11.05.2018 - 20:10 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Die Rainer-Markgraf-Stiftung Ganz im Sinne des Stifters

Sie dürfte zu den finanzstärksten Stiftungen Nordbayerns zählen. Wie stark, dazu halten sich die Verantwortlichen der Rainer-Markgraf-Stiftung bedeckt. Lieber sprechen sie davon, was sie für Oberpfalz und Oberfranken erreichen wollen.

Irene Markgraf und Florian Prosch nehmen das Porträt des Stifters Rainer Markgraf in die Mitte. Bild: wüw
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Sie trägt seinen Namen, und die Rainer-Markgraf-Stiftung soll auch ganz im Sinne des 2015 verstorbenen Bauunternehmers wirken. Das ist der Witwe Irene Markgraf und Florian Prosch wichtig. Die beiden kümmern sich zuvorderst darum, dass die Körperschaft sich entwickelt, wie Rainer Markgraf es bei der Gründung im Jahr 2014 im Sinne hatte. Der damals 57-Jährige hatte die Stiftung großzügig ausgestattet: 66,8 Prozent des von seinem Großvater Wilhelm einst in Eger gegründeten Bauunternehmens übertrug er damals. "Es ging ihm vor allem darum, die Zukunft des Betriebs zu sichern", sagt Irene Markgraf heute im Rückblick. Um zu zeigen, dass sie seine Vision teilt, setzte die Witwe 2017 ein Zeichen und übertrug die verbliebenen 33,2 Prozent. Spätestens seither zählt die Rainer-Markgraf-Stiftung zu den Schwergewichten in Bayerns Stiftungslandschaft. Immerhin arbeiten beinahe 1000 Mitarbeiter europaweit in den Hoch- und Tiefbauprojekten der Markgraf GmbH für ihre Zwecke.

Dieser Hintergrund bringt die Körperschaft in eine vergleichsweise komfortable Situation. Während andere Stiftungen unter dem niedrigen Zinsniveau leiden, profitiert sie von der boomenden Bauwirtschaft. "Unser Geschäftsbetrieb ist darauf ausgelegt, alleine mit den Zinserlösen zu wirtschaften", schränkt Florian Prosch zwar ein. Dennoch sei es beruhigend, ein so mächtiges Unternehmen hinter sich zu wissen, gibt Prosch zu, der im Auftrag des Stiftungsvorstands und des Stiftungsrats um Irene Markgraf das Alltagsgeschäft erledigt. Auf Fragen zum Stiftungskapital und möglichen Ausschüttungen sind Prosch und Markgraf zurückhaltend. Nach mehrfacher Nachfrage verraten sie zumindest, dass der Jahreshaushalt in etwa 500 000 Euro beträgt.

Viel lieber sprechen die beiden darüber, was mit diesen Mitteln passieren soll. Wie von Rainer Markgraf im Stiftungszweck festgelegt gilt der Einsatz der Forschung und Bildung gefördert in der Oberpfalz und in Oberfranken. Im Auge haben Prosch und Markgraf dabei weniger die Hochschulen. "Uns ist vor allem das Handwerk wichtig", sagt Irene Markgraf. Durch Stipendien sollen Auszubildende und Meisterschüler Hilfe erhalten, schließlich sei gerade hier der Fachkräftemangel längst zu spüren. "Bald wird ein guter Handwerker mehr verdienen, als ein durchschnittlicher Hochschulabsolvent", prognostiziert Markgraf.

Geschichtspark profitiert

Ganz aktuell profitiert auch der Geschichtspark in Bärnau (Landkreis Tirschenreuth) von der Stiftung. Sie finanziert eine Stelle, die sich der Erforschung mittelalterlichen Handwerksarbeit ganz allgemein widmet. Auch die Bildungsarbeit der Internationalen Begegnungsstätte im Kloster Speinshart erhalte Unterstützung. Florian Prosch war einst selbst Mitglied des Speinsharter Prämonstratenser-Konvents und Leiter der Begegnungsstätte, bis er 2015 die Klostergemeinschaft überraschend verließ. Die Stiftung wolle und könne sich nicht auf die Bildungsförderung in der Baubranche festlegen. "Das ist so im Stiftungszweck nicht vorgesehen", erklärt Prosch. Andererseits gebe es schon wegen der Geschichte des Namensgebers besondere Nähe.

Und noch ein Steckenpferd ihres Gatten möchte Irene Markraf in die Arbeit der Stiftung einfließen lassen. "Er war so technikbegeistert", berichtet sie vom Verstorbenen. Immer wollte er das Neueste haben, "auch wenn die Technik noch gar nicht ausgereift war und man niemanden fand, der sich damit auskannte", erinnert sich die Witwe mit einem Schmunzeln an ihren Mann. Deshalb soll sich 2018 erstmals ein Rainer-Markgraf-Preis besonders an Techniker und Tüftler in der Oberpfalz und in Oberfranken wenden. 20 000 Euro sind ausgelobt für eine besondere Leistung, die die Region voranbringt (siehe Kasten).

Mit diesem Preis möchte die Stiftung auch Werbung in eigener Sache betreiben. Die vergangenen Jahre ging es vor allem darum, die nötigen Strukturen zu schaffen. Da dies nun erledigt ist, gibt es ein neues Ziel, das Irene Markgraf so beschreibt: "Wir müssen bekannter werden, damit wir unserem Zweck erfüllen können."

Rainer-Markgraf-Preis

Die Rainer-Markgraf-Stiftung lobt einen Preis für Menschen aus, "die sich in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Forschung als kreative Köpfe auszeichnen". Außerdem sollen Preisträger und Projekt einen Bezug zur Region Oberpfalz und Oberfranken aufweisen. Der Rainer-Markgraf-Preis ist mit 20 000 Euro dotiert. Bewerbungen werden bis 24. August angenommen. Verliehen wird der Preis am 14. November, dem Geburtstag Rainer Markgrafs. Vorschläge an: Rainer-Markgraf-Stiftung; Florian Prosch; Dieselstraße 9; 95448 Bayreuth

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Weitere Informationen:

www.rainer-markgraf-stiftung.de/rainer-markgraf-preis.html

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