11.03.2018 - 20:00 Uhr
Immenreuth

Fastenpredigt vom jungen Pfarrer Michael Hirmer aus Teublitz In der Schule hat man gefälligst zu funktionieren

"Umkehr kann Wunder bewirken." Das sagte Pfarrer Michael Hirmer bei der Fastenpredigt in der Immenreuther Herz-Jesu-Kirche. Der Geistliche erinnerte auf Einladung des Pfarrgemeinderats die aufmerksamen Zuhörer, worauf es im Leben wirklich ankommt. Der Kinder- und Jugendchor Bunte Töne gestaltete den Gottesdienst musikalisch.

Ehrliche, aber auch nachdenkliche Worte fand der Teublitzer Pfarrer Michael Hirmer bei der gut besuchten Fastenpredigt in der Immenreuther Herz-Jesu-Gemeinde.
von Roman MelznerProfil

Der aus Teublitz bei Burglengenfeld stammende Pfarrer legte mit seinem kleinen Elektroauto die rund 120 Kilometer nach Immenreuth zurück. "Da der nahezu leere Akku erst wieder aufgeladen werden muss, kann es passieren, dass meine Predigt heute etwas länger dauert", eröffnete der Geistliche mit einem Augenzwinkern den Gottesdienst. Die Lesung vom ersten Sündenfall und dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wurde von Elisabeth Skolaude vorgetragen. Das Evangelium, das Pfarrvikar Justin Kishimbe vortrug, handelte von der Versuchung Jesu, der allein in der Wüste fastete und dabei dem Teufel widerstand.

Jesus widerstand, während er fastete, drei Versuchungen, so Hirmer. Bei der ersten Versuchung wollte der Teufel dem hungernden Jesu dazu bringen, Steine in Brot zu verwandeln. Dieser entgegnete aber mit dem bekannten Spruch "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Der Geistliche führte dabei den Gläubigen ihren Alltag vor Augen, der anscheinend immer stärker getrieben ist nach einem Mehr an Geld, Ansehen und Kommerz. Den wahren Hunger, der in uns Menschen aber verborgen ist, ist der Hunger nach Trost, Anerkennung und ganz einfach Liebe, so der Geistliche. Er erinnerte beispielsweise daran, welcher Druck heutzutage auf Kinder und Schüler ausgeübt wird, die in der Schule "gefälligst zu funktionieren haben".

Statussymbole

Wenn bereits Viertklässler Nachhilfe bekommen, nur damit der Traum der Eltern vom Gymnasium für die Kinder in Erfüllung geht, läuft etwas falsch in unserer Gesellschaft, so Hirmer. Genau dieses Verhalten ist auch auf anderen Gebieten in der Politik oder im Beruf immer wieder anzutreffen. "Auf Kosten der Schwächeren und Armen in der ganzen Welt suchen wir unseren eigenen Vorteil. Vor allem mit der Droge Konsum werden dabei die eigentliche Fragen des Lebens überdeckt. Das Statussymbol Handy birgt dabei mit die meisten Gefahren. An die jungen Besucher des Gottesdienstes richtete der Pfarrer dabei die provokative Frage, was es ihnen bringe, wenn man 120 Freunde bei WhatsApp oder Facebook habe, wenn man sich aber sonst an keinen mehr wenden kann, wenn man wirklich einmal einen guten Freund zum Reden braucht.

Durch die Fastenzeit sollen auch den Erwachsenen die wahren Werte des Lebens wieder bewusster werden. Manchmal ist ein einfaches Gebet am Morgen oder Abend hilfreicher, als ein gut gefüllter Kühlschrank, mit dem versucht, seinen Frust zu überdecken. Bei der zweiten Versuchung forderte der Satan Jesus auf, sich von einem der größten Tempel der damaligen Zeit herab zu stürzen. Hätte sich Jesus tatsächlich von Engeln hinab tragen lassen, wäre er in der heutigen Zeit wohl zum Superstar in den Medien avanciert.

