16.07.2017 - 20:00 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern jetzt Teil der Psychosozialen ... Im Verbund helfen

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Nordoberpfalz (PSAG) hat drei neue Partner. Mit dem "Überbetrieblichen Bildungszentrum in Ostbayern gemeinnützige GmbH" (ÜBZO) aus Weiherhammer einen ganz starken noch dazu.

Bei der Begrüßung durch Holger Hassel waren die inneren Stuhlreihen noch weitestgehend frei. Das änderte sich danach sehr schnell. Bilder: bkr (2)
von Bernhard KreuzerProfil

In ihrer Vollversammlung nahm die PSAG zudem den "Sozialteam-Betreuungsverein im Landkreis Tirschenreuth" und die "Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz" einstimmig auf. Der Saal des SOS-Kinderdorfes war für den Termin fast zu klein. Mit 20 bis 30 Teilnehmern hatten die Verantwortlichen gerechnet. Die Einrichtung war aber Anziehungspunkt für viel mehr Mitglieder.

Vorsitzender Thomas Fehr freut sich bei der Begrüßung über die überaus große Resonanz. Neben dem Hausherrn Holger Hassel hieß er die Referenten Manfred Häfner von der Betreuungsstelle des Landratsamts Tirschenreuth und Jessika Wöhrl-Neuber vom Familienzentrum Mittendrin aus Kemnath willkommen.

Eine besondere Verstärkung erhielt die PSAG-Nordoberpfalz durch die ÜBZO. Als Zusammenschluss aller, die in der Region Weiden, Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth an der Versorgung von Personen mit psychischen Erkrankungen sowie von Suchtkranken beteiligt sind, übernimmt sie als Steuerungsverbund die Versorgungsverantwortung entsprechend den Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung. In diesem Aufgabenfeld wird die ÜBZO einen wichtigen Platz durch ihre direkte Anbindung an die BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH einnehmen. Ronald Behrend stellte die Einrichtung vor. Nach seinen Worten versucht die ÜBZO, Behinderte, vor allem mehrfach behinderte Menschen, in das Arbeitsleben zu bringen. Die seit 2010 gemeinnützige GmbH versucht Lehrstellen zu schaffen und über den Bedarf hinaus auszubilden und dadurch die Region attraktiver zu machen. Zurzeit werden 28 Ausbildungsberufe entsprechend Interessen, Fähigkeiten, Eignung, Marktbedarf, Kenntnissen und Gesundheit der Lehrlinge angeboten. Rund 350 Auszubildende werden zurzeit betreut. Geschlecht, Alter oder Herkunft sind keine Auswahlkriterien. In über 350 Partnerfirmen kann vermittelt werden, 20 Schulungsräume und eine Lernfabrik stehen zur Verfügung.

Der weltweit größte Lösungsanbieter in der Wellpappindustrie wird laut Behrend ab 2022 die "Denkwelt" in Halmesricht bei Weiden in Betrieb nehmen. Es entsteht das größte überbetriebliche Ausbildungszentrum in Bayern.

Der Frage zur Stellung psychisch kranker Menschen in der Gesellschaft widmete sich Manfred Häfner. Nach seiner Feststellung hat rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung psychische Probleme. Aber nur ein verschwindend geringer Teil bedarf einer Betreuung. Dieser Teil wird eine Randstellung zugemessen, weil er den wirtschaftlichen Prozess hindert, ungeachtet der Tatsache, dass diese Menschen die gleichen Rechte genießen wie jeder andere auch. Häfner beklagte in diesem Zusammenhang die geringe Wertschätzung sozialer Berufe.

Thomas Fehr betonte deshalb, dass psychisch Erkrankte viele Möglichkeiten haben, sich in die Gesellschaft, in den gemeinsamen Sozialraum, einzubringen. Der Öffentlichkeit müsse klar gemacht werden, dass die Betreuung etwas Positives ist, was aber nicht immer so gesehen werde. Fehr forderte eine solidarische Haltung ein und gab zu bedenken, dass jeder sehr schnell aufgrund von psychischen Belastungen vom ersten Arbeitsmarkt ausscheiden könne.

Ein praktisches Beispiel, wie nicht nur dem angesprochenen Personenkreis, sondern allen, die seelisch und nervlich belastet sind, geholfen werden kann, gab Jessika Wöhrl-Neuber. Sie führte durch eine Vielfalt von Generationen verbindenden Angeboten des Familienzentrums Mittendrin. Der Erfolg mündet nun in ein Bürgerhaus. Aus der Städtebauförderung wurden bereits die ersten zwei Millionen Euro für den Umbau eines alten Brauereigebäudes bewilligt.

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