26.02.2018 - 19:30 Uhr
Irchenrieth

Amt für Landwirtschaft erstellt aufwendiges Verbissgutachten Stichproben mit Bissspuren

Für die Forstverwaltung des Landwirtschaftsamtes ist es eine Sisyphusarbeit: Das neue Gutachten zur Situation der Waldverjüngung - kurz: "Vegetationsgutachten" - für über 230 Jagdreviere muss erstellt werden. Es ist die Grundlage für die Abschusspläne für Rehwild, die nach dem Verbissgutachten alle drei Jahre festgelegt werden. Dieses berücksichtigt die Situation der natürlichen Waldverjüngung ebenso wie den Verbiss durch das Schalenwild mit den Folgeschäden.

Akribisch messen und begutachten die Experten die Bäumchen. Das Ergebnis nimmt Forstamtmann Albert Urban (knieend, rechts) auf. Auch Forstdirektor Gerhard Hösl (stehend, Sechster von links) verfolgt die Sisyphusarbeit. Bild: fz
von Ernst FrischholzProfil

In den 13 Hegegemeinschaften mit über 230 Jagdrevieren gilt es, die über 500 Stichprobenpunkte akribisch aufzunehmen. Die Naturverjüngung des Waldes soll ohne Schutzmaßnahmen erfolgen, in Abstimmung mit Forstverwaltung, Waldbesitzern und Jägern, stellte Forstdirektor Gerhard Hösl bei der Auftaktveranstaltung gegenüber einer Reihe von Hegeringleitern, Jagdvorstehern und Jägern im Enzenriether Wald bei Irchenrieth heraus. Diese "Verbissinventur" werde heuer zum zwölften Mal vorgenommen. Die Auswertung erfolgt nicht mehr bei der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising, sondern erstmals direkt im Amt selbst. Jede der 13 Hegegemeinschaften erfährt die Ergebnisse mit "revierbezogenen" Aussagen im Herbst.

Forstamtmann Albert Urban, Leiter der Forstdienststelle Irchenrieth, erläuterte das Verfahren. Auf den Kontrollflächen werden an fünf Stichprobenpunkten je 15 Bäumchen, also 75 Stück, in der Höhe von 20 bis 120 Zentimeter erfasst: nach Art und Höhe, Leittriebverbiss, Verbiss im oberen Drittel sowie Fegeschäden. Hösl warb für das Mitwirken von Waldbesitzern, Jagdvorstehern und vor allem der Jäger.

Dazu fordert auch der Kreisvorsitzende des Jagdschutz- und Jägerverbandes, Michael Schiffer aus Parkstein, seine Waidmannskollegen auf. In einer Stellungnahme gegenüber Oberpfalz-Medien bezeichnet Schiffer das Verbissgutachen als wichtiges Instrument auch für die Jäger. Diese hätten schon in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht: Der Verbiss gehe deutlich zurück. Wie die Jäger es lange gefordert hätten, werde heuer allein der Leittriebverbiss der Maßstab für die Bewertung der Verbissschäden sein.

Ganz zufrieden ist Schiffer dennoch nicht: Nach wie vor stünden die verbissenen Pflanzen im Vordergrund - und nicht die nicht verbissenen. Denn wichtig sei doch die Frage, ob der Waldbesitzer sein waldbauliches Ziel erreicht. Alle Beteiligten - Landwirte, Waldbesitzer, Forstverwaltung, Jäger - sollten sich auf übergeordneter Ebene zusammensetzen, um das System "forstliches Gutachten" weiter zu verbessern.

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