"Für viele Menschen ist Ansehen und Prestige viel wichtiger als die Grundtugenden, die die tragenden Säulen unseres gemeinsamen Miteinanders sind. Man selber will immer der Beste und Schönste sein und vor allem nach außen hin als perfekt da stehen."
Im Fernsehen wird nicht nur jungen Leuten, denen oft Vorbilder fehlen, solche Irrwege vorgegaukelt. Hirmer nannte dabei Sendungen wie "Germanys next Top-Model", "Deutschland sucht den Superstar" oder das "Dschungelcamp" in einem Atemzug. "Nichts ist unmöglich", wird dort nahezu vorgebetet, oder "Niederlagen sind nur für Verlierer", obwohl Menschen gerade aus solchen Situationen viel lernen können. "Führt dieser Medienrummel und diese Einstellung wirklich zu uns selbst?", fragte der Redner die schweigende Menge. "Wir sollten Gott mit einem solchen Handeln nicht auf die Probe stellen, denn wir sind bereits geliebte Kinder Gottes mit allen positiven und negativen Seiten. Eigenschaften wie Liebe oder gegenseitiges Vertrauen kann man käuflich nicht erwerben", warnte der Redner. Wer dies verinnerlicht habe, verstehe den tieferen Sinn des Lebens.

Bei der dritten und letzten Versuchung forderte der Teufel Jesus auf, sich vor ihm niederzuwerfen. Das alte Thema Macht wird hier behandelt, brachte es der Geistliche auf den Punkt. Sie wird ausgeübt in der Politik, aber auch in der Schule, im Beruf oder in der Familie. Es kommt dabei schnell zum Machtmissbrauch, der dabei oft in Ohnmacht endet und die Betroffenen sogar lähmt. Nichts geht mehr weiter, es ist oftmals zum Verzweifeln, erinnerte der Redner auch an seinen früheren Schulalltag. Jesus hingegen entgegnete dem Teufel, man solle dem Herrn dienen. Macht zu gebrauchen heißt aus christlicher Sicht, ein Diener für seinen Nächsten zu sein. Hirmer erinnerte, dass Schüler nicht umsonst Lieblingslehrer haben, bei denen sie anscheinend mehr lernen als bei anderen.

Ein guter Witz zur rechten Zeit ...

Der junge Pfarrer Michael Hirmer ist nicht nur in seiner Heimatgemeinde für seine offenen Wege bekannt, vor allem junge Menschen und Familien wieder stärker für die Kirche zu begeistern. Dem sonst zurückhaltend und ruhig wirkende Geistlichen gelang es auch in Immenreuth, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer schnell zu erreichen. Die Predigt eröffnete er dabei mit einem Witz, in dem eine alte Frau seit Jahrzehnten jede Woche zum Pfarrer in den Beichtstuhl kommt und immer wieder ein lang zurückliegendes Verhältnis zu einem jungen Franzosen beichtet. Irgendwann fragt sie der genervte Pfarrer, warum sie das immer wieder tue. "Ich weiß, dass es unrecht war", gestand die alte Frau dem Geistlichen, "aber es war halt so schön, dieser Versuchung nachzugeben". Auch nach der Kommunion mussten viele Besucher zunächst schmunzeln über den Geistlichen. Nachdem die "Bunten Töne" ihr Lied "Laudato si" beendet hatten, sang der Geistliche im Altarraum einfach so lange weiter, bis auch der Jugendchor und am Ende sogar alle Besucher erneut in den Kanon mit einstimmten. Bevor das Elektroauto des Pfarrers wieder voll aufgeladen war, nutzte er auch nach dem Gottesdienst die Zeit, um intensiv das Gespräch mit seinen Gästen zu suchen, bevor er in der Dunkelheit wieder Richtung Schwandorf enteilte. (mez)

Da der nahezu leere Akku meines Elektroautos erst wieder aufgeladen werden muss, kann es passieren, dass meine Predigt heute etwas länger dauert.Pfarrer Michael Hirmer

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