Leon darf sich auf dem Gemälde auch verewigen. Bilder: esc (3)
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Auf der Terrasse tummeln sich fünf Kinder. Sie haben sich für ihre Mamas zum Muttertag etwas Besonderes einfallen lassen: Ein buntes Bild aus Hand- und Fußabdrücken, das dann in der Küche an die Wand gehängt wird, soll es werden. Kleine Farbdosen, viele Pinsel, Sitzkissen und zwei riesige Blätter haben sie auf der Terrasse ausgebreitet. Joan, Melissa und Leon wollen ein schönes Bild für Jacqueline Tajariol malen. Zwei Freunde - ebenfalls aus dem SOS-Kinderdorf - sind zu Besuch, auch deren Kinderdorfmama bekommt am Sonntag eine bunte Überraschung.

"Ganz normal, wie in jeder anderen Familie auch", sagt Jacqueline Tajariol auf die Frage, wie in der Einrichtung Muttertag gefeiert wird. "Die Kinder bereiten für mich was vor, es gibt Kuchen und wir sitzen dann alle zusammen", erzählt sie weiter. Seit knapp drei Jahren ist die 42-Jährige als Mutter im Kinderdorf in Immenreuth tätig.

"Ich wollte schon immer Pflegekinder haben", sagt sie. Sie weiß, dass es vielen Kindern in Deutschland nicht gut geht. Weil sie selbst eine glückliche Kindheit hatte, will sie das an die Buben und Mädchen weitergeben, die nicht so viel Glück haben, begründet sie ihre Entscheidung, vor sieben Jahren ihren Job im Versicherungswesen aufzugeben und Kinderdorfmutter zu werden. Ihre Aufgabe sieht sie darin, die Kleinen selbstständig fürs Leben zu machen.

Erfolgreiche Bewerbung

Weil die Kinder draußen ihre Überraschung für Jacqueline vorbereiten, darf sie nicht auf die Terrasse. Die Zwillinge Melissa und Joan sowie Pflegebruder Leon haben tatkräftige Unterstützung: Praktikantin Franziska Hecht und Erzieherin Carolin Scherm helfen, dass das Bild perfekt wird. "Nicht gucken", schreien die Kinder, als die Pflegemama doch mal die Terrassentür öffnet. "Nein", versichert sie. "Ich schaue nicht."

Jacqueline Tajariol kommt ursprünglich aus Leipzig, hat schon in verschiedenen Städten gelebt und war viel unterwegs. Weil sie in die Nähe ihrer Schwester und ihrer Eltern will, bewirbt sie sich direkt beim SOS-Kinderdorf in Immenreuth. Sie hat Glück, ihre Bewerbung ist erfolgreich. Es folgt eine Ausbildung zur Erzieherin - Voraussetzung für eine Pflegemutter im SOS-Kinderdorf. Seit knapp drei Jahren nun wohnt sie in der Immenreuther Einrichtung und hat fünf Pflegekinder.

Schon im Kindergarten haben Melissa und ihr Zwillingsbruder Joan für ihre Pflegemutter etwas gebastelt. Als Pflegemama Jacqueline mit Erzieherin Carolin und Sohn Leon die größeren beiden Pflegegeschwister Cheyenne und Fiona von der Ganztagsschule abholt, kramen die Zwillinge zwei kleine Schächtelchen aus ihren Zimmern hervor - eines rosa, das andere blau, beide mit einer Schleife umwickelt. Drinnen raschelt es, "da sind Hände drin", verrät die fünfjährige Melissa und ihr Bruder bestätigt mit einem Nicken. "Schnell wieder wegpacken", rät Praktikantin Franziska, "bevor Jacqueline wieder kommt."

Konzert zum Muttertag

Für ihre leiblichen Mütter basteln die Kinder mit Jacqueline an Christi Himmelfahrt auch etwas. "Sie sind immer präsent", erklärt die 42-Jährige. Die Buben und Mädchen nennen sie beim Vornamen, die leibliche Mutter ist die "Bauchmama". "Den Kindern ist bewusst, dass ihre leiblichen Mütter es einfach nicht schaffen, sie groß zu ziehen. Dafür bin ich da."

Wenn die Fünf außerhalb des Kinderdorfes von ihrer "Mama" erzählen, dann ist damit Jacqueline gemeint, weiß die 42-Jährige. Eines ihrer Kinder habe vor kurzem vom Kinderdorf von "meinem Zuhause" gesprochen. "Da wusste ich, ich habe alles richtig gemacht", sagt Tajariol.

Gegenüber ihren fünf Pflegekindern hat sie einen besonderen Wunsch zum Muttertag geäußert: "Von jedem wollte ich einen Gutschein über 30 Minuten schweigen", lacht die 42-Jährige. "Sie haben mich aber auf zehn runter gehandelt." Zum Muttertag am Sonntag steht noch der Besuch eines Muttertagskonzerts an. Die älteste Pflegetochter der Kinderdorfmutter singt im Immenreuther Chor "Bunte Töne" mit. Darauf freut sich Tajariol schon. Ganz normal - wie in jeder anderen Familie auch.

Die Kinder bereiten für mich was vor, es gibt Kuchen und wir sitzen dann alle zusammen.Jacqueline Tajariol

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